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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-25 · Heft 9 (25.2.1850) · p. Seite 118

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 9 (25.2.1850)
Date
1850-02-25
Page
Seite 118 (sequence 10)
Language
German
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118 die von den Seeleuten bewohnten Viertel; aber da sie niemals ihren Ausgang in der Nacht machen, kaufen sie nur aus der zweiten Hand und haben nicht unmittelbar mit den Seeleuten selber zu thun und beschränken sich die Magazine zu besuchen, wo die Seeleute gewöhnlich unter dem Schutze der Nacht ihre alten Lumpen gegen einige Schillinge eintauschen. Es kommt ihnen häufig zu und besonders nach den Festtagen, daß sie sich ohne Geld befinden, um ihre Einkäufe zu machen; sie wenden sich alsdann am Montag früh an einen Nachbar, um von ihm einen Livre Sterling zu leihen unter der Bedingung, ihn am Freitag Abend mit einem Schilling Zins wieder zu bezahlen. Dies Kapital genügt ihnen; sie rühren ihn nur zum Handel an; sie würden lieber trockenes Brod essen, als das ihnen geliehene Geld anzugreifen. Niemals vergessen sie das Geld wiederzubringen; sie wissen zu gut, daß, einmal ihrer Verpflichtung ungetreu, sie keine Hilfsquelle in der Noth mehr haben würden. Fügen wir noch hinzu, daß diese Hausirer mit alten Kleidern von keiner großen Frömmigkeit sind — man sieht sie selten in der Synagoge.... Rußland. Petersburg, 31. Januar. Der Kaiser hat einen vom Ministcrkomitö in Folge einer Vorstellung des Finanzministers gefaßten Beschluß bestätigt und demnach verordnet, daß solchen jüdischen Bürgern und Ackerbauern, die zum Christenthum übergegangen und aus herrschaftlichem Grund und Boden ansässig sind, die aus ihrer Niederlassung herrührcnden Zahlungsreste und Schulden in derselben Art erlassen werden sollen, wie solcher Erlaß den zum Christenthum übergegangenen Juden, die sich auf der Krone zugehörigen Ländereien niedergelassen haben, gewährt worden ist. Griechenland. Athen, im Januar. Unsere Leser werden sich vielleicht aus dem Jahrgang 1847 No. 21 S. 315 erinnern, wie Ostern des gedachten Jahres der Pöbel von Athen ohne eine Ursache das Haus des portugiesischen Gesandten, David Pacifico, eines Israeliten, demolirte, weil der Pöbel glaubte, daß durch ihn die jährliche Verbrennung einer Figur, die den Judas Jschariot darstellen sollte, unterblieben sei. Da Pacifi'co zugleich englischer Unterthan war, so figurirt er bei der jetzt zwischen England und Griechenland obwaltenden Differenzen, als erste Entschadigungsforderung von 80,000 Drachmen. Italien. Turin, 4. Februar. Ueber den hiesigen Geist ertheilt eine in der Gazzetta Piemontese enthaltene Erklärung Aufschluß, die folgendermaßen lautet: Viele Mitglieder des katholischen Klerus, welche die an Se. Majestät gerichtete Bittschrift wegen der bürgerlichen Emanzipation der Israeliten und Protestanten unterschrieben haben, um zu zeigen, daß, wenn sie in den Irrenden den Jrrthum verdammen, sie doch die Menschen lieben, die sich demgemäß unter d§x Zahl derjenigen befinden, denen Herr Amedeo Bert sein Werk unter dem Titel: „Die valdenser oder die katholischen Christen ic." gewidmet hat, erklären hiermit, um jede mißliebige Auslegung zu beseitigen, daß sie Alles verwerfen, was in jenem Buche den Lehren der römischkatholischen Kirche entgegen ist, und daß sie freudig dieses öffentliche Bekenntniß unveränderlicher kindlicher Liebe ablegen, welche sie für die einzig wahre Kirche empfinden. RomMm Februar. Die Zeitungen wiederholen Nachrichten, die dahin gehen, daß das Haus Rothschild beim Abschluß der Anleihe mit dem Papste Konzessionen für die arg mißhandelten Juden in Rom verlangt habe — wir wissen davon Nichts, und glauben es nicht, denn so viel Mitgefühl für seine Glaubensgenossen hat das Haus Rothschild auch in den glücklicheren Zeiten nicht gezeigt. Syrien. Damaskus. Eine Korrespondenz aus Damaskus vom 17. Januar klagt sehr über die Bedrückungen, welche der dortige Gouverneur sich gegenüber den Christen und Israeliten zu Schulden kommen läßt. (Lloyd.)

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