Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-25 · Heft 9 (25.2.1850) · p. Seite 119

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 9 (25.2.1850)
Date
1850-02-25
Page
Seite 119 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225670--10823-3240892
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

119 Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Die Beerdigung. Dresden, im Februar. Am 13. Januar e. feierten die hiesigen israelitischen „Krankenvecpflegungs gesellschaft^ und „Beerdigungsbrüderschaft" ihr hundertjähriges Jubelfest. Ein von dem Herrn vr. B. Beer dabei gehaltener Vortrag ist im Druck erschienen, und heben wir folgende interessante Piece daraus hervor: „Heilige Sage, Geschichte und Ueberlieferung vereinigen sich, die Leistung der letzten Liebesdienste an unsere Heimgegangenen Brüder als eine der mit der eifrigsten Sorgsamkeit und mit der größten Selbstaufopferung in Israel stets-gepflegten, den reichlichsten Gotteslohn versprechenden heiligen Handlungen darzustellen.— Um das Reine, Unschuldvolle, Hingebende anzudeuten, welches in der eignen Bestattung unserer Lieben hecvortritt, erzählt der Midrasch in seiner gemüthvoll-sinnigen Weise Folgendes über den Ursprung dieses Brauchs. Der erste Sterbliche, der nach der heiligen Geschichte ein Raub des Todes wurde — der fromme Abel, wer begrub ihn? Vater und Mutter wußten nicht, was mit dem theuern Tobten beginnen, da versammelten sich die Vögel, aus den Lüften, erfaßten den Leichnam, trugen ihn auf ihren Fittigen und bestatteten ihn zur Erde. Von diesen unschuldigen Geschöpfen lernten die Menschen, mit den Ueberresten ihrer Hingeschiedenen Brüder sich beschäftigen und sie dem Schooße der Erde wiedergeben. — Sie wissen, was die heilige Schrift und Tradition von Abraham, Joseph und Moses erzählen, mit welcher Hingebung sie jene Liebespflicht gegen Verstorbene zu erfüllen strebten. So ward Simsen, der Richter und Held, von feinen Brüdern und Freunden mit eigenen Händen zur Erde bestattet (Nicht. 16, 31.), obgleich dies wol nicht ohne Gefahren und Hindernisse von Seiten der feindlichen Philister geschehen mochte. — Daß die Bewohner von Jabesch-Gilead den königlichen Leichnam Sauls beerdigten, ward ihnen von David als großes Verdienst angerechnet, und für diese Handlung der Liebe — ihnen die Liebe und der Schutz Gottes verheißen (2 Sam. 2, 6.). — Noch findet sich in den Worten des Propheten Amos (Ainos 6, 10.) eine nicht zu übergehende Andeutung, daß selbst in den verhangnißvollsten Zeiten, Verwandte und Freunde es für eine der vorzüglichsten Pflichten hielten, ihren Brüdern den letzten Lie-! besdienst zu erweisen und davon selbst durch keine Furcht! vor Gefahr oder Ansteckung sich abhalten ließen. Diese, i dem israelitischen Stamme eigene innige Anhänglichkeit an die Ueberreste ihrer Väter und Brüder mußte sich noch erhöhen, als unsere Vorfahren von ihrem Vateri lande entfernt und in entlegene Landerstrecken versetzt wurden. Nehemias, einer der ersten Hofbeamten des Königs von Persien, setzte sich fast der königlichen Ungnade aus, um seine Heimath besuchen und die Gräber seiner Väter wieder Herstellen zu dürfen (Nehem. 2, 2. rc.). — Der beseligende Glaube, der nun im israelitischen Volke immer tiefer wurzelte, der Glaube, daß blos der Staub es sei, der der Erde wiedergegeben werde, der Geist des Menschen aber, ein Ebenbild Gottes, zu Gott zurückkehce und dort eines ewigen, unvergänglichen Daseins sich erfreue, Lohn oder Strafe nach seinen irdischen Handlungen empfangend, — dieser hehre Glaube, je allgemeiner und verbreiteter er ward, desto einflußreicher wirkte er auch auf die beim Heimgange unserer Lieben beobachteten Sitten und Gebrauche. Mit der angemessenen Bestattung des Körpers vereinigten sich nun fromme Gebete und wohlthatige Spenden für das Seelenheil der Verstorbenen. Juda Makkabaus, der unerschrockene Kampfer für Israels Glauben und Selbstständigkeit, verschmähte es nicht, im Vereine mit seiner tapfern Heldenschaar, die gefallenen Krieger mit eigenen Händen in den Gräbern ihrer Väter beizufttzen, dabei inbrünstige Gebete an den Allgütigen richtend und zu gutem Zwecke Gaben sammelnd (2 Makkab. 12, 39. ic.); ein frommer Brauch, den wir, von unseren ehrwürdigen Vätern ererbt, heutzutage noch üben. — Die Pietät, mit welcher für die Reste der Verstorbenen gesorgt wurde, nahm in der Zeit des zweiten Tempels immer zu, Gräber und Grabesstätten, die Gewänder, worein man die Hingeschiedenen gehüllt, wurden für heilig und unantastbar erklärt. Diejenigen, welche mit der Bestattung der Heimgegangenen sich beschäftigten, wurden von Verrichtung der wichtigsten Gebete entbunden; ein Beweis, welche Wichtigkeit man auf die Uebung dieser Pflicht legte und wie gottgefällig man sie betrachtete. Auch die Sitte, welche Israel bis auf den heutigen Tag bewahrt und die uns vor Anderen so vortheilhaft auszeichnet, nach dem Hinscheiden keinen Unterschied zu machen — zwischen reich und arm, zwischen gelehrt und ungelehrt, und Alle auf dieselbe einfache Weise in das ewige Land hinüber zu geleiten, findet sich bereits in jener Zeit, und der hochgebietende Nassi R. Ga ma liel ward wie Einer der Ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.