Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1850)
- Date
- 1850-02-11
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225660-3225668--10784-3240851- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
82 Muß nicht Staunen sich in Euch erregen, Wanderer, vor diesem ernsten Blick? Muß nicht tief die Seele Euch bewegen Solcher Wunderbau und sein Geschick? Könnt den Zoll der Achtung Ihr versagen Einem Bau aus so uralten Tagen? Doch vernehmet, mögt Ihr Urtheil geben, Hört des Monumentes weitres Loos. Jenes Thals Bewohner, die dort leben, Alle sämmtlich fast, so klein wie groß, Statt verwunderungsvoll das Haupt zu neigen, Haß nur für den alten Bau sie zeigen. Nicht des Monumentes hohes Alter, Nicht die Stürme, die es überlebt, Nicht die Priesterschaar, die Lichterhalter, Nichts von dem, was sonst die Achtung hebt. Kann der Gegner tiefen Haß beschwören, Nichts vermag dem ew'gen Groll zu wehren. Bald in Spott und Hohn sie sich ergießen Ob des Baues äußere Gestatt, Gist'ge Pfeile bald darauf sie schießen. Aus verborgnem, tückschen Hinterhalt. Bald zusammen kommen sie in Hausen Gegen das Gebäude Sturm zu lausen. Unter vielem Schutt und Staub begraben Liegt schon manches Bollwerk ringsumher. Schon so manchen Riß die Mauern haben, Manche Spur wir sehn von Pfeil und Speer. Doch das Ganze fest auf seinem Grunde Sehn noch immer wir zu dieser Stunde. Doch nicht so die Priesterschaar von oben, Tief gebeugt steht sie vom Mißgeschick. Eingeschüchtert von des Feindes Toben, Hebt gen Himmel sie den nassen Blick. Hart verwundet liegen viel darnieder, Viel zerstümmelt sind an Leib und Glieder. Viel entnervt zur Erde nieder liegen, Tief entmuthigt von dem harten Schmerz, Viel von Blut bedeckt an Wunden siechen, Tief von wilder Qual zernagt das Herz. Doch zerstümmelt selbst und schon halb Leichen, Von dem Ehrenposten nicht sie weichen. Mit zerstümmelten, mit wunden Händen Stets noch schüren sie das matte Licht, Halb erschöpft den Brennstoff noch sie wenden Da die letzte Kraft schon Manchem bricht. Manche schon halb todt am Boden schleichen Noch ein Dachtchen dort der Flamme reichen. Und die wilden Haufen Jubel schlagen, Laut sich freuen ihrer Heldenthat. Spottend ihrer Opfer Qual und Plagen, Ihres Sturzes ohne Hilf und Rath; Spottend der verstümmelten Gestalten, Die so viel Beharrlichkeit entfalten. Wanderer, ich komme fragend wieder. Sagt, was denkt Ihr von dem Monument? Von des Baues, von des Lichtes Hüter Von dem steten Feuer, das dort brennt? Von dem Sturm, den dort die wilde Masse Wüthend führet mit so gift'gem Hasse? Tief entrüstet hör' ich Euch ausrusen: Nur im wildesten Barbarenland, Wo noch auf den ersten, untern Stufen Steht der Völker roher Bildungsstand, Nur einst in der Vorzeit finstern Tagen, Solcher Unsinn wol sich zugetragen. — Wisset denn, in unfern heut'gen Tagen Hier in Eurer nächsten Nachbarschaft, Die Parteien heute noch sich schlagen, Stets den Kampf erneuernd unerschlafft. Wollt das alte Monument Ihr kennen? Soll mit Namen ich die Kämpfer nennen? Denkt an Israel und seine Lehre, Wol der attste Bau der früh'sten Zeit, Ohne Licht die Welt noch heute wäre Ohne seiner Schriften Wirksamkeit. Alle Völker, Religionsparteien Aus der Bibel doch das Licht entleihen. Heute noch, nach Tausenden von Jahren, Fest des alten Moses Bau noch steht. Heute stets noch Jakobsbundesschaaren Treu auf ihrem Posten Ihr dort seht. Unter tausend Stürmen und Gefahren Stets der Bibel Licht sie treu bewahren.