Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1850)
- Date
- 1850-02-04
- Page
- Seite 78 (sequence 10)
- Language
- German
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78 Treue willen zugefügt worden. Uns gitt Israel — wir mögen alle Epochen seiner wunderbaren Geschichte durchgehen — weder jemals als so tief unter alle Völker gesunken, daß selbst Jahrtausende seine Schuld nicht sollten sühnen können, nach als vor allen Völkern in dem Sinne von Gott auserwählt, daß diese niemals zu seiner Höhe sollten emporreichen können. Es fehlt uns sonach nicht nur an jedem religiösen Grunde für den Glauben an die Rückkehr nach Palästina — wir haben sogar gewichtige religiöse Gründe gegen diesen Glauben, der mit unseren Vorstellungen vom messianischen Reiche in geradem Widerspruche steht. Mögen Andere immerhin einer andern religiösen Ueberzeugung folgen — wir sind weit davon entfernt, die Unsere Jemanden aufzwingen zu wollen oder irgend einen Grund zur Spaltung hierin zu erblicken. Waren ja die Ansichten über die Zustande im Messiasreiche von jeher verschieden! Der Eine glaubte, in dieser glücklichen Zeit werden alle wilden Thiere u. s. w. verschwinden, wahrend ein Anderer behauptet, die Ordnung der Natur werde auch dann ungestört bleiben (vergl. Maimonides Könige 12, 1. btt hv “irn dbM b^ ttb^ diw '■»iT in dbiI und dagegen die Bemerkung des R. Abraham den David: TCattSn srrinn nb>Ni Wi rrrv, der Eine zahlte zu den nach Palästina Zurückkehrenden sammtliche israelitische Stämme, während der berühmte R. Akiba die 10 Stamme von der Rückkehr ausschließt (vergl. Sanhedrin 110 b. -nmb ■pTTi* ytt d^lldDN). Ja Rabbi Hillel erklärt (Trakt. Sanhedrin i. 99 a.): btt-nirb N-'M dnb ytt rrpm imbdtt und stellt sonach die Restitution des jüdischen Staates geradezu in Abrede, indem er diejenigen Bibelstellen, die als Gegenbeweis angeführt werden, mit verschiedenen alten Kommentatoren theils — wie so viele andere messianische Schriftschilderungen — sinnbildlich auffaßt, theils auf die Zeit des zweiten Tempels bezieht (viel. Albo Jckarim IV. Abhandl. Kap. 44: 81N rpttws ‘■yy "O nwa*» d^tö^öwsi nbtti tnfcrMSi «bi rr-nnd yttwi nbdpn b*. nara bV strir Nttidd). Daß aber jener uralten Verheißung gemäß (1. B. M. 12, 3. 18, 18. und 22, 18.) durch die Nachkommen Abrahams alle Familien des Erdreichs dereinst werden gesegnet werden — aus diese echt messianische Hoffnung wird, wie früher, auch jetzt kein wahrhafter Verehrer des Judenthums verzichten wollen, und so halten wir uns denn für verpflichtet, denjenigen, welche durch die erwähnte Segnung den israelitischen Beruf schon vollkommen erfüllt sehen, ein Gebetbuch zu empfehlen, das dieser Gesinnung entspricht und den Messias nicht als König Israels, sondern als Welterlöser darstellt. (Schluß folgt.) Belletristisches. Erzählungen eines Großonkels. (Fortsetzung aus No. 3. '4. 5.) 2. Wir wunderten durch den Wald. Immer tiefer führte der schmale Fußsteg uns in das Dickicht. Freilich gelangten wir nur langsam vorwärts, denn ich ließ mich oft in das dichte Gras nieder, um die reifen blauen Erdbeeren zu pflücken, die ich mit jugendlichem Uebermuthe Händevoll in den Mund preßte, daß mein Antlitz bald einem tattowirten Indianer ähnlich sah. Bald hörten wir Axtschläge. Wir waren in ein Revier gekommen, das abgehetzt ward. —. „Komm, mein Sohn, laß uns hier im Schatten etwas ausruhen," sprach mein Großoheim zu mir. „Der Rasen ist einladend. Weißt Du, woran die Schlage der Axt, deren Schall zu uns dringt, mich erinnern? An eine artige Fabel im Talmud." „Welche, Onkel, ich bin begierig.. und schon saß ich auf dem Boden. So schnell ging es nun mit dem Greise nicht; er holte sein schneeweißes Taschentuch hervor, breitete es zierlich auf dem Grase aus, und ließ sich dann langsam und behaglich nieder. Er hatte auch sein Plätzchen gut gewählt; mit dem Rücken konnte er sich an den Stamm einer herrlichen Ulme lehnen, welche ihre weitragenden Aeste schattengebend über uns ausstreckte; das große Rohr ruhte zwischen seinen Knieen, so daß der silberne Knopf ihm gerade unter der Nase stand, und die Vorderfinger der rechten Hand dran rauf- und runterrutschten. „Nun, Onkel, die Fabel.. „Als das Eisen erschaffen worden, heißt es Ln Sanhedrin, da zitterten die Bäume, denn sie sahen ihren Fall in der Fülle ihrer Kraft voraus. Was zittert Ihr, sagte das Ersen, möge kein Holz von Euch sich zu mir gesellen, so wird Keiner unter Euch Schaden erleiden." Aber, siehe da, es fand sich Holz, das sich dem Eisen