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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-03-04 · Heft 10 (4.3.1850) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 10 (4.3.1850)
Date
1850-03-04
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 beute: „so lange die Israeliten nach oben blickten und ihr Herz dem Vater im Himmel unterwarfen, siegten sie. Und ferner, als der Sieg entschieden war (das. 15. 16.): „da baute Mosche einen Altar, und nannte seinen Namen: der Ewige meine Panier! da sprach er: denn die Hand an den Stuhl Jah's: Krieg des Ewigen wider Amalek von Geschlecht zu Geschlecht!" Wieein Kampf Gottes, des Ewigen, wider das armselige Völkchen Amalck? von Geschlecht zu Geschlecht, da es nach wenigen Geschlechtern verschwand? Ja selbst ein Altar des Ewigen, benannt der Ewige mein Panier! um diesen Sieg? und an diesem Altar ein feierlicher Schwur: die Hand an den Scuhl Jah's, wo noch dazu das nie wieder vorkommende V2? Wohin wir also in diesem Vorgänge blicken, begegnen uns eigenthümliche Dunkelheiten; um so näher aber liegt die Vermuthung, daß die sonst so klar erzählende Schrift diese Begebenheit ganz besonders hecvorheben, und in ihrer Tiefe eine andere, weiter greifende Bedeutung legen wollte — suchen wir diese. Wir wissen es, m. Fr., bisweilen selbst im gewöhnlichen Leben, dann in der Geschichte, daß ein Name für uns öfter der Träger, das Symbol eines Begriffes wird. Wer versteht es nicht, wenn wir Jemand einen Haman, einen Titus, einen Pharao, oder einen Salomo, einen David, einen Jonathan nennen? Der Name an sich ist es nicht — aber in diesen Namen drangt sich Alles hinein, was entweder Haß oder Liebe, was Weisheit oder Thorheit, was Menschenfreundlichkeit oder wildeste Grausamkeit bedeutet, und so wird der Name zur Bezeichnung einer ganzen Welt von Empfindungen, so erregt ein solcher Name den bittersten Abscheu oder die anziehendste Zuneigung, Schrecken oder Erleichterung. Sehet, also drängte Mosche in den Namen Amalek Alles hinein, was Haß gegen Israel, Widerstand gegen Israels Lehre und Beruf, was Ueberfall, Hohn, Unterdrückung als Widerstandsmittel gegen den Sieg der Gotteslehre, die Israel durch die Welt tragen sollte, umfaßte. Eine kurze Andeutung, eine Vorahnung legte Mosche deshalb in dieser Stelle nieder von dem, was eine lange, bis heute noch nicht geschlossene Kette von Thatsachen, Völkern und Menschen, die über uns kommen würden, werden sollte. Nicht der kleine Beduinenstamm in der Wüste blieb Amalek, sondern bald hieß er so, bald so, bald Assur, bald Babel, bald Damaskus, bald Rom, bald Spanier, bald Baier; — sie Alle aber waren Amalek; nicht Agag hieß er fürder, sondern bald Nebuchadnezzar, bald Titus, bald Hawan, bald Florus, bald Eisenmenger, bald Sepp — aber immer waren sie Amalek. Verstehen wir also diesen weittönenden Namen Amalek, begreifen wir ihn von vorn herein als das Symbol jenes Kampfes, den Israel damals in der Wüste begann, und bis heute sortzukampfen hat, des Kampfes der Wahrheit gegen die Lüge, des Rechtes wider die Unterdrückung, der Freiheit wider die Knechtschaft, des Lichtes wider die Nacht, wider die Nacht der Heuchelei, des Vorurtheils, des Aberglaubens — dann wird uns Alles klar in der Erzählung der Schrift und was sich an sie knüpfet. Sehen wir genauer nach. H. Noch bevo r Israel zum Sinai gelangte, noch bevor jene Worte der Wahrheit und des Rechts ertönten, welche seitdem das Eigenthum der Menschheit wurden — brach der Kampf los. So, m. Fr., fühlen die Dunkelmänner, die, wie Jeschaja sagt, „Finsterniß machen zu Licht und Licht zu Finsterniß," so fühlen diese wie durch Instinkt, im Voraus, von wannen ihnen Gefahr drohe, und fahren aus ihren Schlupfwinkeln darüber her. Noch bevor die Morgenröthe angebrochen, suchen sie dieselbe durch Nebel und Dünste zu verhüllen; noch ehe die Wahrheit geboren worden und an's Licht, der Welt getreten, suchen sie sie schon zu ersticken. Und mit welchen Mitteln, fragen wir nun zuerst, trat ihnen Mosche entgegen? Zuerst sprach er zu Joschua„Wahle uns Männer und zieh aus, streite wider Amalek" (V. 9.). Und so ist es. So sehr wir auch wünschten, daß der Kampf der Wahrheit mit den Waffen des Geistes allein ausgefochten würde, aber die Gegner wollen dies nicht, weil sie auf diesem Felde ihre Niederlage voraussehen — da scheuen sie keine äußeren Mittel, keine Gewaltrhat, kein Gift: und so muß auch der Vertheidigec des Rechtes zum äußern Kampfe rüsten und dafür einstehen mit aller Kraft. Freilich sind es da nicht allein Schwert und Lanze; öfter noch tritt der Feind der Wahrheit mit den Verlockungsmitteln der Bestechung auf: sieh, diesen Lohn erhältst du, diese Ehren, diese Aemter, so frei sollst du sein, wenn du ablässest von der Wahrheit; noch öfter treten sie mit den Drohmitteln des Schreckens auf: sieh, wir stoßen dich aus, wir lähmen dich, wir entfernen dich aus Brod und Wirksamkeit, wenn du nicht ablässest von der Wahrheit — da müsset ihr gerüstet sein wie Männer und streiten wider Amalek als Männer! Dann aber stieg Mosche auf den Hügel und erhob

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