Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-11 · Heft 7 (11.2.1850) · p. Seite 86

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 7 (11.2.1850)
Date
1850-02-11
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225668--10788-3240855
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

86 plom nur denen ertheilt, welche die Befähigung zum Rabbiner darzuthun im Stande sind, was auch sehr zu billigen ist, denn soll die Wiffenschaft des Talmuds einen Werth be- und erhalten, so muß das Diplom dieser Wissenschaft nicht Jedem an den Hals geworfen werden, der in den Büchern des Talmuds lesen oder den Ton des Studiums hinbrummen kann, llm so mehr ist dies von den sogenannten polnischen Rabbinen zu verlangen, die doch das Talmudstudium als alleiniges Monopol in Anspruch nehmen. Da giebt es aber polnische Rabbinen im Rufe großer Autorität, z. B. den Rabbiner Spiro in Jnowrazlaw, der jedem begüterten jungen Manne, der den Bund der Ehe eingeht, ohne Verlangen die Moreinu zuschickt, um hierfür einige Thaler als Sportel zu erhalten. So geschah es, daß derselbe dem jüngst dahin verheiratheten K. aus R. gleich nach der Hochzeit die Moreinu zuschickte. K. wird es gern selbst cingestchen, daß er hierzu nicht im Entferntesten befähigt ist, obgleich sonst ein Ehrenmann. Bei sich selbst muß er den Rabbinen verachten, der so argen Mißbrauch von der herrlichen Wissenschaft des Talmuds macht. Andere Rabbiner geben jungen Leuten, welche einige Schlachtregeln herzusagen wissen, Bescheinigungen über die Fähigkeit zum Schächter, wenn sie nur einige Thaler hierfür erhalten, noch Andere hüten sich Fehler der Gemeindemitglieder zu rügen aus Furcht, dieselben würden ihnen keine Geschenke zukommen lassen, genießen dadurch nicht die geringste Autorität, nicht die entfernteste Achtung, sondern werden nur insoweit, als sie die ritualen Fragen entscheiden, als „Sündenböcke" betrachtet. Sind solche Rabbinen im Stande, das Volk zu leiten, es charakterfest zu bilden, ihnen somit das beizubringen, was ihnen selbst abgeht? Gemeinden, denen solche Rabbinen vorstehen, sind sehr zu beklagen. Es ist jedoch auch erfreulich, charaktervollen Geistlichen in unserer Provinz zu begegnen, so z. B. dem Rabbiner Malbim in Kempen, dem Rabbiner Wolf in Meseritz und Rabbiner Feldblum in Schmirgel u. s. w. Allen dreien wurden mitunter glänzende Anerbietungen gemacht, Diplome der Befähigung zum Rabbiner auszustellen, welches sie jedoch aus guten Gründen entschieden ablehnten. Ich kann auch nicht umhin, hierbei eines Mannes Erwähnung zu thun, den ich kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Es ist dies der Rabbinatsverweser Herr Moses Greiffenhagen aus Wöllstein. Derselbe besitzt sehr gediegene talmudische Kenntnisse, welches drei Rabbinate, Autoritäten in Deutschland, durch Rabbinatsdiplome bescheinigten. Außerdem ist derselbe auch im Stande, in reindeutscher Sprache gottesdienstliche Vorträge zu halten, so daß Gemeinden, die einen Rabbiner anzustellen geneigt sind, an demselben eine sehr gute Akquisition machen würden, denn Herr Gr. verbindet mit der wissenschaftlichen Befähigung hierzu, eine seltene Charakterstärke und Gesinnungstüchtigkeit. Er huldigt dem Prinzipe der vernünftigen wahrhaften Religiosität, gegründet auf Bildung des Volkes, ohne der Geistesverdummung Vorschub zu leisten. Herrn G. ist ein ihm angemessener Wirkungskreis zu wünschen. Gemeinden, welche Rabbinen, Seelsorger anstellen, müßten stets darauf Rücksicht nehmen, daß der Anzustellende nächst der wissenschaftlichen Befähigung Gesinnungstüchtigkeit und Charakterstärke besitze, denn ohne diese Eigenschaften zerfällt die Wirksamkeit des Geistlichen in Nichts. München, 1. Februar. Die Gleichstellung der Juden war in vielen Ländern Gegenstand der heftigsten Kämpfe: aber ein Gegenstand der armseligsten Jntrigue, ein Gegenstand der weitausgreifendsten Erbärmlichkeiten war sie noch nirgends wie in Baiern. Es ist unser trauriges Amt, das Nöthige zu sammeln, um es der Mit- und Nachwelt zu überliefern. München, 4. Januar. Unsere Theatinerkirche hatte vor einigen Tagen einen Anschlag mit der Aufschrift: „Maximilian II., König der Juden". Sie können daraus (setzt der Münchner Korrespondent der berliner Konstitutionellen Zeitung hinzu) auf den Patriotismus unserer guten Baiern schließen. Es ist das derselbe Titel, welchen die Heiden dem Heilande gegeben. —. 20. Januar. Auch in Würzburg ist jetzt eine Adresse gegen die Judenemanzipation in Umlauf gesetzt worden. Der dortige Märzverein, Arbeiterbildungsverein, Turnverein und politische Klub protestiren in den öffentlichen Blättern gegen diese Adresse. (N. K.) —. 24. Januar, Der Volksbote zählt jetzt 424 Adressen gegen die Judencmanzipation. — Aus Werneck in Oberfranken erfährt man, daß daselbst folgendes Zirkular in Umlauf gesetzt wurde: „(An die Gemeindevorsteher.) Die politische und bürgerliche Gleichstellung der Israeliten betreffend. Auf Befehl

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.