Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1850)
- Date
- 1850-03-04
- Page
- Seite 129 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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129 mekndevorsteher veranlassen, sich der Mühe des Sammelns von Beiträgen in ihren Gemeinden geneigtest zu unterziehen! — Das schöne und beglückende Bewußtsein, durch ihre Thatigkeit so manchem Nothleidenden geholfen zu haben, wird für sie lohnend sein, und der Lohn, welcher Ps. 41, 2—5. den Wohlthätigen verheißen wird, wird auch nicht fehlen. Der Redakteur'dieser Zeitung, Herr Rabbiner I)r. Philippson in Magdeburg, wird mit gewohnter Bereitwilligkeit, Thränen zu trocknen und Wunden zu heilen, auf unsere Bitte die Gewogenheit haben, die Annahme und Weiterbeförderung von Liebesgaben für die hiesigen Nothleidenden sich zu unterziehen. Wreschen, den 2V. Februar 1850. - Der Vorstand der jüdischen Gemeinde. H. Rosenfeld. Berlin, 24. Februar. (Voss. Ztg.) In der hiesigen jüdischen Gemeinde nehmen die mehrerwähntcn, auf konfessionellen Gründen ruhenden Zerwürfnisse noch immer zu. Der neue Vorstand beabsichtigt dem Vernehmen nach gegen die vermögenden Gemeindemitglieder, welche ihre Beiträge zum jüdischen Gemeindewesen versagen, die Exekution vollstrecken zu lassen. Es dürfte dies indeß, nach der Ansicht erfahrener Beurtheiler, jede fernere Einigung unmöglich machen. Potsdam, 24. Februar. (Voss. Ztg.) In Potsdam wird demnächst wieder die Tochter eines dortigen Kaufmanns christlicher Religion zum Judenthum übertreten, um einen Arzt jüdischen Glaubens zu heirathen. In jüngster Zeit sind in Berlin wie in Potsdam mehr solcher Fälle vorgekommen. Anklam, 22. Februar. (Privatmitth.) Soeben, verehrter Herr Doktor, habe ich Ihren „Aufruf an die Rabbinen Preußens" (No. 8) gelesen. Sie haben mir und gewiß Jedem, der ein Herz hat für sein Judenthum, aus der Seele gesprochen. Ja, es herrscht Zerrüttung in den Gemeinden Jeschuruns. Wenn einzelne Gemeinden sich selbst or- oder reorganisirthaben, so sind cs Ausnahmen; in den meisten Gemeinden ist es nicht also! Es gilt jetzt ■nsn 'nb m-J55>b n? Es ist Zeit, daß die Gemeinden erfahren, welche Stellung sie der Staatsregierung gegenüber einnehmen; es ist hohe Zeit, daß sie eine Organisation erhalten, damit die Gemeinde-, Synagogen- und Schulverhältnisse geregelt werden und alle Institute neu erblühen. Das sieht Jeder ein. Darum ist eine baldige Berathung kundiger Männer, wie Sie sie vorgcschlagen, das Wichtigste, was jetzt geschehen könnte; und wäre es zu wünschen, wenn der qu. Aufruf vielfach verbreitet allgemeine Berücksichtigung fände. Eins jedoch ist's, was ich mir zu bemerken gestatte. Sie haben die Rabbiner aufgefordert. Da die Versammlung keine theologischen Fragen zu erörtern hat, warum nicht auch Nichtgeistliche? Es dürfte sehr zweckmäßig sein, wenn auch die Gemeinden aufgefordert werden, diese Versammlung durch Männer, denen sie Vertrauen schenken, wenn sie auch keine Theologen, zu beschicken und somit ihre Ansichten und Wünsche zu erkennen zu geben. Kleinere Gemeinden könnten sich vereinigen und zusammen einen Deputirten schicken. Die Kosten, die durchaus nicht so groß sind, ließen sich durch allgemeine Beiträge leicht ausbringen. Uebrigens laßt sich dies noch thun, wenn erst der erste Schritt gethan *). Drum frisch an's Werk, Ihr Männer in Israel! Wisset: Israel muß sich vereint um das Banner seines Glaubens scharen, wenn dieser aus dem Sturm der Zeit verherrlicht hervorgehen soll! Auch hier gilt:;'b 'n — ■’b ns vn L«?'NAi8 Nb DN1 Wedell. München, 25. Februar. Die Reichsräthe haben das Emanzipationsgesetz verworfen. Baiern wird also mitten in Deutschland das Land mittelalterlicher Intoleranz bleiben, wo sogar vor den Schranken der Gericht -öfe gefragt wird: bist Du von dem Stamme, von d-.. der Stifter unserer Religion, den wir anbeten? Dann ist für Dich ein gesondertes Recht vorhanden, und was gegen Andere Unrecht wäre, ist gegen Dich Recht! — Diese gespenstische Erscheinung ist zu wichtig, als daß wir nicht darüber glaubwürdige Berichte sammeln sollten — vielleicht will man es in der Zukunft nicht glauben! München, 14. Februar. Der Bericht des Herrn *) Ja wol! Die Gemeinden zur Absendung von Deputirten zu vermögen — dazu gehört mehr Bewegungskrast, als Jemand besitzt! Wir baden dies aus der Erfahrung. Halten wir uns erst an die Männer, deren Lebensberuf es ist. Red akt.