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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-11 · Heft 7 (11.2.1850) · p. Seite 89

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 7 (11.2.1850)
Date
1850-02-11
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
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89 Kenntniß setzen, ja wenigstens hätte er statt der Synagogcnvorsteher die früher gewählten Ersatzmänner einberufen sollen; denn die Synagogenvorsteher sind wol rechtliche Männer, denen man ohne Bedenken die np-iL anvertrauen darf und die mit dem eingegangenen Gelde zum Besten der Synagoge zu gebühren wissen, aber die Gemeinde ist nicht von ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten in politischen Angelegenheiten zu berathen überzeugt, man kennt in der Gemeinde ihre Kapazität für die Jetztzeit nicht, ja von Manchem will man überzeugt sein, daß er keiner der nöthigen Anforderungen entsprechen soll, und darum hat die Gemeinde ein Mißtrauen in alle in jüngster Zeit geschehenen Beschlüsse gefetzt, und ohne sie noch zu kennen ihnen schon im Vorhinein oppvnirt. Unter diesen Beschlüssen (so ließ ich mir sagen) soll sich auch der vorsinden, daß die Jsraelitengemeinde den Stadtrenten ein Geschenk von 70,000 Gulden machen will, und auf die Frage der Stadtverordneten, ob sie jenes Geschenk annehmen dürfen, mag sich die oben angeführte Aeußerung des Ministers beziehen. Wir aber fragen jene Herren, welche den Beschluß gefaßt den Stadtrentcn ein Geschenk zu machen, wer ihnen das Recht eingeräumt in den Säckel Anderer zu greifen; und da wir überzeugt sind, daß jene beschlußfassenden Herren die 70,000 nicht aus ihrer Tasche geben werden, so fragen wir in aller Demuth und Bescheidenheit, ob diese 70,000 wie bisher die sämmtlichen Gemeindeauslagcn bei der Mittelklasse und den Niedrigstbesteuerten herausgeschlagen werden sollen. Wir würden die Betreffenden auffordern auf ihrer Hut zu sein, wenn man — wie es immer geschieht — mit schönen Worten von ihnen Geld verlangen würde; allein wir wissen, daß bereits bei der Statthalterei ein Protest gegen das Gebühren und gegen die Beschlüsse des halb aus Resignirten, halb aus Schulvorstehern bestehende Komitü eingebracht wurde; wir wissen auch, daß dieser Protest nicht ohne wohlthätige Folgen für die Umgestaltung des Gemeindewesens bleiben wird; wir wissen auch, daß jene Männer, welche dem „Verein zur Förderung jüdischer Interessen" angehören (den man hier sehr treffend die jüdische Slowanska lipa nennt) nöthigenfalls ihre Stimme und ihre Thatkraft zum Wohle der weniger Bemittelten in der Gemeinde erheben werden und darum unterlassen wir für heute jede weitere Aufforderung, und behalten uns nur die Mittheilung vor über die Erfolge des bis jetzt Eingeleiteten. — Zum Schluß noch die Bemerkung, daß die jüngst erwähnten „Stimmen der Zeit" noch nicht laut geworden, ob sie das Preßgesetz oder der Belagerungszustand oder sonst Etwas verhindert laut zu werden, das wissen die Götter und der erwähnte Herausgeber. —. Bei uns wirkt ganz im Stillen aber desto nachhaltiger ein Verein der hiesigen israelitischen Einwohner für zinscnsreie Darlehen an unbemittelte Erwerb- und Gewerbsleute. Jedes Mitglied zahlt einen jährlichen Beitrag von 1 fl., in viertel- oder halbjährigen Raten. Für die Darlehen haften zwei Bürgen; sie sind zinsenlos ertheilt, und werden wöchentlich mit 1 kr. vom Gulden getilgt. Nur der Vereinsdiener wird entlohnt, und seit einem Jahre werden 120 Darlehen bis zu 40 fl. auch pünktlich zurückgezahlt. (Union.) —. Einem dem Slaventhum geweihten, gegen deutsche Journale gerichteten Leitartikel der „Union" entnehmen wir folgenden Satz, welcher der Form und dem Inhalte nach gleich bemerkenswerth ist: „Die Emanzipation der Juden sogar findet weniger Anstand und Bedenken, als die Emanzipation der Slaven; diesen also steht der gerechteste Anspruch darauf zu, cs möge der im Judenthume heute besonders vertretene Germanismus sich von der moralgcbotenen Emanzipationsnothwcndigkeit in jeder Richtung durchdrungen fühlen." —. In Prag ist ein Verein von Israeliten in's Leben getreten, um arme Auswanderer nach Amerika zu unterstützen. Auf die Konfession der Auswanderer wird keine Rücksicht genommen. Wien» 25. Januar. Die Judcnemanzipation stößt in sehr vielen Gegenden auf die hartnäckigsten Schwierigkeiten. Bekanntlich wollte sich vor einigen Monaten in Gratz ein Israelit ankaufen, um einen Gasthof zu eröffnen, doch man verweigerte ihm dort den Ankauf, und auf seine Beschwerde beim Minister Bach bot ihm dieser ein Aerarialgebäude zum Kaufe an, mit der Bemerkung, die Staatsregierung könne in derlei Dingen eben nur mit einem guten Beispiel den Gemeinden vorangehen. Seither hat sich jedoch die gratzer Stadtgemeinde an den landständischen Ausschuß gewendet, der sodann dem Minister eine juristisch ausgeführte Darstellung unterbreitete, worin nachgewiesen, daß sich die Provinz Steiermark das Privile- 7*

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