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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-21 · Heft 4 (21.1.1850) · p. Seite 47

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 4 (21.1.1850)
Date
1850-01-21
Page
Seite 47 (sequence 7)
Language
German
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47 richtige Erklärungen zu hören, wovon weder er, noch die Stadtmelamdim ein Wort gehört und gelernt haben. „Und ohne Schmeichelei," äußerte sich der Reisende, „ohne Schmeichelei muß ich Ihnen sagen, Rebbe Mejer, daß so ein Wirth wie Sie und dazu noch die richtigen Meinungen wie die Ihrigen, habe ich noch nie gesehen und von keinem andern jüdischen Landmanne gehört wahrend meiner Reise in Litthauen." „Nun," fragt der Wirth den Reisenden, „haben Sie meine Kinder verhört in der Bibel u. dgl.?" „Ja, Ihre Kinder sagten da vor mir in der Parscho Mikeiz von Pharo und seinen Kühen, aber wie unverständlich, wie undeutlich erklärten sie die Geschichte von Pharo, wovon sie gar keinen Begriff haben." „Wie so sollen die Kinder Etwas verstehen," unterbrach der Melamed, „dahier im Dorfe muß der Melamed außer seiner schweren Arbeit im Unterrichten der Kinder, auch noch während der Abwesenheit des Wirthes mit der Hauswirthschast sich beschäftigen, wie z. B. die Kühe in den Stall treiben, die Käse trocknen lassen, die Hölzer spalten, Fische, Salz, Fleisch u. dgl. auf den Sabbat zubereiten, wie auch der Wirthin in .ihren Arbeiten helfen" — „und manchmal mit den Weibern und Mägden liebäugeln," fügte hinzu der Wirth leis« in's Ohr des Reisenden. „A propos, ich werde Ihnen eine hübsche Geschichte erzählen," sagte der Wirth. „Es war noch im Jahre 182..., als jede hebräische Gemeinde ihrKahal hatte, und jeder Kahal hatte das Recht, Jeden für eine Begehung des Diebstahls oder sonst einer Sünde («ran) zu bestrafen mit Geld (oap) oder ihm öffentlich Schande zu machen (dhötu), wie z. B. in der Synagoge während des Gebets in Gegenwart der ganzen Gemeinde „ich habe gesündigt" laut dreimal zu sagen u. dgl. Ueberall ist es hier in Litthauen wie in Polen und vielen anderen Oertern von jeher eine Sitte am Ende des Monats Elul alle Tage bis zu Neujahr (rfi) des Morgens früh vor dem Morgengebet auch noch Vergebungsgebete (mn^v) zu sagen; diese Tage fangen sich aber nur am Sonntag an, und dieser Tag ist der Vorzüglichste, wo Viele auch den ganzen Tag fasten. Am Vorabend d. h. Sonnabend nach Mitternacht um 3 Uhr klappert schon der Synagogendiener («««) an alle Fensterladen, um die Gemeinde zur Slichot aufzuwecken. Es werden auch in diesen Tagen die Kinder von ihren Chedarim freigelaffen, obwol sie bald nachher an allen Feiertagen des Laubhüttenfestes, wie auch nachher an jedem Anfang des Monats (HH), am Chanuka, Purim und sonstigen kleinen Feiertagen, welche alle zusammen beinahe drei Monate im Jahr ausmachen, stets frei sind, und wenn der Melamed von einem andern Orte ist, da ist er schon noch am Anfang des Monats Elul (August) und Nisan (April) mit seiner Reise nach Hause beschäftigt. In der Stadt T.. wo damals auch alle uralten Sitten sehr streng beobachtet wurden, bewunderte man einst, daß der Melamed L..., ein frommer Mann, den ganzen Monat Elul mit den Kindern und auch selbst stets lernte, ohne gar an seine Reise nach Hause zu denken. Es näherten sich schon die Vergebungstage, und dieser Melamed lernte nur, und sagte auch Psalmen. Der Wirth, bei welchem der Melamed logirte und lernte, erlaubte ihm noch außer dem besondern Zimmer, welches er nur für den Melamed bestimmte, auch seine Dienstmagd, um ihn stets zu bedienen, und ihm alles Nöthige zu besorgen, da er doch so einen frommen Melamed in seinem Hause hat, durch dessen Lernen und sonstige Frömmigkeiten seine Sünden vom ganzen Jahre am Versöhnungstage (v"') gewiß eine völlige Vergebung (i-nso) haben. Man sprach überall in der Stadt von diesem guten Melamed, und jeder Vater sehnte sich schon, auch seine Kinder im künftigen Semester Opal) bei diesem Melamed lernen zu lassen. Nun hat die Stunde am Sonnabend nach Mitternacht drei geschlagen, man klapperte an alle Läden und Thore, es wurde beinahe Alarm geschlagen, um die ganze Gemeinde zurSlichotzeit wie einen Mann aufzuwecken und sogleich in der Synagoge zu erscheinen. Es versammelten sich allmälig Klein und Groß in allen großen und kleinen Synagogen, in allen Bethäusern und Klausen, der Melamed Rebbe L...le ist nicht da. Es wurden schon die Slichot gesagt und geschrieen, der Melamed ist nicht da; es tagte schon, man flehete das Oschamnu, man weinte, man betete ... der Melamed —ist nicht da. Der Wirth des Hauses, wo der Melamed logirte, erstaunte und verwunderte sich sehr über die Abwesenheit des Melameds in der Synagoge und besonders am ersten Tage der Slichot, er schickte sogleich den Synagogendiener in di« anderen Bethäuser, um dort vielleicht den Rebbe L....le, den Melamed beim Gottesdienste anzutreffen, aber vergebens, der Melamed hat sich in seinem gewöhnlichen Orte, in der Lauberhütte (nsiv), welche bei den Wirthen von Jahr

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