Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1850)
- Date
- 1850-02-11
- Page
- Seite 93 (sequence 13)
- Language
- German
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93 fm Bestrebungen in der ThaL einen so relkgkonswidrigen Charakter an sich tragen, daß man sich aus Gewissrnhaftigkeit sollte gedrungen fühlen können, auf unseren Friedensruf mit einer Kriegserklärung zu antworten, in demselben Augenblicke, wo wir jeder Religionspacrei innerhalb der Gemeinde das Recht einer vollständig freien Bewegung zu sichern trachten, uns den Fehdehandschuh hinzuwerfen; ob wir für oder gegen das Interesse des Judenthums handeln, indem wir besonders in einer Zeit, deren gewaltiger Flügelschlag alles Unhaltbare unerbittlich zertrümmert und dem Unwachsamen gegenüber die Grenzlinie zwischen dem Veralteten und dem ehrwürdigen Alten nur zu leicht überschreitet, uns bemühen, die jüdische Liturgie nicht langer in einem Zustande beharren zu lassen, der mit Gesinnung und Leben im grellsten Widerspruch steht und wobei die Unverständlichkeit der Sprache dem Gebete alle Erbauungskraft benimmt und nicht selten zur Entschuldigung dienen muß. Korrespondenz. Bericht über die Zustände der Gemeinde. Brieg (Schlesien), Januar 1850. In den letztverfloffenen Jahren ist die Religion von der Politik ganz in den Hintergrund gedrängt worden, und der religiöse Jndifferentismus, der sich theilweise schon vor dem Ausbruche der Revolution wiederum einzuschleichen begann, hat nach demselben fast allenthalben Platz gegriffen. Dies müssen wir besonders von den jüdischen Gemeinden unsers Staates behaupten, da in diesen für das religiöse Leben gar Nichts geschehen ist, wahrend sich die nicht jüdischen Glaubensparteien, nachdem sich der erste Revolutionstaumel einigermaßen gelegt hatte, überall um das Panier ihrer Religion scharten, um diese mit allen ihren Instituten nach innen und außen zu schützen und zu kräftigen. Wir wollen hier jedoch nicht über alle unsere Gemeinden den Stab brechen, denn jede Regel hat ihre Ausnahmen und zu diesen muß vorzüglich die hiesige Gemeinde gezählt werden, da wir bei ihr gerade die entgegengesetzte Erscheinung wahrzunehmen Gelegenheit haben. Wahrend sie nämlich früher in Bezug auf Gemeinde- und Religionsangelegenheiten förmlich in eine Lethargie versunken war, aus der sie Nichts aufzurütteln vermochte, wurde seit einem Jahre in ihrem gesammten Wirken und Streben eine so allgemeine Teilnahme und eine so edle Regsamkeit sichtbar, daß man sich über den lebenssrischen Geist wundern muß, der so plötzlich in das trockene Gebein gefahren ist, oder der vielmehr so lange unter einer starren Eisesdecke gefesselt lag. Allerdings verdankt unsere Gemeinde ihre Auferstehung nur den Bemühungen des Vorstandes, der seit einem Jahre an die Spitze ihrer Angelegenheiten getreten ist und der noch jetzt die Verwaltung in Händen hat. Dieser Vorstand, den neuen vom Präses entworfenen Statuten zufolge nunmehr aus 7 Mitgliedern und 2 Stellvertretern bestehend, hat seit dem Januar v. I. die hiesige Synagoge, deren 50jahriges Bestehen am Ende des verflossenen Sommers gefeiert wurde, zeitgemäß umbauen lassen, einen Rabbiner angestellt, was früher ganz unmöglich schien, eine Synagogenordnung festgesetzt, lobenswerthe Regelung in die gesammte Verwaltung, parlamentarische Ordnung in die Vorstandssitzungen wie in die Gemeindegeneralversammlungen gebracht, eine ungemein rege Theilnahme für die Gemeindeinteressen in den Gemüthern fast aller ihrer Mitglieder erweckt und so mannigfache materielle Vortheile für die Einnahmen und Ausgaben der Gemeindekaste geschaffen, daß man in der That über seine außerordentlichen Leistungen in dieser kurzen Zeit staunen muß. Wenn wir uns aber gedrungen fühlen, hier die Intelligenz und Energie des gesammten Vorstandes rühmlichst zu erwähnen, so können wir dennoch nicht umhin, den Leistungen der Herren: Sanitätsrath Dr. Ehrlich und Kaufmann H. Friedländec besondere Anerkennung zu zollen. Der Erstere, wie sein Vorstandskollege Herr Dr. Galewski, ein hochgeachteter, vielbeschäftigter Arzt, bildet, da er Präses ist, die Seele des gesammten Vorstandes. Trotz seiner bedeutenden ärztlichen Praxis hat er von vorn herein mit kräftiger Hand das Rüder des Gemeindcschiffes ergriffen und leitet und lenkt es nun mit der größten Umsicht und Einsicht. Theils dem Ansehen, dessen er sich allgemein zu erfreuen hat, und theils auch seiner liebenswürdigen Persönlichkeit und seinem friedlichen Sinne gelingt es, dieses Schiff vor den Klippen zu bewahren, an denen es, da unsere Gemeindezustände nicht von oben herab geschützt werden, so leicht scheitern könnte; er hat im Namen dieses Schiffes den Horazischen Rath beherzigt: . Tu, nisi ventis Debes luclibrium, cave!" und sucht daher immer vermittelnd und versöhnend aufzutreten. Da er sich früher an den Gemeindeangelegen-