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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-28 · Heft 5 (28.1.1850) · p. Seite 65

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 5 (28.1.1850)
Date
1850-01-28
Page
Seite 65 (sequence 13)
Language
German
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65 Bettetriftisches. Erzählungen eines Großonkels. (Fortsetzung aus No. 3. 4.) 1. (Schluß.) Du kannst Dir die Gefühle des armen Salomon denken. Mitten in der Vollkraft des Lebens, ohne sich das geringste Vergehen vorwerfen zu können, einem fo qualvollen Tode entgegenzugehen — es war so etwas überwältigendes, daß er es nicht zu fasten vermochte. Und doch, woher sollte die Gnade kommen? Wer nahm hier so vielen Antheil an ihm, um Gnade für ihn zu erwirken? Ja, er hatte zufällig in dieser Stadt seine Kunst auch erlernt, er hatte viele Bekannter aber der Jude war damals sehr feig, und wagte Nichts zu unternehmen, was ihm selbst übel ausgenommen werden konnte. Die Willkür hatte ihn soweit gebracht. Es war ein zu kitzlicher Punkt; Salomon sollte die Religion gelästert haben! Oder würde gar der Fürst um eines Juden willen Gnade üben wollen? War er nicht ebenso eingenommen wie das Gesetz, um die Bestrafung einer vermeintlichen Gotteslästerung gerecht zu finden, auch wenn sie noch so hart wäre? Und wenn der Gefangene erst an die Heimath, an seinen alten Vater dachte, dessen einziger Sohn, dessen einzige Stütze er war — da rang er die Hände sich wund, da zog Verzweiflung in seine Brust ein, und oft sah er sich nach irgend einem Werkzeug des Todes um, um dieser Qual, arger als der Tod selbst, zu entgehen. Die Akten waren natürlich zur Bestätigung an den Fürsten gegangen. Der damals regierende Fürst war ein eigenthümlicher Herr. Für Jeden, der ihm nahe stand, mußte er ein Räthsel sein; denn es war platterdings unmöglich vorauszuwissen, was der Fürst in einem gegebenen Falle thun würde. Und dennoch war Jedermann gewiß, daß es nicht wechselnde Laune sei, was den Fürsten beherrschte, sondern daß alle seine Handlungen planmäßig und aus tiefer Idee hervorgingen — aber dieser Plan und diese Idee waren Allen ein tiefes Geheimniß. Hatte der Fürst keinen Vertrauten? Auch das ein Rathsel. Ein Jeder schien sein Vertrauter und Keiner. Ein Jeder, denn von den ihn umgebenden Personen hatte der Fürst fast jede in irgend einer Sache vor allen übrigen gebraucht und so mit seinem Vertrauen beehrt, und dennoch Keinen, denn es ging eben vorüber wie ein flüchtiger Sonnenblick z es war ihm vertraut worden, worin ihm vertraut werden konnte ohne Bedingung. Also, wie gesagt, den noch jungen Fürsten umgab ein dichter psychologischer Schleier, und die seinen Herren vom Hofe suchten vergebens eine Seite, an der sie ihn fassen könnten. Freilich für den, der die Jugend des Fürsten und seinen Entwickelungsgang genau gekannt hatte, wäre des Räthselhaften viel verschwunden gewesen. Als vierzehnjähriger Knabe hatte der Fürst am Sterbelager seiner, wie selten an den Höfen, heißgeliebten Mutter, deren einziges Kind er war, gestanden. Die Fürstin hatte ihn noch einmal an ihr Herz gedrückt, und mit schwindender Kraft zu ihm gesprochen: „Mein theurer Sohn, laß mich Dir einen Spruch empfehlen, den Du wahren mögest: Vertraue Niemandem außer Gott!" Der alte Fürst heirathete wieder, und jetzt hatte der Erbprinz Karl eine Todfeindin, bevor er dies begreifen konnte. Ich kann Dir nicht die Pläne alle mittheilen, kenne sie auch nicht alle, welche die neue Fürstin schmiedete, um den jungen Prinzen zu vernichten, insonders nachdem sie selbst mit zahlreicher Nachkommenschaft gesegnet worden. Zweierlei war ihr Hauptziel, den Prinzen auf den Weg des Lasters zu bringen, und seinen Vater ihm nicht allein zu entfremden, sondern sogar unübersteigliche Hindernisse zwischen sie zu bringen. Dadurch wollte sie den Fürsten dahin bringen, daß er seine Gaben allein auf ihre Kinder vertheile, und gar dem Prinzen die Nachfolge entzöge. Das Erstere gelang ihr eine Zeit lang. Der junge Prinz, angeleitet von den Personen selbst, welche ihn zum Guten zu führen die Pflicht gehabt hatten, aber von der Fürstin gewonnen, den schändlichsten Verrath an dem Prinzen und dem Lande, das er einst regieren sollte, übten, stürzte sich in den Strudel der Vergnügungen, der Leidenschaften, und hatte den Kelch der Ausschweifungen schon an die Lippe gesetzt. Aber durch eine glückliche Fügung, wie wir schaudernd den Becher Weines absetzen, wenn wir plötzlich eine Spinne darin erblicken, trat dem noch unschuldigen Herzen das Laster gleich Anfangs so frech und nackt entgegen, daß er voll Abscheu sich abwandte, und seitdem — gewaffnet war. Glücklicher war sie mit der Aussaat der Zwietracht zwischen Vater und Sohn. Tausend Mißverständnisse wurden zwischen Beiden angesponnen, und ihre Aufklärung verhindert. Falsche, lügnerische Berichte untergruben die gute Meinung, die Achtung, die Liebe. Bald standen sie ringend mit einander gegenüber. Doch laß

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