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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-28 · Heft 5 (28.1.1850) · p. Seite 66

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 5 (28.1.1850)
Date
1850-01-28
Page
Seite 66 (sequence 14)
Language
German
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mich hiervon lieber schweigen. Freilich blieb der Prinz nicht ohne Schuld. Eine bittre Reizbarkeit hatte sein Herz erfüllt, und ließ ihn von seinem Vater nur Hohn und Ungerechtigkeit erwarten, die er wiederzuvergelten in seiner Weise sich bald berechtigt glaubte. So hatte Prinz Kart nur noch Einen Menschen, an dem er vertrauensvoll hing, dem er, vielleicht am Meisten aus Bedürsniß, Einen zu haben, dem er sich hingebe, anhing: ein Jüngling, der mit ihm erzogen worden, der Gespiele seines Knabenalters, ein armer Edelmann, Franz sein Vorname. Der Prinz war in das Alter getreten, wo er sich vermahlen sollte. Es graute ihm vor dem Gedanken, eine Gattin aus den Händen seiner Eltern entgegennehmen zu sollen. Und als er gar den Namen seiner zukünftigen Gattin erfuhr, als er aus ihm zugekommenen Nachrichten oder persönlicher Kenntnißnahme erkannte, daß hier für ihn abermals eine unerträgliche Fessel geschmiedet werden sollte: da entschloß er sich, nicht darin zu willigen, und lieber Alles zu opfern. Freilich sah er ein, daß damit das ganze Streben der Fürstin mit bester Erfüllung gekrönt werden würde — aber auch das war ihm schon gleichgiltig geworden, nur frei, frei wollte er werden. Er entwarf mit seinem Freunde Franz einen Plan, zu entfliehen. Er wußte wol, daß diese Flucht seinem Vater das scheinbare Recht, ihn der Erbfolge für verlustig zu erklären geben würde — aber er wollte frei werden. Am folgenden Tage sollte der Plan ausgeführt werden. Franz war nach einem Städtchen vorausgeschickt worden, um dort Alles für die schnellste Flucht bereit zu halten. Am frühen Morgen sollte der Prinz ganz allein, ohne Begleitung, wie zu einem Morgenritt, sich entfernen und sofort nach dem Städtchen reiten. Von da sollte es aufs Eiligste über die Grenze und nach dem nächsten Hafen gehen, um nach England überzusetzen. Der Prinz hatte eine schlaflose Nacht. Wieder und wieder ging es durch seine Seele, wie er nun Alles, Alles aufgebe, und der üngewissesten Zukunft entgegenginge. Dann aber erschien ihm wieder die Freiheit in der verlockendsten Gestalt; er dachte an alle die Qualen, denen er ausgesetzt gewesen, und die ihm noch bereitet wären. Bald wurde er in seinem Entschlüsse wankend, bald bestärkt. So traf ihn die Morgmsonne. Er erhob sich von seinem Lager, und damit mußte er sich entscheiden. Er gedachte, wie Franz auf ihn warten, wie er diesem schwach und unmännlich erscheinen würde, und — gab den Befehl, sein Roß zu satteln. Schnell war es geschehen. Jetzt rüttelte er sich aus seinen Träumereien auf. Noch einen Blick warf er durch die Gemächer, in denen er feit Erwachen seines Bewußtseins so Vieles durchlebt hatte; rasch aufs Pferd; die Pforte wurde ihm .'geöffnet; hinaus in den frischen, duftigen Morgen, der die Spannkraft des Menschen stählt, und den Drang zu handeln in ihm weckt. Er ritt einen engen Waldgang hinauf, und mußte langsamer reiten, um nicht gegen die Baumäste zu prallen. In der Düsterheit des Waldes neues Schwanken, neue Unentschlossenheit. Er gedachte dessen, was er hinter sich gelassen. Da kommt plötzlich ein Wanderbursch den Waldgang herauf. Lustig schallt ein Lied von seinen Lippen, und die Vögel des Waldes scheinen davon erweckt zu werden und ihm einzustimmen. Der Prinz in einem schnellen Gedanken, stellt ihm sein Pferd entgegen, und rast ihm gebieterisch ein „Halt!" zu. Der erschrockene Bursch, der den Prinzen natürlich nicht kannte, stand still und wartete dessen, was da kommen sollte. „Mensch," rief der Reiter dem Wandrer zu, „sag mir einen Spruch, welcher es sei, der Dir in die Seele kommt...." „Einen Spruch! gnädiger Herr?. .stammelte der Bursch. „Ja, einen Spruch, dann kannst Du gehen. .. „Dann kann ich gehen?..." „Ja, und Du sollst noch ein Wandergeschenk haben, aber schnell muß es sein, ohne Besinnen." „Nun, das kann geschehen. Mein Vater gab mir den Spruch des Psalmisten mit auf die Reise: „„Besser ist's, dem Ewigen vertrauen, als auf Menschen sich verlassen."" Diese Worte fuhren dem Prinzen elektrisch in die Seele. „Vertraue Niemandem, außer Gott!" hatte dies nicht seine sterbende Mutter ihm als Scheidewort zugerufen? Ja, was er verlangt, war ihm geworden, ein Orakel Gottes, ein Mahnwort. Was war er im Begriff zu thun? Einzugreifen in sein Geschick, und feinem Vaterlande sich auf immerzu entziehen? Und auf wen vertrauteer? Auf Menschen?... Es ging ihm schauernd durch den Geist. Seine Mutter schien vor ihm zu stehen und ihm zurückzuwinken. Sollte er mit seinem Pferde über die Gestalt seiner Mutter setzen? . .. Eben wollte der Bursch, dem es nicht geheuer wurde,

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