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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-11 · Heft 7 (11.2.1850) · p. Seite 95

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 7 (11.2.1850)
Date
1850-02-11
Page
Seite 95 (sequence 15)
Language
German
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95 und befand sich jetzt dicht vor dem höchsten Augenblicke. Da zeigte sich Ln seinen Konstellationen mit einem Male noch ein sonderbares Hknderniß. Der Rabbi fand, es würde auf dem mysteriösen Schauplatze seines Strebens plötzlich ein Mann austreten, der unentbehrlich sei zur Vollendung der Operationen. An ihm würde es sein, den letzten Ring zu schließen, oder nicht. Dem Rabbi wurde es sehr bang um sein Werk, denn so viel ersah er, der Mann behielte seine volle Freiheit einzuwilligen oder nicht. Vergebens strengte er sich nun an, im Voraus zu erkennen, wer und wie dieser, für ihn so wichtige Mensch sei, was sein Vorhaben, sein Verlangen, seine Beschaffenheit? Nichts wollte sich ihm auf immer wiederholte Berechnungen und Anschläge Herausstellen. Es gelang ihm nicht. Da lehnte er sich ermatttet zurück, fühlend, daß er dem Verhangniß seinen Lauf lassen müsse; er wußte, erscheinen müsse der Mensch, und so sah er bangend in die nächste Zukunft hinaus. Wahrend der Rabbi noch in seine Grübeleien vertieft war, erschien die Hausmagd und meldete ihm, daß ein junger Mann draußen sei, der zum Rabbi wolle, und sich durchaus nicht abweisen ließe. „Ein junger Mensch," rief dieser erwartungsvoll aus, „was will er? wie steht er aus? . . Die Magd erschrak über die ungewohnte Hast ihres Herrn, und antwortete: „Was er will? Zum Rabbi will er, und ich kann ihn nicht zurückhalten. Wie er aussieht? Nun, Häßlich genug, rothes Haar hat er, und mit den Augen schielt er, und Sommersprossen hat er über und drüber, und die Zähne stehen ihm fletschend heraus; aber kräftig ist er und drall, ich möchte seine Faust nicht suhlen... „Gut, gut, laß ihn hereinkommen. ..." „Hereinkommen? Das ist schön vom Rabbi, denn ich wüßte nicht, wie ich es verhindern könnte, wenn der Rabbi sagte nein, und der fremde Bursch ja! doch da ist er schon. ♦.." In der That erschien jetzt in der Thüre ein Jüngling von ungefähr vierundzwanzig Jahren, dem Bilde, das die Magd entworfen, ziemlich ähnlich — nur daß sein schielendes Auge einen süßlichen Ausdruck hatte, hinter dem ein sehr harter zu lauern schien, um bei Gelegenheit des Erstem Stelle einzunehmen. Mit gebogenem Rücken und auf den Fußzehen schritt er zum Rabbi hin, der aufgesprungen war, und ihn mit großen Augen anblickte. Er verbeugte sich noch tiefer vor ihm, und sprach: „Verzeiht, Rabbi, wenn ich Euch in Eueren tiefen Forschungen störe — aber ich bin zu glücklich, nur vor das Antlitz des berühmtesten Baal schem, eines Mannes, der dem Siegel Salomonis nahe ist, treten zu dürfen, als daß ich mich nicht ein Wenig zu diesem Glücke hatte hindrängen sollen." „Ich bin kein Baal schem," erwiderte mit sehr höflichem und demüthigem Tone der Rabbi, „und bin dem Sieget Salomonis heute noch so fern, wie am Tage meiner Geburt. Wenn Ihr mir vielleicht dazu verhelfen wollet . . ." Der junge Mann sah ihn betroffen an, und sagte dann: „Rabbi, spottet meiner nicht, oder spottet auch, wenn Ihr wollt, nur befriedigt meinen Wunsch, und ich will Euch dienen, so lang Ihr es bestimmt." Betroffen zu sein, war jetzt an der Reihe des Rabbi, der jedoch sehr erfreut war, daß der Fremde einen Wunsch an ihn habe. „Einen Wunsch," murmelte er in den Bart, „einen Wunsch hat er, nun da kann ich ihn fassen." Er fuhr laut fort: „Sagt, Herr, was Ihr wünschet, und wenn es in meiner Macht ist, so seid der Gewährung im Voraus gewiß." Nochmals Erstaunen für den Fremden, der einen Schritt vorwärts ging, und schon Etwas zu sagen im Begriff war, was ihm aus dem Herzen zu brennen schien — als er sich faßte, zurücktrat, und sprach: „Ich will Euer Schüler sein. Rabbi, so lang ich das Wort Sohar hakodesch kennen gelernt, so lang eine Kunde von der heiligen Kabbala in mir ist, solange streb'ich schon einen Lehrer zu finden, der mich in die Geheimlehre einweihe, und mir den Schleier lüfte, hinter dem das Maasse Merkaba verborgen ist. O, Rabbi, Euer Name drang mir vor Allem in das Herz, Euch meinen Lehrer nennen, mich Euern Schüler rühmen zu können — das war die brennende Flamme, die in meinem Herzen loderte. Aber stets schlug mich das Schreckenswort nieder: Rabbi Jizchak nimmt keinen Talmid an! Jndeß so sehr ich zögerte, jetzt konnte ich die Sehnsucht nicht mehr überwinden, ich sagte mir: thu' wenigstens deine Pflicht, wirf dich ihm zu Füßen, küffe den Staub derselben, vielleicht... Seht, Rabbi, hier bin ich, macht mit mir j was Ihr wollt, gebraucht mich wozu Ihr wollt, legt mir I Pön auf wie viel Ihr wollt, demüthigt mich ... nur; nehmt mich zu Eurem Schüler an « . . sendet mich nicht , ohne Trosteswort von Euch.. . j Der Rabbi schien den Sprechenden öfter unterbrechen t zu wollen — aber es gelang ihm nicht den Redestrom

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