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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-11 · Heft 7 (11.2.1850) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 7 (11.2.1850)
Date
1850-02-11
Page
Seite 94 (sequence 14)
Language
German
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94 heiten nur insofern betheiligte, als er den geforderten Beitrag, ohne irgend Etwas dafür zu haben, leistete, so dürfte er wol in Bezug auf die Gemeinde, mit Horaz ausrufen: „Nuper sollicitum quae mihi taedium, Nunc desiderium, curaque non levis," denn jetzt sucht er jede Gelegenheit, zum Nutzen der Gemeinde zu wirken, ihre Grundlage zu befestigen, und den Bau, den er mit Hilfe seiner Kollegen so herrlich begonnen, auf alle mögliche Weife zu verschönern und zu veredeln. Zu diesem Behufe hat er auch, wie bereits oben angedeutet worden, vortreffliche Gemeindestatuten verfaßt, die eine bedeutende Sachkenntnis und das Streben bekunden, der Gemeinde auch für die Zukunft einen festen Halt zu geben 'und sie als ein kräftiges Ganzes hinzustellen. Diese Statuten sind nun von sammtlichen Mitgliedern unserer Gemeinde geprüft, unterzeichnet und von dem Vorstande der Regierung eingesandt worden, um aus Grund derselben Korporationsrechte zu erlangen. Eine definitive Antwort ist von dorther noch nicht erfolgt, wir hoffen jedoch, daß diese befriedigend ausfallen werde. (Schluß folgt.) Belletristisches. Erzählungen eines Großonkels. (Fortsetzung aus No. 3. 4. 5. <).) Der Rabbi hatte keine Schuld daran, aber Sara war eine der lieblichsten Erscheinungen. Wie's damals noch selten unter den Tächtern Juda's, sie hatte reiches blondes Haar und blaue Augen, die einen Himmel von Unschuld und Innigkeit enthielten; der zarte Leint, das schöne Kolorit, die fein geschnittene Nase, der kleine Mund mit schwellenden Lippen, das kindlich gerundete Kinn; diese Senkung des Köpfchens auf die linke Seite, die graziöse und doch dabei ziemlich volle Gestalt; alles dieses trug ihr die Herzen entgegen, wo sie auftcat. Eine Jungfräulichkeit, eine Reinheit, ein Adel der Gesinnung und Empfindung war über sie ausgegoffen, die für sie einnahmen, so wie sie erschien, und ein Gefühl der Erquickung einflößte, wenn man sie betrachtete. Bescheiden, kannte sie den Eindruck nicht, den sie machte, anspruchslos, würde sie sich gewundert haben, wenn sie ihn bemerkt hätte. So verlebte sie die Tage der Jugend in ihres Vaters Hause, ohne an etwas Anderes zu denken, als diesem alle mögliche Bequemlichkeit zu schaffen und über seine Ruhe zu wachen, die er für seine Arbeiten beanspruchte. Ihre Mutter war kurz nach ihrer Geburt verstorben, die alte, treue Magd, welche deren Stelle für sie vertreten, ebenfalls vor einiger Zeit hinübergegangen, und so bildete sie mit einem jüngern Hausmädchen das ganze Hauspersonal des Rabbi Jizchak. Dieser saß eines Abends in seinem Studierzimmer, wo ärmliches Mobiliar, große Folianten und einige chemische. Apparate ein wunderliches Durcheinander ausmachteu. Der Rabbi saß vor einem Tische, und hatte eben einige wunderliche Zeichnungen und Berechnungen vollendet. Er war zurückgefallen in den lederüberzogenen Großstuhl, und hatte die Augen geschlossen. Silbern wallte sein Bart über den schwarzseidenen, mit Sammetstceifen besetzten Kaftan, der vom Halse bis zu den Knöcheln zugehakt und von einem Gürtel um die Taille umschlossen war. Einzelne graue Locken quollen rings um das auf den Hinterkopf zurückgeschobene Sammetkäppchen hervor. Er hatte die Augen geschlossen, aber er schlief nicht, sondern sein Geist war in tiefe, seien es Spekulationen, seien es Träumereien versunken, und einzelne, leise gemurmelten Worte stahlen sich über die schmalen, bleichen Lippen. „Also doch noch vorher" . .. hätte der nach und nach vernommen, der zugegen gewesen — „kurz vorher" . . . „und von ihm hängt's ab"... „Er vermag das große Werk zu stören, oder zu fördern"... „Lang ersehnte, lang vorbereitete Stunde, du wirst nun erscheinen, oder auf immer mir verschwinden" ... „Wer mag es aber sein?... Ich muß ihn zu gewinnen, an mich zu fesseln suchen." So murmelte der Rabbi vor sich hin. Doch ich will dich nicht in Ungewißheit lassen, mein Jakob, ich will Dir das Verständniß erschließen, wie es sich späterhin herausstellte. Der Rabbi hatte aus seinen Schriften und seinem Forschen herausgefunden, um die Herrschaft über die Geister zu erlangen und dadurch ,in der That Wunderbares vollführen zu können, bedürfe es einer gewissen Reihe von Kasteiungen, Beschwörungen und sonstigen Vornahmen, von denen eine immer die andere bedinge, deren glückliches Vollbringen nach einander nothwendig sei, um die geheimnißvolle Kette nicht zu brechen. Er war nun dem großen Ziele seit vielen Jahren zugestrebt, hatte Alles, nach seiner Meinung, glücklich überstanden,

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