Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1850)
- Date
- 1850-03-04
- Page
- Seite 134 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225660-3225671--10839-3240909- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
134 Hilfe der Nächstenliebe in keinerlei Weise zu Theil wurde. —. Gestern ist wieder ein Trupp astentirter Honveds von Preßburg hier angekommen, dem Aussehen nach scheinen dieselben den wohlhabenderen Ständen anzugehören. Auch mehrere Israeliten befanden sich unter denselben. Wien, 20. Februar. (Privatmitth.) Diese Zeit hatten wir wieder so recht den Beweis, wie tief gewurzelt in der Welt noch das ungerechteste Verfahren gegen die Juden ist — aber nicht etwa blos hier, sondern in ganz Deutschland. Daß die englische Regierung unter den an die griechische Regierung gestellten Forderungen auch die Entschädigung des, vom Pöbel in Athen auf unverschuldetste Weise mißhandelten Pacisico aufgestellt, gab gewissen Blättern die schönste Gelegenheit, auf die Juden zu schimpfen, obgleich dieser Pacisico ebenso gut jeder andern Religion hätte angehören können, und die Engländer hätten doch Entschädigung gefordert, wenn sie dies einmal thun wollten. Allein solchen Blättern läßt man ihren Schmutz, man weiß, sie können einmal ihrer Natur nach nicht anders. Wie wird Einem aber, wenn eine Zeitung, wie die Kölnische, sich also vernehmen läßt: „So, lange man glauben machen konnte, Palmerston habe allein gehandelt, übereilt, heißblütig, unvorsichtig, so lange konnte man die Zügel schießen lassen gegen den verhaßten Minister; aber jetzt zeigt es sich, daß das englische Gesammtministerium mit dem Unternommenen einverstanden ist und sogar die beiden Häuser mit großer Majorität die auswärtige Politik billigten. Man hat also nicht mit dem vereinzelten Lord, sondern mit der Majorität der Nation einen Strauß einzugehen, welche sogar die Forderung eines jüdischen Unterthans beschützt." Wem schauert es nicht bei den Worten „welche sogar die Forderung eines jüdischen Unterthanen beschützt!" Also der Schutz eines jüdischen englischen Staatsbürgers ist so etwas Außerordentliches, daß er eines „sogar" bedarf. Der Jude sollte nach dem Bcdünken des Korrespondenten und, da sie es ausnahm, der Redaktion der Köln. Zeit, so schutzlos sein, daß es höchst auffallend ist, und durch ein „sogar" hervorgehoben werden muß, wenn die englische Regierung einen Juden schützt, ja sogar seine Entschädigung als erste Forderung aufstellt! Was giebt dieses „sogar" zu denken, und wie sehr charakterisirt es die, welche es geschrieben und ausgenommen haben! Großbritanien. London» im Februar. (Hannöv. Morgenz.) Verschiedene englische Blätter geben ausführliche Berichte über einen Besuch, welcher der Oberrabbiner Dr. Adler der jüdischen Gemeinde in Porthsmouth abstattete. Nicht die Ehrenbezeugungen, welche diesem würdigen Manne überall zu Theil wurden, und die gewiß viele Ihrer Leser, als einem aus Frankfurt a. M. gebürtigten Landsmanne widerfahren, erfreuen, veranlassen uns, auch Ihnen eine kurze Mittheilung darüber zu geben; wir wollen nur wiederum einen Beweis liefern, wie in diesem christlichsten Lande der Welt sich Alles bemühet, öffentliche Behörden sowol, als Privatpersonen, die Fesseln der Unduldsamkeit zu lüften und allmälig ganz zu lösen. Der Besuch geschah in der Absicht, dem jährlich stattsindenden Bankett einer jüdischen mildthätigen Gesellschaft beizuwohnen. Der Lord Major von Portsmouth, die angesehensten Geistlichen und Rechtsgelehrten, See- und Landofsiziere, Alle stellten sich dabei.ein, um dem würdigen Hirten ihrer jüdischen Mitbürger ein englisches „welcome“ zu geben. Den Tag vor seiner Abreise wurde vr. Adler dem Admiral Prescott vorgestellt, und besuchte alsdann das Arsenal, ein Gebäude, in welchem die Macht und die Größe Englands wol am Besten begriffen wird. Der Admiral ließ Hrn. Adler alsdann in seiner eigenen Jolle an Bord der „Victory" fahren, — das Schiff, auf welchem der unsterbliche Nelson siel. Abends war Dr. Adler der Gast der ganzen Gemeinde, und bei dieser Gelegenheit wurde ihm «in prachtvolles silbernes Theeservice überreicht. Unter den Toasts wurde der auf die betagte Mutter des Oberrabbiners nicht vergessen, eine Thcilnahme, die den Sohn tief zu rühren schien. Aehnliche Besuche werden nach den anderen Gemeinden Englands statlsinden; ähnliche Ehren erwarten gewiß den jüdischen Rabbiner auch dort. Die Lords werden einsehen, daß das englische Volk der Schutzzölle so wenig für sein geistiges als für sein materielles Wohl bedarf, und werden die Bill zur Emanzipation der Juden in dieser Sitzung nicht verwerfen.