Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1850)
- Date
- 1850-02-11
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
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88 Frankfurt am Main, 21. Januar. Unsere neue oder vielmehr alte gesetzgebende Versammlung hat sich nun heute konstituirt. Bemerkenswerth ist, daß zu Schriftführern einer unserer geachtetsten Israeliten (Herr vr. zur. Emden) gewählt wurde. Oesterreichifcher Kaiserstaat. PraA, am letzten Januar. (Privatmitth.) Die Verhältnisse unserer Gemeinde sehen in Betreff ihrer Kommunalangelegenheit einer baldigen Veränderung entgegen, der zu wünschen wäre, daß nicht Selbstsucht, Eigendünkel, Blasirtheit, Egoismus und Parteilichkeit — und wie noch all die unlauteren Tugenden heißen, die nur allzuoft die Krebsschäden des Gemeindewcsens bilden — auf sie nachtheilig einwirken mögen. Diese Umgestaltung wird durch zweierlei Umstande bedingt, auch in zweierlei Hinsicht vor sich gehen. Erstens steht der Anschluß der Judenftadt an die Stadtgemeinde nächst bevor, und dann muß zweitens die Bildung der Kultusgemeinde vor sich gehen. Die Stadtverordneten haben in einer ihrer letzten Sitzungen den Anschluß einstimmig angenommen und würden über alle Bedingniffe Weggehen, einen einzigen ausgenommen, welcher der norvus rerum gerenäsrnm ist, die in diesen Blättern erwähnten 100,000 wenigstens 70,000 Gulden K. M. müssen sie nothgedrungener Weise haben. Um diesen, zur Zeit des Sildergeldes wol gewichtigen Grund ihrer Bedingnngen gehörig zu bevorworten, wurden zwei Stadtverordnete, ich glaube die Herren vr. Brauner und Haklik, nach Wien geschickt; allein der Minister des Innern soll ihnen gesagt haben, daß Se. kais. Mas. mittelst der Charte vom 4. März v. I. (den wir wol hoffentlich festlich und feierlich und auch mit Wohlthun begehen werden) die Gleichberechtigung ausgesprochen und so könne bei der einzuführenden Gemeindeordnung keine Rücksicht auf den Glaubensunterschied genommen, und die Israeliten Prags auch nicht verhalten werden, ihr Aufgehcn in der Stadtgemeinde zu erkaufen, wenn jedoch die Israeliten Prags der Stadtgemeinde irgend ein Geschenk machen wollen, so stehe demselben kein Hinderniß entgegen. So weit die Aeußerung des Ministers, bei der es auffallen dürfte, wie er bei seiner Freisinnnigkeit auf den Gedanken kommen konnte, den Israeliten Prags dennoch eine Art Erkaufung ihres Anschlusses anzumuthen; allein wir sind fest überzeugt, daß der Minister dies nicht von selbst ausgesprochen, sondern diese Worte ganz gewiß nur seine Meinung waren, da die Herren Stadtverordneten höchst wahrscheinlich die Frage gestellt, ob ihnen wenigstens die Annahme eines Geschenkes von der Jsraelitengemeinde unbeirrt bleibt. Wie aber die Stadtverordneten auf diese Idee kommen konnten, damit hat es folgendes Bewandniß. Im November v. I. wurde von dem damaligen Komite des Vorstandes der Jsraelitengemeinde der Entwurf einer künftig zu bestehenden Kultusgemeinde ausgearbeitet, und weil die Einwürfe eines vom echten Judenthume durchglühten Komitömitgliedes nicht angehört worden sein sollen, und weil es sich traf, daß — vielleicht durch eine unlautere Hand — der Entwurf und die erwähnten Einwürfe dem Drucke übergeben und in der Gemeinde vertheilt wurden, und weil wahrscheinlich in diesen Einwürfen einige Komite Mitglieder und auch die im Entwürfe ausgesprochene Permanenz des Herrn Vorstehers Landau angegriffen wurde — fand sich bei einer stürmisch vor sich gegangenen Sitzung der Letztere, so wie das ganze Komite bewogen zu resigniren. Die Resignation des Herrn Vorstehers ging mit mehr oder weniger Umschreibung durch alle'hiesige und auch einige auswärtige Zeitungsblätter, wir wußten aber, daß sie faktisch nicht vor sich gehen wird, weil wir wußken, daß sie von dem damaligen Präsidenten und Statthalter nicht ihre Bestätigung erhält. Und so fungirt noch heute der immerhin wenn nicht gerade beleidigte, doch gewiß sehr unsanft berührte Herr Vorsteher. Die Resignation des übrigen Komite blieb von der Behörde fast ebenso unbeachtet, als es das Komite vom größten Theile der Gemeinde war, und der Herr Vorsteher Landau, welcher allein Nichts beschließen konnte und wollte, beschied statt der früheren Komitemitglieder in pleno nur einige derselben, so wie die sämmtlichen Vorsteher der großen Synagogen zu sich und setzte mit diesen seine Arbeiten, so wie früher mit dem von der Gemeinde frei gewählten Komite fort. Wir zweifeln nicht, daß Herr Landau der höhern Behörde Rechenschaft abgelegt, und daß er dieses nothgedrungen gebildete Komite als ein zweckmäßig zusammengestelltes, von der Gemeinde betrautes der höhern Behörde vorgesührt; allein die Gemeinde hätte er zur Abgabe von neuen Vertrauensmännern auffordern, wenigstens hätte er auch sie und nicht nur die Behörde allein, von diesem Schritte in