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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-18 · Heft 8 (18.2.1850) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 8 (18.2.1850)
Date
1850-02-18
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 stellung eines treuen Seelenhirten nicht vereiteln, denn dasselbe ist ein todtes Metall, welches nur dann für uns Werth hat, wenn wir es gut zu benutzen verstehen. Das köstlichste und sicherste Gut, das wir uns erwerben und unseren Kindern als Erbe hinterlassen sollen, ist Wissenschaft und Gottesfurcht. Beides verbreitet der Seelsorger und dieser ist daher das theuerste Gut einer Gemeinde, das keiner wahrhaft religiösen Gemeinde fehlen darf. Kch scheide nun mit dem Wunsche, daß meine Worte in die Herzen aller Betheiligten Eingang finden mögen und möge sich der Spruch erfüllen: „Worte, die aus dem Herzen kommen, dringen auch wieder zum Herzen." 8. OesterreLchischer Kaiserstaat. Krakau, 30. Januar. lSchles. Z.) Die Deputation, welche von der hiesigen Kaufmannschaft und den Handwerkerzünften nach Wien abgeschickt ward, um dem Kaiser eine Petition, das Eindringen israelitischer Kaufleute aus dem Kazimicrz in die eigentliche Stadt Krakau betreffend, ist bereits zurückgekehrt und mit dem Erfolge ihrer Bemühungen sehr zufrieden. Anderen Nachrichten zufolge soll dies nicht der Fall sein, sondern die lieben Pfahl- und Spießbürger sind abgewiesen. Es soll ihnen die gerechte Antwort geworden sein: man kenne keine christlichen und keine jüdischen Bürger, sondern nur — loyale Bürger. Prag, 0. Februar. (Privatmitth.) Sehr gern wollte ich zu meinem heutigen Berichte den Griffel des Sylvan in die Hand nehmen, um den bitter» Ernst in einen heitern Scherz zu kleiden; allein die Empfindungen, welche mich bei Abfassung dieser Zeilen leiten, sind doppelt wehmüthig und die Veranlassung dazu eine gar zu schmerzliche. Am 3. d. M. starb, 45 Jahre alt, der hiesige praktische Wundarzt Herr Israel Nachod. Als früherer Militärarzt erfuhr er kaum von dem Mangel an Aerzten für die so zahlreich hier am Typhus erkrankte Mannschaft, so erwachte sein Gefühl abermals, dem leidenden Krieger in seiner Vaterstadt, wie vor Jahren in Italien zu helfen, und er bot seine Dienste an, die gar zu gern angenommen wurden; doch der Feuereifer seines Berufes war die Quelle großen Unglücks, denn nach wenigen Wochen, die er im alten Dienste zubrachte, steckte er sich am Typhus an und erlag dieser hier beim Kriegerstande heftig wüthenden Krankheit, und hinterließ eine leidende Wittwe und fünf unmündige Kinder, von welchen das jüngste noch von der Mutterbrust gestillt wird. Es gab Wenige in der Gemeinde, die nicht dieser Todesfall erschüttert hätte, und der lange Zug von Theilnehmenden, welcher dem Leichenwagen folgte, bezeugte dies am Deutlichsten. An der Spitze dieses Zuges befand sich der k. k. Rath und dirigirende Stabsarzt von Böhmen, Herr vr. Mezler von Andelberg, begleitet von einer bedeutenden Anzahl Doktoren und Chirurgen beider Konfessionen.— Was nun jetzt folgt, würde ich lieber nicht schreiben, weil mich nicht allein die Veranlassung dazu (wie schon bemerkt) schmerzt, sondern weil es mich auch schmerzt, wenn große Männer fehlen; weites mich auch schmerzt, wenn die Weisen meines Volkes einer Unklugheit geziehn werden sollen; weil es mich auch schmerzt, wenn der Nimbus der Ehrwürdigkeit, welcher unsere Gottesgelehrten umstrahlt, durch sie selbst zum Verschwinden gebracht wird; weil es mich endlich schmerzt, wenn Männer, welche als Lehrer erhaben über uns stehen, durch eine Unüberlegtheit, die vom Volke zur Gemeinheit gestempelt wird, tief unter uns gezogen werden. Dem vorerwähnten Leichenzuge schloß sich am sogenannten israelitischen Badhofe auch der erste Rcligionsvorsteher Herr Rapaport an und begleitete diesen Zug an der Seite des Stabsarztes — der so viel Ehrfurcht vor ihm hatte, daß er ihn zur Rechten gehen ließ — durch die ersten 2 sage zwei Gassen, während der ganze Zug dem Leichenwagen bis an das Stadlthor folgte. Als sich der Religionsvorsteher dem Stabsarzte beim Weggehen empfahl, sagte der Letztere entrüstet, vielleicht auch beleidigt: Ein Pfaff wie der andere, ob er nun die Kutte oder die Tschubutza trägt. Es steht mir nicht zu über die Motive zu forschen, oder über die Motive zu rechten, welche den Herrn Rapaport bewogen, dem Leichenzuge nicht in der Gebühr des Anstandes und der herrschenden Sitte zu folgen; aber die unlauteren, gemeinen, niedrigen Motive, welche ihm vom Volke unterlegt werden und dann nicht wenig zu dessen Herabwürdigung beitragen müssen, erinnern mich an die Schlußverse in Pfeffels Gedicht „der Bischof und der Bettelbub", welche lauten: Behaltet ihr nur euern Segen, Ich Hab ihn allzuschnell begehrt; Denn war er einen Heller wcrth,

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