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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-25 · Heft 9 (25.2.1850) · p. Seite 113

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 9 (25.2.1850)
Date
1850-02-25
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
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113 zur Ausführung gebracht worden sind, kann hier Nichts bedeuten; genug, daß sie vorhanden, daß sie im Geiste des Judenthums begründet sind. Wenn wir diesen mit aller Macht umfassen, dann haben wir eine sichere Gewähr in allen Stürmen der Zeit, und, was ebenfalls ein großer Gewinn der Neuzeit geworden, dieser Geist hat seine Anerkennung sich zu erringen gewußt. Wie viele bedeutende Stimmen aller Parteien und aller Schichten haben für diese Anerkennung ihre Stimme erhoben? Jst's dieser neu erwachte Geist des Judenthums nicht allein, der das wüthende Geschrei der Ultra's in Baiern hcrvorruft, um die Emanzipation zu hintertreibcn? Was fürchten sie? Etwa das Buchstaben-Judenthum? O nein! sie wissen es zu gut wie wenig schädliche Kraft dies in der Gegenwart besitzt. Sie wissen es zu gut aus ihrer eigenen Kirche, welche unsägliche Mühe cs ihnen bereitet, ihren eigenen tobten Formglauben aufrecht zu erhalten, welche Mittel sie anwenden müssen, die Hierarchie aufrecht und das Volk in Finsterniß und Fanatismus zu erhalten. Aber der Geist des Judenthums, der Geist der Wahrheit und der Erleuchtung, der Freiheit und Gleichberccbligung, der Geist der Brüderlichkeit und Einigkeit, dieser mächtige Geist, der hervvrgewachsen als ein „Reis aus dem Stamme Jsai und als ein Sprößling aus seiner Wurzel", der die Schwingen der Gegenwart in Bewegung setzt, der mit siegender Gewalt in das Gebäude ihrer Lügen schlagt und niederzuwersen droht, der ist cs, den sie fürchten, dieser ist es, dessen Lebenskraft sie untergraben möchten. Darum rufen sie uns zu: „Die Emanzipation gefährdet das Judenthum!" O, der liebevollen Besorgniß! Was könnte ihnen denn eben erwünschter sein, als die Auflösung des Judenthums, vor welcher sie uns warnen! Wie vielfacher Gewinn für ihre Religion könnte daraus erwachsen, wenn der Jude seine Religion vcrleugnete? Wirkte dann eine völlige Emanzipation nicht mehr, als alle Missionen und Bibelgesellschaften? Wo ist denn die „christliche Liebe" geblieben, die uns durch die Nichtemanzipalion den Weg zur Seligkeit abschneidct? Ist es nicht der gewöhnliche Weg der Proselitenmacher, dem Juden erst sein Judenthum zu rauben? Warum schlägt man ein so wirksames Mittel aus, so großartig auf die Gesammtheit zu wirken? Wir lassen uns nicht täuschen! Man weiß, daß das Judenthum nun einmal aus der Welt nicht zu bannen sei, daß die Macht seiner geistigen Kraft allen selbstsüchtigen, verdummenden Plänen der Politik ein Hinderniß ist, darum arbeitet man seinen Fortschritten entgegen, darum will man dem jungen Baume geistigen Lebens und Regens in Israel Licht, Nahrung und Freiheit rauben, und ihn unter dem Ballaste der Orthodoxie, deren Kräftigung man dann auf's Neue erwartet, ersticken! Das Judenthum sei in Gefahr! Ja wol, aber nur dasjenige, wo ihre Bekenner nur Spielbällc ihrer selbstsüchtigen Pläne waren, wo eine edle Natur durch den schrecklichsten Druck zu einer sklavischen, niedern, kriechenden gemacht werden konnte. Rufet besser: Wir selbst sind in Gefahr, unseren selbstsüchtigen Plänen drohet der Untergang, nur verstecket euch nicht hinter der liebevollen Besorgniß um das Judenthum, das euch ein Dorn im Auge ist, wir müssen euch nur um so mehr verachten. Haltet ihr den Juden denn wirklich für so dumm, daß er euch noch glauben soll? Sollte dieser ergraute Krieger nicht mehr Erfahrung sich errungen haben, um zu wissen, daß hinter dieser liebevollen Besorgniß sein größter Feind lauert? Das zeigt eben wie wenig ihr ihn kennt, wie wenig ihr begreifet, was dem Israeliten seine Religion sei, wie sehr er im Stande ist, Alles, selbst sein gutes Recht, dafür zu opfern! Wir wissen, daß dies überall so sein wird! Lieber noch einmal zurückkehren in das alte Joch der Unterdrückung, ehe ein Wort zu lassen von dem, was da ist „ein Erbtheil der Gemeinde Jakobs!" Wir sehen allen Schritten unserer Feinde mit Ruhe und Festigkeit entgegen, wir wissen, was wir haben! Der Geist wird uns stark machen durch die Einigkeit, die er erzeugt, in der Hoffnung auf die Verheißungen, mit denen er uns tröstet! Nur mit uns kann der Kampf zum rechten Siege führen, ein Sieg aber wird erfolgen, so gewiß als es ein Recht und eine Wahrheit giebt! Gustav Gottheil. München, 11. Februar. Die Berichte über den augenblicklichen Stand der Emanzipationsangelegenhcit in Baiern widersprechen sich. Sicher ist, daß der Berichterstatter der ersten Kammer, Graf Montgelas, auf Verwerfung anträgt. Von der einen Seite heißt es nun: „die Majorität scheint dem Berichterstatter gesichert zu sein." Von der andern Seite

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