Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1850)
- Date
- 1850-02-25
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
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114 wird berichtet: „Am nächsten Donnerstag wird die Frage der Emanzipation der Juden in der ersten Kammer zur Berathung kommen; über das etwaige Resultat derselben ist man fortwährend im Ungewissen; viele Mitglieder dieser Kammer scheinen geneigt, die Frage bis zu der bevorstehenden Revision der Verfassung vertagen zu wollen. Speier, 12. Februar. (Privatmitth.) Gottlob die gute Sache hat den Sieg davon getragen! Unsere Synagogenangelegenheit Ist in jeder Beziehung im Lichte der Aufklärung vorwärts geschritten. Verschwunden ist aus unserer Synagoge aller fremdartige Gesang, die unkirchlichen Tonstücke kennt man hier nur noch dem Namen nach, an dessen Stelle ist ein geregelter Chorgesang getreten, der mit großem Eifer, von dem sehr thatigen Professor Wiß eingeübt, und alle Tonstücke von ihm, nach dem Charakter unserer besten Melodieen angemessen zur Bedeutung des Tages selbst komponirt werden. Ich muß cs zur Ehre unserer werthen Gemeinde bekennen, daß sie für das Schöne und Gute empfänglich ist; sie sehen es jetzt ein, beinahe sämmtliche Gemeindeglieder, daß nur ein solcher erhebender Gesang die wahre Andacht befördern kann. Der zeitliche Vorstand, Herr Joseph Cramer, Carl David und B. Liebmann, tritt auch mit großer Energie auf, und sein ganzes Bestreben ist dahin gerichtet, den ursprünlichen Gottesdienst, wo man den Herrn mit Pauken und Zimbeln, mit Saitenspiel und Schalmeien verehrte, wieder herzuftellen, und wird mit Kraft vom Herrn Bezirksrabbiner A. Merz unterstützt. — War nun der seit einem Jahre schon bestehende Chorgesang eine wahre Labung des Gemüthes, so wurden alle Anwesende am Samstag trasuja 's von einem wahren religiösen Geiste durchweht, als zum ersten Male der Chor von Orgeltöncn begleitet wurde. — Die mb"1*» 'n beschenkte unsere Synagoge mit einer Orgel, und diese wurde am ebencrwähntcn Sabbat eingewciht. Es war wahrlich ein herzerhebender Moment, als, nachdem der Unterzeichnete (dem als ältesten Mitgliede der ft'-iin der Auftrag zu Theil wurde, dieselbe der Gemeinde zu übergeben) in kurzen Worten den Vorstehern der Gemeinde durch eine Urkunde das Instrument als Eigenthum der Synagoge übergab, ferner denselben den Dank aussprach, für die zuvorkommende Bereitwilligkeit die religiöse Sache nach Kräften zu fördern, Herr Professor Wiß ein kleines Vorspiel zum 150sten Psalm, „Lobet Gott in seinem Heiligthume" anstimmte. Alles, groß und klein, waren ergriffen und wenige Augen thränenleer. Thränen der Freude, der Andacht perlten in Aller Augen, und selbst die frommen Schreier verstummten. Der ganze Tag war wirklich ein heiliger Festtag für unsere Gemeinde, und der Herr Bezirksrabbiner verherrlichte denselben durch sehr erbauliche Reden, sowol in der Synagoge als bei einem kleinen festlichen Mahle. Wie schon mit dem Beginne des Chorgesanges mehr Feierlichkeit, Ruhe und Stille in unserer Synagoge eingetreten ist, so wird jetzt die dem Gotteshause gebührende Würde, Anständigkeit u. sich immer mehr und mehr emporheben, und mit Wahrheit wird jetzt der Eintretende sein na anstimmen. Mögen recht viele Gemeinden der Pfalz dem Beispiele der Kreishauptstadt folgen, und zieht sich dann die schon so lange angezeigte Synode noch lange hinaus, die Gemeinden reformiren sich selbst, und bedürfen dann derselben nicht mehr. Sehr großes Verdienst erwarb sich bei unserm Singvereine Herr Marx Hildesheimer, als Vorstand desselben. Nur seinem unermüdeten Eifer und festen Willen für die gute Sache ist es zu danken, wenn der Keim einer wahren echten Gottesverehrung zu einer so raschen und schönen Entwickelung cmporgeblüht. Ludwig Schloß, Lehrer und Vorsänger. Oesterreichischer Kaiserstaat. Agram. Der „Slav. Jug." nimmt sich der in Kroatien sehr unterdrückten Juden an, die man bei allen Gelegenheiten von der Oeffentlichkeit ausschließt, denen aber alle Lasten doppelt aufgebürdet werden. Semlin, 6. Februar. Große Mißbilligung findet hier ein Artikel in der Belgrader Zeitung vom 31. Januar, welcher das Erscheinen der Israeliten bei einem Ball pars als entehrend schildert. Semlin hat von jeher die größte Toleranz gegen Andersgläubige an den Tag gelegt, und ist in der Neuzeit mit verdoppelten Kräften beflissen, Liebe und Einigkeit mit Beseitigung jeglichen Nationalitäts - und Religions- Hasses in seiner Mitte zu begründen. Man findet cs zu tadeln, daß man bei den Vergnügungen der leidenden Brüder in der Bacska und Banat vergaß, und nicht bei dieser Gelegenheit eine Sammlung milder Beiträge für diese Verunglückten veranstaltete.