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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-25 · Heft 9 (25.2.1850) · p. Seite 111

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 9 (25.2.1850)
Date
1850-02-25
Page
Seite 111 (sequence 3)
Language
German
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111 Herzen den entsprechenden Ausdruck zu versagen. Schmach über Schmach über die Rabenmutter, die ihr Kind verräth! Schmach dem Weibe, die entarteten Gemüths so ihren Glauben schändet! Und Schmach dem Manne, der im heiligsten Rechte leichthin der Frau nachgiebt und seiner bessern Ueberzeugung Zwang auflegt! — Möge das Reuegefühl, das doch nicht ausbleibt, noch zur rechten Zeit erwachen, ehe das verhängnißvolle „zu spät!" cintritt, zu spät für das Kind, oder zu spät für die Eltern, wenn sie voller Gcwiffensqualen aus dieser Welt gehen, mit dem schrecklichen Bewußtsein, „an ihrem Glauben und an ihremKinde gefrevelt zu haben." A. Aus Borpommern, 3. Februar. (Privatmitth.) Seit dem Erlasse des damals als einen Fortschritt begrüßten königl. Patents vom 3. Februar 1847 sind heute gerade drei Jahre verflossen. Abgesehen von den Stürmen, die ihre Scheitel umbrausten, so daß die Throne der Fürsten wankten und die Säulen der Gesellschaft erschüttert wurden; abgesehen von den Wehen, die in diesem Jahren die heiße Stirn der Völker furchten; abgesehen von den Hoffnungen und Enttäuschungen, die in ihrem Gefolge waren, sind wir Israeliten in staatsbürgerlicher Beziehung jedenfalls viel weiter vorgeschritten, als man beim Beginne dieses Zeitraums erwarten konnte. Am 6. d. M. tritt Preußen in die Reihe der konstituttonellen Staaten; an diesem Lage wird auch die Gleichstellung der Juden definitiv und eidlich festgestellt. Wenn auch Manches — ich spreche nicht vom allgemein politischen (dann hätte ich „Vieles" sagen müssen) sondern vom jüdischen Standpunkte — in der Verfassung hätte ganz anders aufgefaßt und sestgestellt werden müssen — so haben wir doch wenigstens — was die verschieden aufgefaßten und ausgclegten bloßen „Verheißungen" mit Nichten waren — einen festen Boden erlangt, auf dem sich mit Besonnenheit und Kraft weiter bauen läßt; so haben wir doch eine Basis gewonnen, von der aus sich das Prinzip der Gleichberechtigung aller Konfessionen als ein Lebensnerv durch alle Gesetze ziehen muß, soll anders die Verfassung keine bloße Mumie, sondern eine lebendige Wahrheit und der Eid, der am 6. im königl. Rittersaal geleistet wird, nicht zum Meineid werden. So ist also nicht das Jahr 1848 (im Jüdischen: mn ----- rnn ----- Freiheit) sondern das Jahr fünfzig ein Jahr der Freiheit geworden wie die Tora sagt: dttw D’fflsnrt nsia srn bar das fünfzigste Jahr soll ein Freiheitsjahr sein! — Die Herren Judenfresser in Baiern wollen dies freilich nicht gelten lassen, wollen nicht gelten lassen, was auch ihr Evangelium sagt (Epistel 'an die Galat. 5, 1.): „In der Freiheit bestehet nun, und lasset euch nicht vom Joche der Knechtschaft fcsthalten;" aber mögen sie es bedenken und die preußischen Herren der Kreuzzeitung und des Muckerthums desgleichen, daß es nie und nimmermehr gelingen kann, den zum Bewußtsein erwachten Volksgeist wieder einzulullen; daß es nie und nimmermehr gelingen kann, der Glaubens- und Gewissensfreiheit den Todesstoß zu geben, wenn es auch auf noch so feine, jesuitische Weise angelegt wird. Weiß es der Abgeordnete Dr. Sepp, wissen es die Priester und Domherren in Baierns Kammer nicht, — wenn sie die Ereignisse der letzten Jahre mit dem klaren Auge eines vorurtheilsfrcien Geistes überschaut haben, müssen sie es wissen — daß das Feuer am Krater des Vulkans, wenn auch eine Zeit lang künstlich zurückgehalten, endlich mit desto verheerenderer Kraft losbricht und die Lavagluthcnströme dann auch riesige Gebäude schonungslos bis auf den Grund vernichten? — Ucbrigens wäre es zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre, wenn man hört, was bei den letzten „Judcnverhandlungcn" in Baiern für Geschichtchen vorkamen. In der Rumpelkammer des Judenhasses muß es wirklich sehr übel aussehen, daß man sich nicht scheut, alten aufgewärmten Kohl von Anno Zopf immer von Neuem aufzutischen, daß man Argumente gegen die Sittlichkeit der jetzigen Juden aus dem Talmud hervorzusuchen sich bemüht! Hörst du es, Deutschland, hörst du es, 19. Jahrhundert, was der Abgeordnete Di*. Sepp in Baierns Kammer sagt: Weil Joseph in Egypten ein schlechter (?) Minister gewesen (waren Mard echai am persischen Hofe, Abarbanell am spanischen auch „schlechte" Minister?) deshalb dürfen die baierischen Juden nicht zu Staatsämtern zugelassen werden! Wie schön, wie logisch! — Das erinnert mich irgendwo gelesen zu haben, daß Jemand beweisen wollte, daß man sich — aufhängen dürfe. In Matth. 27, 5. heißt es nämlich: „Judas, der Verräther, ging hin und erhängte sich;" in Lukas 10, 7 (wo die Rede vom barmherzigen Samaritaner): „Gehet hin und thuct desgleichen." Ich habe übrigens keine Lust (der Leser

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