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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-28 · Heft 5 (28.1.1850) · p. Seite 57

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 5 (28.1.1850)
Date
1850-01-28
Page
Seite 57 (sequence 5)
Language
German
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57 Mißtrauen gegen uns Juden und unsere Sittenlehre — selbst bei den vielseitig gebildeten Theologen — noch bestehet, so erkläre ich hiemit im Namen aller Rabbiner und aller Juden des deutschen Vaterlandes auf das Feierlichste, daß wir jede in Beziehung der Sittlichkeit zweideutige Stelle im Talmud oder in den spateren hebräischen Schriften, die von einem einzelnen Rabbi oder von mehreren Rabbinen ausging, nicht nur als nicht verbindlich erachten, sondern selbe ein für allemal verwerfen." Uebrigens verweise ich Sie auf die stenographischen Kammerberichte vom 13. d., in welchen meine Erklärung vollständig abgedruckt ist." München den 31. Dezember 1849. München, 13. Januar. Die Köln. Ztg. schreibt: Das Schicksal der Judenemanzipation dürfte nicht länger zweifelhaft sein. Daß auch in den Regionen der Regierung ein Umschlag der Stimmung stattgefunden hat, welcher eine rekormstio io pejus in sichere Aussicht stellt, zeigt der folgende Artikel der „N. Münch. Ztg.": „Die Zahl der bei der Kammer der Reichsräthe eingelaufenen Adressen gegen die Judenemanzipation beträgt bis heute (12. Januar) 364. Dieselben kommen von 1033 Gemeinden und tragen im Ganzen 51,315 Unterschriften. Dabei ist aber wohl zu bemerken, daß an vielen Orten die Adressen nur von den Gemeindeverwaltungen in Auftrag der Gemeinden unterzeichnet sind, die angegebene Zahl der Unterschriften also weit geringer ist, als die Zahl derjenigen, welche die in den Adressen ausgesprochenen Gesinnungen theilen. Auch an Se. Maj. selbst sind eine Anzahl solcher Adressen eingelaufen. Diese Adressen kommen aus allen Theilen Baierns, mit Ausnahme der Pfalz, namentlich sind auch viele aus den drei Franken darunter." München, 14. Januar. (P.-M.) Fortwährend gehen aus allen Theilen der Monarchie Adressen gegen die Emanzipation der Israeliten ein; die Zahl derselben hat das vierte Hundert nahezu erreicht und die Zahl der Unterschriften beläuft sich auf mehrere Hunderttausende. Während die liberale Presse jeden tiefem Einfluß dieser Adressenagitation abspricht, da sie aus trüben Wühlungen der klerikalen Partei hervorgegangen, — vernimmt man aus den gut unterrichteten Kreisen das volle Gegentheil. So ist so viel als gewiß, daß die 1. Kammer die Emanzipationsberathung so bald noch nicht vornehmen wird. Uebrigens bestehen in den Reihen der Klerikalen selbst über das Maaß der Zugeständnisse an die Juden die größten Differenzen, ja gewisse hervorragende Geister, welche im Prinzip wenigstens für Emanzipation, sind von der Kohorte, welche lieber eine Judenverfolgung hätten, der Gefahr der Verketzerung nahe. Aus Baiern, 14. Januar. (M. Z.) Die ultramontane Partei zeigt in Beibringung von Adressen gegen die Judenemanzipation eine enorme Rührigkeit; es ist kein Oertchen so klein in den ihr zugängigen Distrikten Altbaierns, das nicht entweder eine vom Herrn Pfarrer entworfene Adresse auf eigene Faust hin der Kammer der Reichsräthe übergeben oder sich der vom „Verein für konstitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit" in München lithographirt nach allen Richtungen der Windrose hin versandten Proteste zu Unterschriften bedient hätte. Alle Adressen haben sich die Herren Reichsräthe Arco-Valley (berühmt von 1847 her durch den von ihm erregten Adressensturm zum Schutz des Ministeriums Abel gegen die Anklagen der baierischen Protestanten wegen Verfassungsverletzungen, ein Mann, der mühsam einstudirte Reden hersagt in den Sitzungen und hintennach durch sein Sprechen aus dem Stegreife sich arge Blößen giebt, die verrathen, wessen Ursprungs seine aufgestellten kühnen Behauptungen eigentlich sind; ein Mann, der sich jüngst selbst in lächerlicher Ueberschätzung „den Hemmschuh der Republik" nannte) und Herr Graf Scinsheim (berühmter Finanzmann unter König Ludwig, der Alles verstand, nur nicht mit dem Gelde umzugehen, und nebenbei auch Inhaber eines seltsamen oratorischen Talentes) angeeignet. Danach werden die Eingaben als von diesen Mitgliedern selbst gestellte Anträge behandelt, und es darf bei der Zusammensetzung unserer Pairskammer nicht verwundern, daß diese nicht Lust hat, vorerst sich mit der Judenemanzipation zu befassen; daher es auch ganz wahrscheinlich ist, daß sie diese, wie man sich bestimmt erzählt, erst bei Revision der Verfassung vornehmen werde. Bis jetzt sind 342 Adressen, vertreten durch 876 Gemeinden, cingelausen, mit etwa 48,000 Unterschriften; bei 178 Gemeinden ist nur der Magistrat,

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