Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1850)
- Date
- 1850-01-28
- Page
- Seite 59 (sequence 7)
- Language
- German
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59 Geständniß: „die konstitutionelle Partei kann auf keinen Menschen im ganzen Lande rechnen!" und „die Partei der Kreuzzeitung hat den blinden Gehorsam der Armee für sich." Wir haben genug. Wir haben dann zwei Jahre geträumt, und erwachen aus dem Traume. Aber schon Aristoteles sagt, solche, der Wirklichkeit so nahe kommende Träume sind nicht ohne Eindruck und Einfluß, und dieser Eindruck und Einfluß der verflossenen zwei Jahre muß sich zur Zeit geltend machen. Der Herr weiß wie?! — Mein ich muß noch weiter gehen. Da Alles Wirkung einer Ursache ist, und dann wieder zur Ursache einer neuen Wirkung wird: so müssen wir erwägen, daß all diese Rückschritte einen bestimmten Boden in dem Geiste und Gemüthe des Königs haben müssen. ES ist sicherlich bei diesem nicht das Verlangen nach persönlicher Macht, sondern vielmehr die Folge seiner innersten Anschauungen. Die Köln. Zeit. — wir halten uns an diese, weil sie der am Weitesten vorgeschobene Posten der Konservativen ist — schildert dies in einem Art. vom 16. Januar so: „Wir fürchten, der erneute Versuch, den religiösen Staat in Preußen zu begründen, der Versuch, einer göttlichen Geschichte den Boden beschränkter, räumlicher Existenz zu gewinnen, wird eine Zersetzung im Gemüthe des Volkes Hervorbringen, welche weder durch alte Erinnerungen preußischer Herrlichkeit, noch durch das Heraufbeschwören untergegangener Vorstellungen von der sichtbaren Stellvertretung Gottes durch die Könige zur Einheit, zur Ruhe, zum Glück geführt werden kann. Diese religiösen Anschauungen des Königs, deren ideelle Kraft und Macht in vergangenen Zeiten jede edle Natur anerkennen wird, welche aber für die neue Zeit in den alten Formen ihren begeisternden Einfluß verloren haben, geben uns den Schlüssel zur Erklärung seiner politischen Handlungen, welche wir bei anderen Persönlichkeiten nur aus unlauteren Motiven herleiten könnten." Ist dies wahr, nun so ist um so sichrer gerade in religiöser Hinsicht auf Wiederherstellung der alten Verhältnisse zu rechnen. Sie haben in No. 1. d. I. das Jahr 1849 für die Juden ein Jahr des „Stillstandes" genannt: das Jahr 1850 wird dann das Jahr des „Rückschrittes" zu nennen sein — in Baiern die Emanzipation verworfen, in Preußen das Judcngesetz von 1847, und wo dann Alles noch? Vergessen wir Frankreichs nicht! Die Aussichten sind trübe, um so mehr müssen wir wie Männer darauf vorbereitet sein. Oesterreichischer Kaiserstaat. Krakau, 3. Januar. Eine Versammlung angesehener Kaufherren und sonstiger Geschäftsleute hat gegen das bekannte Benehmen des krakauer Stadtrathes, welcher den ausdrücklichen Bestimmungen unserer Grundrechte zuwider, die Sperrung einiger von Israeliten in der Stadt eröffneten Gewölbe angeordnet hatte, ein mißbilligendes Votum abgegeben. Bekanntlich hatte sich das Ministerium nach erhaltener Kunde von dem ungesetzlichen Schritte des Stadrathcs sogleich beeilt, die unliebsamen Wirkungen desselben zu anulliren. Krakau, 13. Januar. Eine mit zahlreichen Unterschriften bedeckte Petition der christlichen Einwohner Krakaus wird an den Kaiser gerichtet, der israelitischen Bevölkerung, welche früher ausschließlich nur in dem Stadttheile Kasimierz wohnen durfte, die Uebersiedelung in die eigentliche Stadt Krakau zu untersagen. Diese Uebersiedelung hat zum Theil schon angefangen, und Minister Bach hat den dagegen erhobenen Protest zurückgewiesen. Die christliche Einwohnerschaft von Krakau zählt 21,000, Kasimierz hat eine israelitische Bevölkerung von 14,000 Seelen. Pesth, 10. Januar. (R. Z.) Die pesther Judengemeinde hat abermals eine Mahnung erhalten, einen Theil ihrer Kontribution binnen einigen Tagen zu erlegen. Diese Kontribution lastet auf allen Iss raelitengemeinden Ungarns, mit Ausnahme einiger schon bemerkten Städte, in der Berechnung von 2,300,000 Fl. C. -M., welche in 16 Vierteljahren ratenweise zu entrichten sind. Als Grund dazu wird wiederholt angegeben, daß der größte Theil der in Ungarn befindlichen Israeliten durch schlechte Gesinnung und schändliche Handlungsweise die ungarische Revolution befördert habe, indem ohne ihre Mitwirkung dieselbe nie eine solche Ausdehnung hätte gewinnen können. Die Judengemeinde in Pesth muß Bürgschaft für das ganze Land leisten und es ist Sache der Gemeinden selbst, mit Rücksicht auf die denselben bekannte größere oder kleinere Schuld, sowie auf die Vermögensverhältnisse und den durch die