Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1850)
- Date
- 1850-01-28
- Page
- Seite 58 (sequence 6)
- Language
- German
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58 d. h. der Gemcindeausschuß im Namen der Gemeinde unterschrieben, wahrscheinlich um die vielen Kreuze zu vermeiden, die den Adressen ein zu buntscheckiges Aussehen geben und auf den Grad der Intelligenz dieser baierischen „Unterthanen" einen zu kläglichen Schluß ziehen lassen würden. Die meisten Adressen kommen aus Oberbaiern (wo bezüglich des Gelddarleihens rc. mitunter die Pfarrer, Stadt- und Marktschreiber die Srelle der fränkischen sogenannten Hofjuden vertreten). 131 Adressen mit etwa 18,000 Unterschriften; 75 mit etwas über 14,000 Unterschriften kommen von Niederbaiern, 45 mit 6757 Unterschriften .aus der Oberpfalz und Regensburg, 3 aus Oberfranken mit 380 Unterschriften; bei einer aus Burgkundstadt ist blos der Magistrat unterschrieben (es herrscht in diesem Orte eine große Abneigung zwischen Christen und Juden, welche Letztere von der Rohheit dieses bigott-katholischen, demoralisirten Ortes schon vielfachen Schaden an Eigenthum erleiden mußten); aus Mittelfranken kamen 16 Adressen mit 1132 Unterschriften (38 Gemeinden ohne spezielle Unterschriften) alle aus dem Bisthum Eichstädt; 21 Adressen mit 83 Gemeinden und 2745 Unterschriften aus Unterfranken; 36 Adressen aus 70 Gemeinden mit 3784 Unterschriften aus Schwaben und Neuburg. Zu bemerken ist, daß aus protestantischen Gegenden gar keine Adresse abgegangen ist, wie auch aus keiner der größeren Städte Baierns, das den Ruhm hat, unter allen deutschen Staaten der einzige zu sein, dessen Einwohner zum Theil — freilich zunächst nur die, welche den „jungfräulichen Krystallisationskern des Glaubens und der angestammten Treue bisher bewahrten" (nach des Herrn Deputirten Heine Behauptung), einen längst gebotenen Akt der Humanität hintertreiben zu müssen glauben, freilich getrieben von anderen, deren Interesse cs erheischt, Dummheit und Aberglauben aufrecht zu erhalten. Frankfurt am Main, 16. Januar. Unter den 45 Vertretern der Bürgerschaft zu dem neuen gesetzgebenden Körper befinden sich 7 Israeliten, ebenso viele wie unter den 100 städtischen Mitgliedern der Konstituante. Mannheim, 17. Januar. Wahrscheinlich wird jetzt zum ersten Male ein Israelit in die zweite Kammer gewählt werden, nämlich der Advokat vr. Ladenburg. Erfurt, 17. Januar. Der zum Presbyterium gehörige Rektor des Martinsstiftes legte der Versammlung des Presbyteriums eine Petition an das Reichsparlament vor, worin verlangt wird, daß dieses jede seiner Sitzungen mit einem christlichen Gebete eröffnen und schließen möchte; die Juden würden sich fügen müssen, meinte die Petition! Die Gemeinde ging natürlich über die Petition zur weitern Tagesordnung über. Berlin, 20. Januar. (Privatmitth.) Die Zeit trägt ihre Geburten vollständig aus! Wir stehen dem Ende der Sache näher, als wir dachten! Wenn es erst schwarz auf weiß stehen wird: dann wollen wir, eifrige Leser der Allg. Ztg. des Judenthums, anerkennend darauf Hinweisen, daß Sie konsequent vom 5. Dezember 1848 an und schon weiter her es vorausgekünbigt haben. Biele hielten es für Schwarzseherei; Viele schalten Sie den Bangemacher — aber Kassandra's Spruch geht in Erfüllung. Die königliche Botschaft vom 7. Januar wird zu großem Theile von den Kammern, insonders der zweiten, verworfen; der König wird nicht nachgeben; es geht ein Ministerium aus der äußersten Rechten hervor, und das Patent vom 3. Februar 1847, und in Gefolge dessen das Judengesetz vom 17. Juni 1847 tritt wieder in seine Geltung ein. Sind wir dem doch schon so nahe, daß selbst die Köln. Zeit., welche so vorsichtig mit den Schritten der Regierung sich in Uebereinstimmung zu setzen sucht, bereits es klar ausspricht. In einem Artikel vom 12. Januar sagt sie: „Der Rücktritt deS Ministeriums Brandenburg ist die Einsetzung eines offenen oder verhüllten Ministeriums Gerlach, und dem gegenüber sind alle konstitutionellen Waffen der Kammern machtlos. Es hat seinen Fanatismus und den blinden Gehorsam der Armee, wahrend die konstitutionelle Partei aus keinen Menschen im ganzen Lande rechnen kann, wenn eines schönen Abends der „Staatsanzeiger" uns die Wiederherstellung des Patentes vom 3. Februar 1847 verkündet, und das wäre noch die höchste Konzession, welche die Partei der Kreuzzeitung machen würde und könnte. Gemeindeordnung, Ablösungsgesetze, die verfassungsmäßig garantirte religiöse Gewissensfreiheit, und vor Allem Deutschlands Einigung wären verloren." Welch' offene Verkündigung, und dann das offene