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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-28 · Heft 5 (28.1.1850) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 5 (28.1.1850)
Date
1850-01-28
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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54 ker der damaligen Welt", niöK tnan tei iniö* inte teiui*’ ^2 na N722) rnn „Vernichtung brachte Er über alle die Völker, dahin Er Israel zerstreute", o! wer zahlt sie alle auf die Völker, die seitdem untergingen, die Reiche, die seitdem zertrümmerten, die Verfassungen, die seitdem verweheten! Ja, wie Viele traten auf, die Israel, das kleine, den Knecht verhöhnten, und gingen unter in ihrem Stolze, wie Biele traten auf, die Israel zertraten, und traten spurlos ab sie haben es „gedränget" zu aller Zeit, „auf seinem Rücken pflügten Pflüger und zogen ihre Furchen lang" — „doch überwanden sie es nicht" (Ps. 12, 9.). Nein, wir brauchen nicht in das tiefe Alterthum hinabzusteigen, um den Spruch Jirmeja's bewahrt zu finden, wir haben es viel naher — jenes deutsche Reich, das die Juden zu kaiserlichen Kammerknechten erklärte, wohin ist es gerathen? jenes spanische Reich, das die Juden zum Scheiterhaufen verurtheilte, was ist aus ihm geworden? Fürwahr! Israel ward zum Wandrer in der Menschheit bestimmt, zum Pilger unter den Völkern, zu einem rastlosen Pilgervolke, dessen einzelne Wachtposten einen Gürtel bilden um die ganze Erde, und an dem Gestade jedes Meeres und an dem Rande jeder Wüste stehen — aber es wurde ihnen durch Jirmeja jenes Losungswort mitgegeben, und dies hat sich bis heute bewahret. II. Aber wenn sich dieser Ausspruch, m. Fr., bis hieher, fünfundzwanzig Jahrhunderte als Wahrheit bekundet hat, wird er, fragen wir uns, auch ferner bestehen? wird er auch von unsrer Zeit an über eine lange Zukunft hinaus sein Recht bewahren? Der Mensch, in seiner Kurzsichtigkeit, ist so gern geneigt, seine Gegenwart, das, was ihn umgiebt, für bestehend zu erachten, den Zuständen seiner Zeit eine Dauer zu versprechen. Sehen wir zu; fragen wir. Die Völker, die Reiche, die Staaten, die jetzt bestehen, ich frage, tragen sie die Bürgschaft eines längern, eines ewigen Bestandes, mehr als die der Vergangenheit, in sich? Wie? oder sind die Anzeichen naher Verwirrung, kommenden Zusammenbrechens, herandringender Auflösung, Zerrüttung, ja fite der Vernichtung vorhanden? Wer siehet es nicht, der Augen hat? Im Innern Alles zerfallen, zum Kampf bereit, heute die Waffen des Streites auf morgen, theils heimlich, theils offen, rüstend, in Parteien zerrissen, voll Hasses und glühender Leidenschaften, ohne Treue, ohne Vertrauen, ohne Liebe, ohne Sehnsucht nach Frieden? Sind bas Bürgschaften bes Bestandes? Im Aeußern erschöpft an Mitteln, und doch mit geschliffenen Schwertern und mit gegossenen Kugeln einander gegenüberstehend, ängstlich ausschauend, von wannen das Signal zum allgemeinen Kampfe kommen werde, und doch trotzig und stolz. Sind das Bürgschaften des Bestandes? Nein! verhehlen wir es uns nicht, wir stehen am Vortage namenloser Verwirrung, ungeheurer Kampfe, aus denen viel Vernichtung hervorgehen wird; und wenn wir, die wir heute leben, darüber hingehen werden, das ist uns nicht verborgen: die Gegenwart verbürgt Nichts als eine nahende Zeit gewaltiger Wehen. Dazu müssen wir gerüstet sein, darauf vorbereitet sein, dazu insonders Israel gefaßt, damit, wenn der Herr „Vernichtung übet an den Völkern" ein Abermal, Israel ausharre und bestehe. Aber, fragen wir da weiter, wird dies Israel vermögen? wird Jirmeja's Ausspruch auch in diesem Theile auch dieses Mal sich bewähren? Hören wir es ja so oft, auch Israel trägt jetzt die Auflösung in sich, giebt es ja selbst Juden genug, die nicht mehr glauben an den weitern Bestand Israels. Nun, die Letzteren mögen wir nicht berücksichtigen, denn auch zu Jirmeja's Zeit glaubten mehr Juden nicht an die Wahrheit seines Wortes, als da glaubten, auch damals hohnlachelten viele Juden selbst in ihrem Dünkel, in ihrer Hoffahrt darüber — und er hatte dennoch die Wahrheit geredet. Wir fragen also: hat Israel die Bürgschaft, daß es abermals den Untergang der Reiche und Völker bestehen wird? Sehen wir zuerst nach außen. Nun, ist es denn die ganze Menschenwelt, die auf dem Boden steht, der großem vulkanischen Ausbruche, Erdbeben und Feuer nahe scheint? Nein, immer sind es nur Theile, ja, im großen Ganzen nur kleine Theile — nur daß es bald hier, bald dort ausbricht. Wo ist denn aber Israel nicht? Wenn also ein Th eit Israel mit stürzen würde in den Fall von Völkern und Reichen, bliebe es nicht darum bestehen unter den anderen! Fürwahr, dies war ja der Sinn der Zerstreuung Israels von jeher, daß die Tragkraft der Vernichtung nur immer auf einen kleinen Zweig Israels sich erstreckte, weit sein Stamm auf der ganzen Erde ruht. Also hat es die Bürgschaft des Bestandes auch jetzt noch. Und dann im Innern. Zugegeben, daß viel Launigkeit und Schwache in Israel gekommen; zugegeben, daß viel Auflösung und Zerrüttung auch Israel ergriffen hat, und daß eine Zeit der Krise über dasselbe gekommen.

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