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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-25 · Heft 9 (25.2.1850) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 9 (25.2.1850)
Date
1850-02-25
Page
Seite 122 (sequence 14)
Language
German
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122 einigem Zögern sprach er:-„Jch will morgen mit meiner Tochter reden." „Was, Rabbi, Ihr wollt mit Eurer Tochter reden? Seit wann wäre das Sitte, daß der Vater mit der Tochter über seinen Eidam rede? Das istEhukkas hagojim. Ihr seid Vater, und — ich verlange Eure Antwort zur Stelle, sonst verlasse ich Euch auf der Stelle. Ich will mich nicht Hanseln lassen...." „Ihr scheint meine Tochter nicht sehr zu lieben, Jonathan, oder habt von ihr schon eine tüchtige Abweisung erhalten, sonst würdet Ihr es für recht befinden, daß ich erst mit ihr rede. Jndeß was auch auf dem Spiele stünde, ich kann gar nicht anders handeln. Als meine verstorbene Magd, die treue Bitta, auf dem Sterbelager lag, ließ sie mich rufen, und nahm mir einen hohen heiligen Eid ab, Sara nie zu verloben, ohne sie gefragt und ihre Einwilligung erhalten zu haben. Denn, Rabbi, sagte sie, Ihr seid mit der Wett zu unbekannt, um nicht leicht hintergangen zu werden. Ich habe ge-; schworen und werde es halten...." j Der Bachur biß sich auf die Lippen, und schwieg. > Er fühlte, daß er sein Spiel verloren. .„Nun gut," j sagte er endlich, „morgen Mittag erwarte ich Antwort." Hiermit zog er sich auf seine Kammer zurück. Sein Entschluß war gefaßt. Am andern Morgen! stieg er hinunter, und trat, als Sara allein in der Wohn-! stube war, ohne Weiteres auf sie los.! „Sara," sagte er in einem trotzigen Tone, „Ihr j habt mir große Schmach zugefügt. Ich will nicht das! Böse mit Bösem vergelten. Hört wohl zu, um Eures j eignen Besten willen.. fügte er hinzu, als Sara sich! abwandte und das Zimmer verlassen wollte. „Ich trage! Euch hiermit förmlich meine Hand an, und damit Ihr j sie annehmet, sage ich Euch, daß Euer Vater den größj ten Werth darauf (egt, und damit Ihr mich nicht abweiset, sage ich Euch, daß Euer Vater und Ihr in's Verderben gestürzt werdet, wenn Ihr mich abweiset. Bedenket es wohl, jedes Wort, das ich Euch sage, hat Zentnergewicht, und es kann die Zeit nicht ausbleiben, wo Ihr diese Stunde wehklagend zurückrufet, wenn Ihr mich abweiset. Noch diesen Morgen wird Euer Vater mit Euch sprechen, saget Ja, und Ihr macht uns Alle glücklich. . . Sara stand wie angewurzelt; ehe sie noch antworten konnte, war Jonathan aus dem Zimmer verschwunden. Welch' ein Kampf ging in dem zarten Herzen des Mädchens vor. So unbestimmt der Bösewicht auch von dem Verderben gesprochen, das ihr und ihrem Vater drohe, wenn sie ihn abwiese: so fühlte sie doch, solch ein Mensch spricht nicht leere Worte, sondern ist entschlossen auszuführen, was er in seinem schwarzen Herzen ausgebrütet. Wie? sollte sie die Ursache eines schweren Unglücks sein, das über ihren edeln Vater hereinbräche? Doch wiederum, was könnte ihr tugendreicher Vater, der kein Kind beleidigte, gethan haben, dessen Folgen für ihn verderblich sein könnten? Und war nicht das Unglück noch größer, an der Seite solch eines Mannes zu leben? „Nein!" rief sie aus, „mein Herzblut geb' ich hin, aber nicht mein Leben! Mag er drohen — droben wohnt ein Beschützer der Unschuld." Sie faßte sich. Ihr Vater kam und trug ihr die Sache in zarten und zärtlichen Worten vor. Sie berichtete ihm den ganzen Hergang der Dinge, sie zeigte ihm, daß Jonathan nur deswegen in ihre stille Hütte gedrungen, sie öffnete ihm ihr Herz, und legte ihm den unüberwindlichen Abscheu dar, den sie vor dem Bachur habe. Der edelmüthige Rabbi seufzte nur; er sprach ihr Nichts von der Zertrümmerung seiner Hoffnungen, von der Täuschung, die er nun zu tragen habe ... er seufzte nur. Als Jonathan zu Mittag hereintrat, gab er ihm kund, daß seine Tochter seine Hand nicht annehmen wolle, und daß er sie weder zwingen könne noch werde. Jonathan erwiderte kein Wort, drehte sich um, ging auf seine Kammer, nahm seine Effekten, und verließ das Haus. Als es Abend geworden, saß der Rabbi wieder in seinem Studierzimmer. Er hatte die Berechnungen wieder vorgenommen, denn noch lebte die Hoffnung in ihm, vielleicht könnte er auf andere Weise zum ersehnten Ziele gelangen. Es schlug draußen eilf Uhr. Da entstand ein lautes Pochen an der Thüre des Hauses. „Aufgemacht! im Namen des Gesetzes" — erscholl es von unten herauf. „Wehe, was ist das?" rief der Rabbi aus. (Fortsetzung folgt.)

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