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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-03-04 · Heft 10 (4.3.1850) · p. Seite 128

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 10 (4.3.1850)
Date
1850-03-04
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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128 etwa — daß sie jetzt aufgehört, daß sie für die Zukunft aufhören werden? Dann irret Ihr. Ec ruhet nicht einmal. Dort ein äußerer, da ein innerer Feind. Dort ruft man: es soll kein Israel mehr sein! da: wozu braucht es noch eines Israels, lastet uns auseinandergehen! Dort ist es Knechtschaft, da Auflösung; dort die Kirche, da die freie Gemeinde; dort will man uns wieder ausstoßen, da will man uns aufnehmen, daß Nichts von uns übrig bleibe! Aber fürwahr! bleiben wir bei dem Schwure Moschus: „Kampf des Ewigen von Geschlecht zu Geschlecht!" Den hielten unsere Vater, den wollen auch wir halten. Denn wo ist denn der allgemeine Friede, daß Israel die Rüstung ablegen sollte? Wo ist denn das „der Ewige ist einig und sein Name einig" im Munde aller Völker, daß Israel sein „Einig" aufgeben sollte? Wo ist denn die allgemeine Erkenntniß und Freiheit und Brüderlichkeit, daß Israel seine Aufgabe gelöst, seinen Beruf erfüllt, sein Werk vollendet halten sollte, daß es trete in den heiligen Schatten der Vergessenheit, daß es mit eigenen Händen seinen eigenen Grabstein aufrichten sollte, mit der Inschrift: „ich habe vollbracht!"? Nein, noch ist der Altar Mosche's nicht zerschlagen, noch stehet er in die Höhe gerichtet, wer einen Stein daran verrückt, wer einen Stein davon nimmt, deß Hand ist welttempelschänderisch, der Altar heißt 'in „der Ewige ist mein Panier!" und der Schwur an demselben: Kampf gegen den Jrrthum und die Lüge, Kamps gegen das Unrecht und die Gewalt, Kampf gegen die Nacht, die Nacht, Kampf des Ewigen von Geschlecht zu Geschlecht! Also schwöret, Du, Herr, hörst den Schwur, Ihr, Israeliten, haltet den Schwur — Amen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Wreschen, 20. Februar. Nothruf! Noch bluten unsere Herzen an den großen und tiefen Wunden, welche, wie allgemein bekannt, die in hiesiger Gegend stattgehabte Insurrektion den Israeliten geschlagen, und schon wieder lastet neues Unglück schwer auf uns. — Die Cholera, diese verheerende Krankheit, hat uns leider im verflossenen Herbste zweimal sehr hart heimgcsucht und der Opfer sehr viele gefordert. — Da jammern Wittwen, die die Ernährer verloren; dort weinen Waisen, die Eine hat den Vater, die Andere die Mutter, die Dritte hat Beide zugleich verloren, und steht nun ganz verlassen und hilflos da; hier seufzet ein tiefgebeugter Familienvater, der Anblick seines zarten Säuglings, seiner hilflosen Kindlein zerreißt ihm das Herz; dort wieder schmachten Entkräftete und Schwache, nach Labung und Erquickung sich sehnend. — So sehen wir leider nur Jammer und Elend, Mangel und Noth um uns her, sehen viele Augen in Thränen schwimmen, viele Unglückliche, welche darben, und kein Gewand haben für den nackten Leib, kein Obdach für das müde Haupt. Ihnen Allen ist schleunige Hilfe und Rettung höchst nöthig; unsere geringen Mittel reichen aber leider nicht hin,, der so großen Noth der zahlreichen Unglücklichen abzuhelfen. In dieser großen Bedrängniß wagten wir es schon, durch die berliner und breslauer Zeitungen an den Wohlthätigkeitssinn edler Menschen uns zu wenden, und durch die sorgfältige Bemühung der Herren Rabbiner vr. Sachs in Berlin, vr. Geiger in Breslau und Arnheim in Glogau sind uns auch schon schöne Beitrage zur Milderung der hier herrschenden Noth zugeflossen. — Allein noch fließen der Thränen so viele, noch bluten der Wunden so manche, noch erblicken wir um uns her zahlreiche Hilflose ohne Stütze, Nackte ohne Gewand, Wittwen, im tiefsten Elende schmachtend, Waisen, umherirrend, wie Bedrängte ohne Zuflucht, wie Schäflein ohne Hirten. — Der Anblick dieser Unglücklichen, durch-harte Schläge des Schicksals so schwer Geprüften erschüttert und zerreißt das Herz auch des härtesten Mannes, und doch sind wir leider nicht im Stande, so zu helfen und zu retten, wie wir's so gern thätcn. So wagen wir es denn, auch durch dieses weitverbreitete Blatt an den Wohlthätigkeitssinn edler Menschen, besonders an die Herren Rabbinen, Lehrer und Gemeindevorsteher, vertrauensvoll uns zu wenden. Alle diejenigen, deren Herz warm fühlt, bei den Leiden ihrer Brüder, die den heißen Dank der geretteten Unglücklichen höher schätzen, als eine Hand voll Silber, sie alle bitten wir: uns ihre Beiträge gütigst zufließen lassen zu wollen zur Abhilfe der so großen Noth unserer armen Wittwen und Waisen, denen die Cholera so große und tiefe Wunden geschlagen hat. Möchte unser Nothruf nicht vergeblich verhallen, und namentlich die Herren Rabbiner, Lehrer und Ge-

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