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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-18 · Heft 8 (18.2.1850) · p. Seite 98

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 8 (18.2.1850)
Date
1850-02-18
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 Ich fordere meine Kollegen nur auf zu einer einfachen, persönlichen Zusammenkunft und Besprechung, um mit einander die Stellung des Judenthums Ln dem konstitutionellen Staate, und auf Grund seiner (des Judenthums) völligen Freiheit und Selbstständigkeit zu berathen, ferner: die Grundsätze, von denen aus die Stellung der Gemeinden der Staatsregierung gegenüber zu beurtheilen, zu erstreben und nöthigenfalls auf gesetzlichem Wege zu vertheidigen sei; ferner: die Grundsätze, auf denen fernerhin Gemeinde, Synagoge, Schule ihre Existenz zu sichern und zu gestalten haben; endlich: über die wünschenswertheste innere Organisation der Gemeinden, die Stellung der Kultusbeamten rc. Die Versammlung möchte dann ein ständiges Konnte wählen, das zu aller Zeit mit Schrift und That überallhin den Gemeinden zu erwünschter Hilfe bereit sei, und vor Allem in Schriften an die gesetzgebenden Faktoren und an die Gemeinden die gewonnenen Ansichten ausspreche und geltend zu machen suche. Diese einfache Zusammenkunft und Besprechung der Rabbinen Preußens kann nicht mißdeutet werden: denn es handelt sich lediglich darum, Rath zu ertheilen, und auf eine freie, ungezwungene Weise irgend eine Vertretung nach außen hinzustellen. Es gilt auch nicht, irgend Einer religiösen Partei Befriedigung zu schaffen, sondern um den Bestand der Synagoge überhaupt. Ich füge kein Wort der Ueberredung hinzu. Die Sache muß selbst überzeugen. Das Andre ist eitel. Ich bitte diejenigen Amtsbrüder, die sich zu einer solchen Zusammenkunft, die entweder hier in Magdeburg, oder in Berlin stattfinden könnte, entschlössen, mir davon Anzeige zu machen, und zugleich die Zeit und den Ort, die ihnen am Angemessensten schienen, anzugeben. Das Weitere wird sich dann finden. Dr. Ludwig Philppson. Zeitungsnachrichten. Deutschland. München, 1. Februar. (Nürnb. Korr.) Bekanntlich wurde während der Debatte über die Emanzipation der Juden in der Kammer der Abgeordnten in der Sitzung vom 13. Dezember, efne Erklärung des Rabbiners Aub dahier bezüglich des Talmud -verlesen, deren Schlußstelle lautete: „Indessen, da nach dem leider bei der in Rede stehenden Debatte so vielfach Gehörten ein so großes Mißtrauen gegen uns Juden und unsere Sittenlehre, selbst bei den vielseitig gebildeten Theologen, noch besteht, so erkläre ich hiermit im Namen aller Rabbiner und aller Juden des deutschen Vaterlandes auf das Feierlichste, daß wir jede in Beziehung der Sittlichkeit zweideutige Stelle im Talmud oder in den späteren hebräischen Schriften, die von einem einzelnen Rabbi oder von mehreren Rabbinern ausging, nicht nur als nicht verbindlich erachten, sondern selbe einfür allemal verwerfen." Sämmtliche Rabbiner Baicrns wurden vom Herrn Rabbiner Aub aufgefordert, seiner Erklärung beizutreten. Bereits haben von den 41 Rabbinern 40 ihre desfallsige Erklärung eingcsendet, 31 derselben sind der Erklärung des Herrn Aub unbedingt beigetreten, 9 Rabbiner streng.orthodoxer Richtung traten der Erklärung im Wesen bei, hätten aber eine andere Fassung derselben gewünscht, indem nach ihrer Ansicht sich im Talmud gar keine zweideutige Stelle befinde, und erboten sich, auf jeden hierauf bezüglichen Angriff die genügendste Antwort zu geben. Sämmtliche größtentheils trefflich motivirte Erklärungen werden der Kammer der Reichsräthe eingereicht werden. Dem bekannten Antrag des Herrn Abg. Sepp, vor der Entscheidung der Emanzipationsfrage ein Sanhedrin zu berufen, dürfte dem Zwecke nach durch obige Erklärungen entsprochen sein, freilich, ohne das Resultat ergeben zu haben, welches Herr Dr. Sepp und seine Gesinnungsgenossen gewünscht haben mögen. München, 11. Februar. Der dritte Ausschuß der Kammer der Reichsräthe hat sich mit dem Gesetze über die Gleichstellung der Juden beschäftigt. Der Referent hat auf Verwerfung angetragen. Aus Kurh essen, im Februar. (Privatmitth.) In Ihrem auch bei uns vielgelesenen Blatte haben Sie seit lange keinen Artikel aus unserm Lande gebracht. Mangel an Stoff kann hiervon wol nicht die Ursache gewesen sein, da Manches vorfiel, das einer Erwähnung in dieser Zeitung würdig gewesen wäre. So wurde bei der jetzigen Ständeversammlung ein Israelit, der sich so nennende Literat Hahndorf zu

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