Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1850)
- Date
- 1850-02-25
- Page
- Seite 121 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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121 Burschen in Harnisch brachte, und bewog, mit kühnem Schritte zum Ziele zu schreiten, zur Entscheidung. Eines Sabbats, als Sara die Absicht kund gethan, mit den anderen Mädchen nach einem nahen Dörfchen zu gehen, um sich dort zu vergnügen, trug sich Jonathan ihr zum Begleiter an. Es war dies an sich nichts Erhebliches, denn meist begleiteten einige junge Herren den Mädchenschwarm, oder machten es doch so, daß sie sich trafen. Aber Sara schlug es ihm rundweg ab. Als er verdrießlich durch den Hof des Hauses schritt, sah er einen frischen Blumenstrauß, den er des Morgens in Sara's Zimmer hatte stellen lassen, auf der Erde unter dem Fenster in Sara's Zimmer liegen: sie hatte ihn hinausgeworfen. Da kochte es in seiner Brust, und er beschloß, die Sache weiter zu treiben. Er ging trotz der Abweisung nach dem Dorfe, trat hier mitten Ln den Kreis der jungen Leute, drängte sich immerfort an Sara, und bot ihr endlich vor Allen den Arm zum Nachhaufegehen an. Das war zu viel für Sara. Sie wendete sich verächtlich ab, indem sie rief: „Was? bin ich denn Eure Verlobte? Nun und nimmermehr, Ihr zudringlicher, garstiger Mensch!" Jonathan ballte die Faust, fletschte die Zähne, und sprach: „Wart, Dirne, Du sollst es werden!"' und verschwand. Es war in derselben Nacht, um Mitternacht, als Lehrer und Schüler stillschweigend neben einander arbeiteten — da schlug Jonathan mit einem Male hart den Folianten zu, hob den Kopf in die Höhe, und sprach: „Es ist sicher! es ist genug!"' Der Rabbi blickte sich erstaunt um, und fragte: „Was ist sicher? was ist genug, Jonathan?'" „Daß Ihr es ohne mich nicht vollendet, daß ich es übernehmen muß.'" Der Rabbi, der fein Geheimniß verrathen sah, sprach erschreckt: „Wie so wißt Ihr das?" „Nun,'" antwortete Jonathan, „meint Ihr, Rabbi, daß ich Euern Unterricht nicht auch für mich selbstständig angewendet? meint Ihr, daß ich nicht auch zu berechnen verstehe? Ich stehe nicht mehr in den Kinderschuhen, und überblicke Alles. . . .'" Mehr noch als diese Worte setzte der Ton der Rede, den Jonathan anwendete, und den der Rabbi noch nie von ihm gehört, diesen in Schrecken. Er schwieg einige Minuten, um sich zu fassen, ünd fragte dann schüchtern „Nun, Jonathan, wenn Ihr es gefunden, wollt Ihr es denn thun? wollt Ihr den Unterricht, den ich Euch, wie Niemandem zuvor, ertheilte, damit vergelten, daß wir Beide zu dem großen, noch nie erreichten Ziele gelangen, der uns die Welt zu Füßen legt?..." „O, vergesset nur nicht, Rabbi, daß nicht ich, sondern Ihr durch mich dahin gelanget. Die Formel wisset nur Ihr, und nur Ihr seid befähigt, sie zu sprechen. Selbst wenn Ihr sie mir mittheilt, kann ich sie nicht gebrauchen. Also ich wäre nur der Schemel, auf dem Euer Fuß zum Throne sich erhöbe. .. ." „Nun, so sollet Ihr mein Nachfolger sein; ich will Euch dies mit einem Schwure bekräftigen, der niemals gebrochen werden kann. Ja, sagt mir nur, was Ihr als Preis haben wollt, und sobald vollendet ist, sollt Ihr ihn empfangen...." Jonathan, der durchaus nicht so gläubig war wie der Rabbi, und dem sein Studium gar keine Ueberzeugung von der Wirklichkeit der erträumten zukünftigen Herrschaft über alle Geister geschafft hatte, schüttelte den Kopf und sprach: „Nein, ich will meine Dienste nicht verkaufen; und dann, wer sagt und bürgt uns denn, daß Ihr im Stande seid, nachdem Ihr das Siegel Salomonis erlangt habt, zu erfüllen, was Ihr vorher versprochen; ich glaube vielmehr, daß die Geister Euch darin nicht zu gehorchen brauchen werden...." „Und was verlangt Ihr denn, Jonathan?" sprach der Greis voll Lebens und Erwartung. „Ich will es Euch sagen — ich muß Euer Eidam werden.. . ."' „Mein Eidam ... meine Sara . . Der Rabbi schien höchst überrascht. Er schwieg. Eine Fluth von Gedanken rollte ihm durch den Geist. So wenig Rabbi Jizchak mit der Außenwelt verkehrte, so groß war doch sein Scharfsinn. Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen. Wie es immer geht, hatte der Bösewicht sein Spiel gerade am Ziele aufgedeckt. So hätte er mit dem Rabbi nicht sprechen sollen. Dieser Ton, dieser Uebermuth offenbarte dem Rabbi den Abgrund des Herzens, das vor ihm stand. Jetzt erblickte er das häßliche, abstoßende Aeußere seines Schülers, und im Geiste stellte er seine reizende Tochter an die Seite desselben, um sie zu vergleichen. Aber konnte er des Jonathan entbehren? konnte er, so dicht am Ziele, sein Ziel aufgeben? Wer kennt, dachte der Rabbi, des Weibes Herz? Vielleicht ist Sara damit einverstanden. Nach