Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1850)
- Date
- 1850-02-25
- Page
- Seite 117 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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117 Street. Sie bewohnen in der Mehrzahl kleine Zimmer für ungefähr 4 Sch. 6 D. (1 Thlr. 14 Sgr.) wöchentlicher Miethe. Sie sind im Allgemeinen sehr redlich, ohne sich indessen einer allzugroßen Unschuld rühmen zu können. Es ist höchst selten, daß ein Israelit seine Wohnung verläßt, ohne seine Miethe zu bezahlen; und sollte dieser Fall dennoch einmal eintreten und man Möbels und Effekten wegnehmen, so würden alle seine Glaubensgenossen bereit sein, für ihn zu sammeln und ihm den Betrag der Schuld herbeibringen. Es passirt ebenfalls höchst selten, daß ein jüdischer Händler mit alten Kleidern aus einem Hause, wohin er gerufen ist, einen Gegenstand mit wegnimmt; aber, wenn ich recht berichtet bin, so giebt es eine große Anzahl unter ihnen, die sich kein Gewissen daraus machen^ ihre Kunden anzuführen, d.h. eine Sache für den vollen Werth anzupreisen, den sie um die Hälfte des Werthes gekauft haben. Sie sind große Freunde von klingender Münze und bieten Alles auf, um recht viel davon zu gewinnen. Es sind vielleicht die größten Geldliebhaber in England. Es giebt sicherlich solche alte Rutiniers in ihrer Profession, die einen Artikel um einen solchen Preis kaufen würden, der keinen Zweifel über den wenig gesetzlichen Ursprung des Gegenstandes laßt; denn sie haben die Hauptregel, keine Fragen zu thun und Alles so billig als möglich zu kaufen. Die Israeliten sind im AllgWieinen enthaltsam und der Alte-Kleider-Händler macht keine Ausnahme von der Regel; es ist sehr selten, daß er sich dem Trünke ergiebt. Sie sind große Liebhaber von Theater und Freitags ist das Standard-Theater zur Halste mit Kleiderhändlern angefüllt; sie lieben das Spiel um Geld, und geben sich ihm entweder bei sich zu Hause oder auch in öffentlichen Häusern in der Nachbarschaft hin; vor Allem lieben sie das Bild oder Wappen, Domino und Kartenspiel, und ich glaube sicherlich, daß im Bild oder Wappen der Satz bis zu dreißig Livres Sterling steigt: das Spiel nimmt den ganzen Vormittag des Sonnabends und den größten Theil des Nachmittags ein. Sie vereinigen sich ohngefähr zu zehn in irgend einem entlegenen Orte und fangen die Partie mit einem Schilling das Point an; noch andere Juden kommen dazu, zuweilen sammeln sich auch Christen um die Spielenden und wetten für die eine oder die andere Partie. Die von den jüdischen Zuschauern gemachten Wetten belaufen sich oft bis auf zwei Livres Sterling pro Person und ich weiß, daß öfter als einmal die von Spielenden gehaltenen Wetten sich bis auf fünfzig Livres Sterling belaufen, aber das kommt nur nach großen Gewinnsten vor. Wenn sie ein Wenig mogeln können im Spiel, so unterlassen sie es nicht und thun sie dies vermittelst der Geldstücke von Bild oder Wappen zu beiden Seiten. Das Spiel verlängert sich bis zum Ausgang des Sabbats, wonach sie nach Hause oder in das Theater gehen. Sie beobachten die größte Stille während des Spiels, so daß man sie mehre Stunden hintereinander hat spielen gesehen ohne eine anderes Wort als Bild, Wappen hervorbringen gehört zu haben. Man zählt achthundert bis tausend Individuen von dieser Profession; der jüdische Händler mit alten Kleidern ist gewöhnlich der Sohn eines Mannes, welcher dasselbe Gewerbe getrieben hat. Einige jedoch haben schon in der Fabrikation von Zigarren oder Pinseln debutirt, und haben sich dann entschlossen alte Kleider zu kaufen und zu verkaufen, aus Mangel an hinreichenden Mitteln in ihrer ersten Erwerbsquelle; aber neunzehn unter zwanzig sind geboren in diesem Handel. Wenn die Eltern arm sind, so fängt der junge Jude seine gewerbliche Laufbahn damit an, Zitronen und Orangen in den Straßen zu verkanfcn; indem er so das Viertel durchwandert, macht er unwillkürlich Bekanntschaft mit den Lokalitäten; er plaudert mit den Domestiken, er erfährt bei der Gelegenheit, ob sie nicht alte Kleider oder alte Schuhe zu verkaufen haben. Wenn er eine bejahende Antwort erhält, so macht er sogleich einen Handel; und wenn der Preis seine schwache Börse übersteigt, leert er seinen Korb, giebt Alles was er hat als Pfand, und läuft zu einem alten Händler mit alten Kleidern, welchen er bittet ihm die nöthige Summe vorzuschießen, dafür gleichen Theil am Prosit anbietend, eine Bitte und Bedingung, die jederzeit angenommen werden. Diese kleinen wandernden Kleiderhändler fangen gewöhnlich in einem Alter von zehn Jahren an, und haben vor ihrem fünfzehnten Jahre schon eine Erfahrung erlangt, die einem Manne von fünfzig Jahren Ehre machen würde. Sie haben Jeder ihr Viertel für sich und man sieht selten zwei hausirende Alt-Kleiderhändler in derselben Straße, wenn sie nicht zu gemeinschaftlichem Verdienst und Verlust arbeiten. Je zahlreicher die niedere Klaffe in einem Viertel ist, desto mehr alte Kleider giebt es zu verkaufen. Sie lieben vor Allem 9*