Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1850)
- Date
- 1850-02-25
- Page
- Seite 120 (sequence 12)
- Language
- German
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ISO ringsten im Volke in leinenen Gewändern bestattet. — Wie bei der Heiligung Gottes, der Keduscha, mindestens Zehn anwesend sein müssen, so wurde dies auch für Begräbnisse angeordnet (Mischna Megilla e. 3.); die Verrichtung jeder Arbeit, selbst das Studium im heiligen Gesetze soll unterlassen werden, wenn es gilt, einen Hingeschiedenen zu bestatten. — Besondere Vereine, die Trauerhäuser zu besuchen und die Hinterlassenen zu trösten, bestanden schon zu Jerusalem zur Zeit der zweiten Zerstörung oder kurz vorher (wie ein Zeitgenosse berichtet, Tosista Megilla c. 3.). Diese Gesellschaften bildeten sich nach und nach, besonders bei der überhandnehmenden Zerstreuung unserer Glaubensgenossen, immer mehr aus, und machten es sich zum ausschließlichen Beruf, mit den Hingeschiedenen sich zu beschäftigen und sie zur Grabesstatte zu geleiten. Daß im dritten Jahrhundert der gewöhnlichen Zeitrechnung, also vor 1660 Jahren, dergleichen heilige Brüderschaften, wie wir sie jetzt unter uns haben, schon bestanden, dessen geschieht im Talmud Erwähnung (Moed Karon 27 b). Die Verpflanzung unserer Vater nach allen Weltgegendcn hin, ihre größere Verbreitung unter Nationen, wo andere Sitten heimisch waren als früher im Mocgenlande, ließ zwar Manches fallen von den Brauchen und Zeremonieen bei Todesfällen und Begräbnissen, wie sie Bibel und Talmud hinstellten, wogegen wieder der zunehmende äußere Druck den nun herrschend werdenden Gebräuchen mehr Innerlichkeit, mehr religiöse Weihe verlieh. Man gab jedem zu beobachtenden Herkommen, jeder Gewohnheit eine heilige, sinnbildliche Deutung. Grund genug, um selbst auf manchem erngeschlichenen Aberglauben mit Festigkeit zu beharren! (Schluß folgt.) Belletristisches. Erzählungen eines Großonkels. (Fortsetzung aus No. 3. 4. 5. 6. 7.) Ich will Dich nicht mit der Aufzählung all' der Kasteiungen aufhalten, denen der Schüler des Rabbi von diesem unterworfen wurde. Jonathan, so hieß der Bachur, machte schnelle, überraschend schnelle Fortschritte, die den Rabbi in seinem Glauben, dieser sei der vom Verhängniß zur Erreichung seines Zieles ihm nothwendige und zugesandte Mensch, nur immer mehr bestärkten. Der Rabbi vergaß die häßliche, lauernde und abstoßende Außenseite des jungen Mannes, und, je mehr er ihn wegen seines Scharfsinnes bewundern lernte, desto lieber gewann er ihn. Der Rabbi äußerte sich bald hierüber gegen Sara in solchen Ausdrücken, daß sie es nicht wagte, gegen den fremden Gast zu protestiren, und die Sache ihren Lauf nehmen lassen mußte. Jndeß begann Jonathan bald zu zeigen, daß er außer der Kenntniß in der Kabbala auch noch etwas Anderes im Hause des Rabbi bezweckte. Zwar vermied er sorgfältig jede Zudringlichkeit, jedes anstößige Wort, jede auffällige Geberde. Er war sehr bescheiden, ja demüthig in seinem Benehmen gegen Sara; nur suchte er ihr Wohlwollen unzweideutig zu gewinnen. Bald fand sie in ihrem Zimmerchen die schönsten Blumen, die, wie es sich zeigte, Jonathan durch die Magd, welche der Schlaue durch kleine Dienstleistungen und Geschenke schnell für sich gewonnen, hatte hinbringen lassen; einmal lag ein neues, prächtig gebundenes Gebetbuch auf ihrem Tische, das sie ihm aber sofort wieder zurückstellen ließ; er wußte immer, wohin am Sabbat die jungen Mädchen dies oder jenes Mal spazieren würden, nach dem und dem Dörfchen, in den und den Garten, und ließ geschickt die Auskunft im Gespräche bei Tisch fallen, und dergleichen mehr. Aber einen Eindruck machte er auf Sara's Herz dadurch nicht; vielmehr blieb er für sie ein Gegenstand der Abneigung; niemals faßte sie Vertrauen zu ihm, sondern sah zitternd der Zukunft entgegen, wo der Plan dieses Menschen, den er offenbar geschmiedet hatte, zum Ausbruch kommen würde. Nun, diese Zeit blieb nicht aus. Der, in seiner Sehnsucht nach der Herrschaft über die Geisterwett hastige Rabbi hatte dem scharf blickenden Jonathan, welcher die Ursache der Bereitwilligkeit, mit der ihn sein Lehrer angenommen, zu erforschen suchte, bald verrathen, welche Hoffnungen jener auf ihn setzte, und wie sehr er ihn dazu an sich zu fesseln suchte. Er hatte bald herausgebracht, daß die Herrschaft eigentlich in seinen Händen sei. Zwar ließ er es sich gar nicht merken, daß er dies wisse, ec fuhr in seiner kriechenden Demuth, in seiner geschwätzigen Bewunderung des Rabbi fort, er konnte des Lobes, des Dankes für jeden Fortschritt des Unterrichts nicht genug aussprechen. Aber als sie schon weit genug vorgeschritten waren, siel Etwas vor, was den