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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-03-11 · Heft 11 (11.3.1850) · p. Seite 142

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 11 (11.3.1850)
Date
1850-03-11
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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142 wenn Männer, deren Lebensberuf es ist, durch Wort und That das Judenthum vor der Verwässerung, vor der Filtrirung, vor dem Nichts einer unklaren und halben Anschauung zu schützen, sich zu konzentriren suchen, nennet Ihr das eine pfäffische Partei — nun gut, so nennet sie so, es soll Nichts darauf ankommen. Wir nehmen wenigstens dieselbe Freiheit in Anspruch, die Ihr zu Eurer Devise, mitunter zu sehr zu Eurer Domäne gemacht. Weiterhin kann aber dem allein entgegenstehen die Indolenz der betreffenden Rabbinen selbst, die nur auf das eigene Weichbild, auf die eigene Stellung blickt, und dem großen Ganzen kein Opfer zu bringen versteht. Wir glauben an eine solche Indolenz noch nicht. Unsere Zeit ist nicht dazu angethan, zu verkennen, daß unrettbar das Lokale immer wieder vom Allgemeinen durchströmt wird. Warten wir es ab. Was dann noch in's Gewicht fiele, wären die Reisespesen. Allerdings bei dem geringen Gehalte der meisten Rabbinen kein unbedeutender Gegenstand. Allein es gilt hier eine so wesentliche Lebensfrage, daß jede Rücksicht schwinden muß; und am Ende wird wol manche Gemeinde bereit sein, eine UnterstÜHung ihrem Geistlichen zu diesem Zwech§ zu gewähren. Vergeffet nicht, wir stehen Parteien gegenüber, welche ganz anders rührig sind! In diesen Tagen kamen uns mehrere Exemplare einer Wochenschrift zu, die den Titel führt: ,,die freie Gemeinde^, und in welcher folgendes Sendschreiben abgedruckt war. „An den Rabbiner vr. L. Philippson zu Magdeburg. Königsberg, den 10. Febr. 1850. Verehrter Herr! Der Aufsatz über Judenthum und freie Gemeinden, den Ihre Zeitung des Judenchums vom 17. Dezember bringt, ist wol zunächst für Israeliten bestimmt. Das hat mir indessen das Verstandniß desselben nicht erschwert, denn wenn ich mich auch bescheide, den großen Apostel nicht zu erreichen, der von sich sagt, daß er aus Liebe Allen Alles geworden, so habe ich mich doch auch von Jugend an bemüht, dem Juden ein Jude, dem Heiden ein Heide, Allen Alles zu werden, um selbst von Jedem zu lernen, was Jeder gerade lehren kann. Dieser Aufsatz Ihrer Zeitung hat auf's Neue einen Wunsch in mir erregr, der sich mir bisher nicht hat erfüllen wollen. Der Wunsch ist nämlich, die Frage über das Verhaltniß des Judenthums und Christenthums wieder einmal öffentlich verhandelt zu sehen. Wem es dabei nur um die bekannten Schlagwörter der neumodischen Weisheit, als Dualismus, Vernunft, Offenbarung u. s. w. zu thun wäre, der könnte sich freilich dies Vergnügen den ersten besten Tag selbst bereiten. So war es von mir nicht gemeint, sondern Judenthum und Christenthum sollen selbst austreten und sich über ihre Stellung zu einander zu verständigen suchen; jedes von Beiden wenn auch von dem Standpunkt und mit den Erkenntnißmitteln des 19. Jahrhunderts, so doch in bestimmt umgrenzter Gestalt, wie es in der Geschichte leibt und lebt. Soll eine solche Verhandlung zu Stande kommen, so sind offenbar zwei Personen erforderlich, die gegenwärtig sehr selten anzutreffen sind, zwei Menschen, welche über ihr Judenthum und Christenthum mit einander sprechen können, ohne zu zanken und sich zu erhitzen, und von denen sich doch auch auf der andern Seite Niemand seiner Religion schämt, weder der Jude seines Judenthums, noch seines Christenthums der Christ. Die zweite Bedingung trifft, wie mir scheint, bei uns Beiden zu. Sie unterwerfen die Forderungen des Zeitgeistes ihrer Beurtheilung, um zu ermitteln, was in denselben mit der Natur und Bestimmung des menschlichen Geschlechts übereinstimmt und deshalb als berechtigt angesehen werden kann und Sie sind überzeugt, daß die Pflichten, welche die wahren Fortschrittsbestrebungen der Gegenwart Ihnen auferlegen, von Ihnen erfüllt werden können, nicht etwa trotz dem daß Sie Jude sind, sondern eben deshalb weil Sie es bleiben. Dieselbe Stellung, welche Sie in dieser Beziehung zum Judenthum behaupten, nehme ich zum Christenthum ein. Auch ich bin stets entschlossen gewesen, den blinden Glauben nicht nur in Bezug auf die Satzungen meiner Kirche, sondern ebenso in Bezug auf die Modemeinungen des Tages von mir fern zu halten und die fortgesetzte Prüfung, welche das Ergebniß dieses Entschlusses gewesen ist, hat auch bei mir die Ueberzeugung begründet, daß der Fortschritt der Bildung und die Entwickelung des Christenthums Hand in Hand mit einander gehn. Mit derselben Genugthuung, welche Ihnen Ihre Verehrung gegen das Judenthum einflößt, betrachte ich meine Anhänglichkeit an das Christenthum. Ob wir im Stande sind, auch die zweite der oben

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