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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-25 · Heft 9 (25.2.1850) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 9 (25.2.1850)
Date
1850-02-25
Page
Seite 116 (sequence 8)
Language
German
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116 leer, und man andererseits niemals öffentlich erfahren, in welcher Weise die Gemcindebeiträge verwendet wurden. Doch kehren wir uns wieder zur Besetzung der Oberjuristenstelle. Herr S. F. weiß es gewiß, daß die Konstituirung der hiesigen Israeliten zu einer Kultusgemeinde vor der Thür steht, wie kann er also jetzt die erwähnte Besetzung verlangen? — Doch wir sagen cs ihm offen (wenn wir übrigens in der Person des Herrn S. F. nicht irren*) er verlangt sic, um seine Existens gesichert zu haben, um die Religionsvrrhältniffe in alter Weise und mitunter mit den alten Mangeln fortgelcilet zu sehen; und um durch die Aufnahme eines der Neuerung vielleicht mehr holden, dabei klassisch und talmudisch gebildeten Mannes seine Persönlichkeit, ja das ganze Oberjuristenkollegium nicht gefährdet zu wissen, ruft er aus: „Undankbares Zeitalter!" und paraphrasirt das Nemo propheta in patria, und klagt dabei die Gemeinde eines Unrechtes an, das stets nur Einzelne begangen; hat aber die Gemeinde so gesündigt wie cs Herr S. F. sagt, so glaube ich hat sie es schon, wie er cs am Besten wissen muß, genügend abgebüßt, und wird sich für alle Zukunft hüten, je mehr eine solche Sünde zu begehen. Wien, 11. Februar. Jüngst sind die Einzeichnungen für die jüngste österreichische Anleihe veröffentlicht worden. Unter den 67 wiener Subskribenten findet man beinahe die Hälfte der Firmen mit jüdischen Namen. Rothschild hat 11/& Millionen gezeichnet. Frankreich. Paris, im Februar. (Schluß des in vor. Nr. abgebrochenen Art.) Sollen wir von jener beklagenswerthen Napoleon-Bendee-Geschichte sprechen, wo ein Bischof indirekter Weise einen Juden abgesetzt hat, der von der Regierung zu einer öffentlichen Stellung berufen war? Der Minister, der seine Namensunterschrift durch den priestcrlichen Griffel auslöschen ließ, ruft unfern Glaubensbruder zurück und giebt uns auf diese Weise den traurigsten Aufschluß über den Artikel der Verfassung, der alle Bürger zu Staatsämtern zulässig macht. Was dient uns von jetzt an ein Diplom oder eine ministerielle Ernennung ohne das Bisa des Bischofs? In welcher Karriere werden wir noch Sicherheit und Schutz finden, wenn es auf das Gefallen irgend eines fanatischen Priesters ankömmt, uns unsere Titel, unsere Diplome, unsre Zukunft unter unseren Händen zu zerbrechen? Was die Intoleranz niemals unter der Königsherrschaft gewagt hat, das vollbringt sie jetzt unter der Herrschaft der Republik, die den gesammten Franzosen eine größere Summe von Freiheit, Emanzipation und Gleichberechtigung hat bringen sollen. Was sie jetzt in Bezug auf den Unterricht in der Philosophie erlangt hat, wird sie bald in allen Fächern des öffentlichen Unterricht verlangen, sie wird es verlangen für alle Bedienstungen und Aemter, über die der Staat disponirt: denn endlich, kann nicht der jüdische Arzt die Seele des Christen ebenso verderben wie der Profeffor? und kann nicht der israelitische Advokat die Richter und Geschworenen verderben, indem er seiner Vertheidigungsrede Lehrsätze einmischt, welche die Kirche vcrurtheilt? und läuft nicht die katholische Köchin alle Gefahren der Hölle bei einer jüdischen Herrschaft? —. Das Ministerium hat eine Ordonnanz unterm 15. Dezember erlassen, nach welcher bei der Wahl der Konsistorialräthe das allgemeine Stimmrecht eingeführt wird, so daß jeder 25jährige, und auf die allgemeinen Wahllisten eingeschriebene Israelit Wähler ist. —. Am Empfangstage (dem 1. Januar) fand zwischen dem Präsidenten L. Napoleon und dem Zentral- Konsistorium eine Unterredung über die Abdankung, die Angelegenheit von Napoleon-Vcndee und die Belagerung des Ghetto von Rom statt. Das Oberhaupt der exekutiven Gewalt versprach all seinen Beistand unserm Kultus, und drückte sich sehr energisch gegen das Verfahren des Bischofs von Lueon aus. (Univ. isr.) Großbritanien. London. Das Morning Chronicle veröffentlichte einen Artikel über die jüdischen Händler mir alten Kleidern in London, aus dem wir Folgendes hervorheben. Die jüdischen Hausirer mit alten Kleidern bewohnen die äußerste Ostseite der Stadt. Die größte Anzahl hat ihre Wohnung in dem Quartier von Portsoken, Houndsditch, und ihre Lieblingsplätze in diesem sind Cobbs-Pard, Roper's-Building, oder Wintworth- *) Sie irren kaum! Anmerkung des Setzers.

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