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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-02-04 · Heft 6 (4.2.1850) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 6 (4.2.1850)
Date
1850-02-04
Page
Seite 79 (sequence 11)
Language
German
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79 darbot, tim es mit der Faust führen zu können, und seitdem stürzen die herrlichsten Bäume unter den Schlägen der Axt." „Welchen tiefen Sinn hat diese Fabel! So groß auch eine feindliche Macht ist, sie wird erst gefährlich durch den Verräther, der aus dem eigenen Lager zu ihr schleicht, um ihr die Schwache der Seinigen zu verrathen. Das Eisen war machtlos gegen die Bäume, bis ein junger Baumstamm in das Oehr der Axt gesteckt ward." „Dies hat sich in der Geschichte jedes Volkes bewährt, und die Helden von Termopytä waren nicht erlegen vor dem zahllosen Heere der Perser, wenn nicht ein Grieche dieses über den Gebirgskamm in den"Rücken der Sparter geführt hätte." Vor Allem erging es aber unserer Nation im Großen und Kleinen so. Nicht nur daß abtrünnige Juden von je her den giftigsten Geifer über uns ausgespritzt, und den Stoff zu Verleumdung und Verfolgung mit geschäftigen, meist bezahlten Händen herbeigeschafft — tausend- und abertausend Male sind von einzelnen Juden Mißhandlung, Verfolgung, Verjagung über ihre Brüder und ganze Gemeinden verrätherischer Weise gebracht worden, und unter hundert Fallen in neunundneunzigen über unschuldige. Denn sich, mein Geliebter, es ist die Regel unter den kurzsichtigen Menschen, daß die wahre Schuld straflos sich von dannen macht, daß aber der Schuldlose durch Verdächtigung, dann durch Beschuldigung und blinden Eifer zu Grunde gerichtet wird. Jndeß, es ist ein Auge offen, das auch in diese Tiefen klar schaut, und jedem Maße sein Maß zu geben versteht...." Der Oheim schwieg, und ich wartete eine Zeitlang, daß er sortsahren würde. Als dies zu lange wahrte, ergriff ich seine Hand, und sprach sanft: „Onkel, woran denkst Du?" Er ergriff meine Hand seinerseits, drückte sie, und sprach: „Jakob, ja, ich will Dir die tiefste Verachtung gegen solche Verräther einflößen, einen nie zu erstickenden Abscheu vor solcher That und ihren Thatern. O, es gelingt ihnen doch nicht immer, ich Hab' es erfahren, und die göttliche Vorsehung weiß auch aus der Giftsaat dieser Menschen schöne Blüten und Früchte zu ziehen — aber auf lange Zeit machen sie die edelsten Menschen unglücklich... ." „Doch lassen wir dies. Ich erzähle Dir lieber eine Geschichte, die sich in meiner Jugend nicht weit von meiner Geburtsstadt zugetragen und damals viel Aufsehen erregt hat." Ich rückte mich neugierig an ihn heran, legte meine beiden Hände auf sein Kniee, er die Seinen auf die Meinigen, und hob an. In der Zeit, von der ich Dlr spreche, mein theurer Jakob, da war der Glaube an die Macht von Hexen und Hexenmeistern noch sehr verbreitet, und es gab Gegenden in unserm deutschen Vaterlande, wo der schon für einen Solchen galt, der seine Zweifel daran verlautbarte. In solchen Landschaften wurden denn auch die alten Kriminatgesetze gegen die Zauberei und Hexerei mit ungeheurer Strenge gehandhabt, und viele Seufzer stiegen zum Himmel auf, die den Lippen der, solcher Verbrechen Angeschuldigten und darum Gemarterten und Gefolterten entflohen. Nun waren unsere Glaubensgenossen damals, und viele sind es noch jetzt, durchaus von ähnlichem Aberglauben nicht frei. Du weißt, daß man eine gewisse Geheimlehre, d. h. eine Lehre, welche in den Worten der Schrift nicht blos den gewöhnlichen Sinn, sondern noch einen liefern, aufzusuchenden voraussetzt, den herauszuziehen nun die Phantasie den unbeschränktesten Spielraum hat, auch in Israel gebildet hat, welche man Kabbala nennt. Diese Kabbala hat es allerdings nur mit dem Wort zu thun, und so phantastisch ausschweifend, so abentheuerlich grotesk viele ihrer Aussprüche und Anschauungen sind, so geben sie Alle doch zu denken und zu grübeln, und sind jedenfalls von erhabenstem Aufschwung. Aber an diese theoretische Kabbala knüpfte sich auch mit der Zeit eine praktische. Sobald man erst im Worte eine außergewöhnliche Kraft und Weihe findet, ist es leicht, diese Kraft auch in einer außergewöhnlichen Gewalt über die Natur und ihre Erscheinungen zu suchen. Das große Reich der Geister und Dämonen erschließt sich, und es giebt dann keine Grenze mehr für den sich selbst überschätzenden und seine Gebilde selbst schaffenden Menschen. Der an sich selbst Glaubende findet bald Gläubige, und die Wundertaten sind fertig, ehe man es sich versieht. Jeder hat sie gesehen, war dabei. In einer Zeit, wo die Aufklärung noch gering, wo der Glaube noch so glühend und kindlich war, daß der an Kritik nicht gewöhnte Verstand Alles annahm, was ein anderer phantasiereicher Mensch oder die eigene Einbildungskraft aufschwatzte, in einer Zeit zugleich, wo der Kreis der geistigen Thatigkeit ein noch sehr geringer war: da mußten sehr edle Geister sich dem hingeben. Damals lebte in der gedachten Nachbarstadt ein Rabbiner, der unter den Juden des Kreises im Rufe stand,

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