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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-28 · Heft 5 (28.1.1850) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 5 (28.1.1850)
Date
1850-01-28
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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55 Aber auch das lehrt uns die Geschichte, daß Solches für den Bestand Israels nie gefährlich gewesen. Waren es doch nur 40,000 Seelen, die ursprünglich mit Serubabet nach dem heiligen Lande zurückkehrten, und aus oiesem kleinen Wiederanfang erstand abermals ein Volk von Millionen. Oder wagt es Einer zu behaupten, ganz Israel sei so versunken, so abgefallen, so entartet, daß in ihm keine Herzen für seine Lehre mehr glüheten, für seine ewige Gotteslehre? daß in ihm keine Pulse mehr schlagen für seine Erhaltung, für seinen Bestand? daß Alle, so weit Israel genannt wird, zum Abfall und zur Untreue bereit waren? Thor! ich würde ihn Hinweisen auf die Savennen Amerikas, wo Hunderte von Gemeinden neu erstehen aus freiem Entschlüsse, aus innerm Drange, auf die Inseln im stillen Ozean, auf die Küsten der fernsten Welttheile. Nein! es ist immer nur ein kleiner Theil, welcher morsch geworden, eine geringe Zahl, die vertrocknet abfallt, ein Zweig, ein Ast, Herbstblatter, an deren Stelle neue Knospen, neue Blüten treten! Also hat Israel die Bürgschaft des Bestandes in sich. IH. Aber vergessen wir nicht das Schlußwort des Propheten: „nur daß ich dich züchtige nach dem Rechte, und dich nicht ungestrafet lasse." Warum ist denn Israel zu ewigem Bestände bestimmt? Nicht um seiner Tugend willen, nicht um seiner besondern Reinheit willen — sondern weil ihm anvertraut ist die ewige Wahrheit der Gotteslehre, deren die Menschheit bedarf, um nicht zu verzweifeln, sondern immer sich daran zu verjüngen und aus dem Staube aufzurichten; und weil es ihm gegeben ist, diese ewige Gotteslehre fort und fort zu bewahren für die Menschheit bei aller Vernichtung und allem Untergang. Aber über die Untugend und den Verfall auch in Israel ergehen nicht minder die Strafgerichte und die Züchtigung; und darum nehmen wir Theil und sind unterworfen den Ereignissen in den Völkern, und leider mit ihrem Leide, und noch an besonderm Leide für uns selbst. Verhehlen wir uns auch das nicht, auch das bedrohet uns, eine neue Zeit der Verfolgung, eine neue Zeit der Unduldsamkeit, Freunde werden zu Feinden, und die alten Feinde sind geblieben. Trügerisch sind die Zeichen, die das Gegentheil bedeuten. Auch das Gute der alten Zeit ist erschöpft, und die neue bringt zuerst Drangsal und Kampf. Jicmeja spricht auch hierin die Wahrheit. Aber, m. Fr., so lasset uns hieraus auch für uns, für uns persönlich eine Lehre ziehen. Und wenn ich selbst einer Wiederholung mich schuldig machte. Manches kann nicht oft genug gesagt werden. Wollen wir uns rüsten für die Zeit, die da kommt; wollen wir uns und unsere Kinder dafür rüsten: so müssen wir vor Allem eng uns aneinanderschließen in der Gemeinde, die Gemeinde erhalten, die Gemeinde pflegen. Lasset in diese den Geist der Zwietracht, den Geist der Auflösung und Zerrüttung nicht hineinkommen. Kann doch nur gebaut werden, wo Eintracht ist, und nur wo Eintracht ist, ist Gott, und Ihr wisset ja: „wenn der Ewige das Haus nicht bauet, vergebens mühen sich die Bauleute daran." <Ps. 127.) So Ihr eine neue, lebenskräftige Gemeinde schaffet, dann habet Ihr, wo Ihr Stütze und Hilfe findet in den Zeiten der Gefahr und des Drangsals; dann habet Ihr, wo Ihr aufrecht bleibet in der Zeit der Züchtigung, dann habet Ihr einen sichern Anhalt, wenn der Herr „Vernichtung übet" ringsum! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Müncken, 4. Januar. Das Judenemanzipationsgesetz findet dem Bernehmen nach in der Kammer der Reichsräthe nur wenige Gegner; die meisten Reichsräthe sollen trotz aller Volksboten-Adressen für die Annahme mit der Modifikation der Volkskammer sich entscheiden. München. 13. Januar. (Privatmitth.) Es sind bereits einige Wochen verstrichen, seitdem auch wir bairischen Juden von zwei Faktoren der Gesetzgebung emanzipirt sind, und nun hat noch der dritte Faktor — die einzige in Deutschland noch bestehende vormärzliche Adelskammer — sein Votum abzugeben. Ich unterlasse es, mich in Vermuthungen zu ergehen, wie dieses Volum ausfallen wird, aber das steht fest, ist unser Ministerium fest entschlossen, die Gleichstellung durchzuführen, so wird es in der Adelskammer nur eine ganz unbedeutende Opposition finden, denn gerade jene Herren Reichsräthe, welche die heftigsten Gegner der Emanzipation sind, haben neulich bei der Amnestiefrage erklärt, „sie seien zu monarchisch gesinnt, um auch nur einem Wink der Krone nicht gleich Folge zu leisten," und müssen dem zu Folge, wenn das Ministerium will, hier wie dort, gegen ihre eigene Ueberzeugung, für das Ministerium, stimmen. Sie erlauben mir, geehrter Herr Redakteur, noch

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