Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 4 (21.1.1850)
- Date
- 1850-01-21
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
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46 und Strümpfe machen seinen Anzug aus. Die Züge dieses Melameds tragen nicht jenen trüben, traurigen und melancholischen Ausdruck, welcher in den Gesichtszügen vieler städtischen Melamdim der vorherrschende ist; sein Blick ist nicht wie der seiner Gefährten in der Stadt erloschen und stier durch ihre Unwissenheit und ihr Elend, und wenn man ihm in das röthliche Gesicht blickt, so erräth man, daß ihn hier bei den Wirthen im Dorfe nimmer der Hunger und seine böse Frau quälen und martern. Um den in diesem Stübchen sich findenden Brettertisch und Bänke zeigen sich die halbnackten, rundbäckigen und rothwangigen Kinder der Wirthe. Sie heften sogleich ihre düsteren Blicke auf den Reisenden (miN), und dem Melamed nachahmend strecken sie Alle auf einmal ihre Hände aus mit dem Ausruf: Scholem gleichem. „Nun, Kinder, was lernt ihr?" „Sidurr!" lautet die Antwort. „Auch Ehumesch," sagt der Melamed gleich nach ihnen. „Awremke! sage doch Etwas von der heutigen Sedro für den n-m, er wird Dir einst dafür eine schöne nbs (Braut) bringen." „Nun, welche Sedro?" „YRP. d. h. und es war nach zwei Jahren als Paro träumte und er stand auf dem Teiche." „Wie? kann man denn auf dem Teiche stehen?" Awremke trachtet was zu antworten, aber indessen unterbricht ihn geschwind sein Gefährte Jtzkc: „Es war doch wahrscheinlich eine Brücke." Nun weiter: „und sieben Kühe steigen aus dem Teiche..." „Wie so? Kühe im Teiche?" „Sie standen doch am Ufer des Teiches," antwortet Leibke...." Es erscheint indessen der Wirlh, vom Felde oder der Mühle kommend, ein rundes gesundes Ding mit großen und schwarzen Augen; er trägt einen großen Pelz, eine hohe Pelzmütze, und wenn er den Reisenden plötzlich ersieht, macht er eine ehrerbietige Verbeugung und begrüßt den mit« mit einem lauten Scholem aleichem! „Kommt Ihr aus der Stadt? Nun, was machen dort unsere Brüder?" „Was sollen sie machen, man spricht ja von einer neuen Ordnung (ustaw) zu Gunsten der Juden, aber bis dahin, bis Alles in Ordnung komme, erequirt man für die Rocksteuer, für die Lichlsteuer und dgl." „Ja wol, aber ... aber unsere jüdischen Kinderchen sollen beten, unser heiliges Volk («np ny). O! o! sie verstehen zwar Alles, aber leider müssen wir gestehen, sie sind auch noch heute ein r^iy nwp ay, dazu noch etwas Faulenzerei und wenn es sich vom Acker- und Landbau handelt, so wollen sie dazu gar kein Gehör geben." „Aber sagen Sie mir gütigst, was haben Sie denn so gut gemacht mit ihrem Ackerfelde?" „Ich, Anfangs war es mir in der Thal sehr schwer, mit dem Ackerbau mich zu beschäftigen, da weder ich noch meine Frau ein solche Arbeit sogar nie geprüft haben, und unsere Eltern wußten davon ganz und gar Nichts, weil sie stets Schenkwirthe waren und nur mit den Edelleuten handelten, aber jetzt, da uns dies Alles verboten ist, darf und muß der Jude durchaus nur mit solchen Arbeiten sich bemühen, obwol noch manche Hindernisse im Wege liegen, wie z. B. die Kleidung, die vielen Ruhe- und Feiertage, welche oft die Arbeit auf dem Lande hindern, die sehr vielen Gebete, wovon der Landmann keinen Gebrauch machen kann.. . . Nicht wahr? Rebbe Pinches, was sagen Sie darauf?" „Ja gewiß," antwortete der Melamed, es ist doch auch so im Talmud geschrieben: yp-ipn by invyw mjxm ^hya ba wi^ny d. h. alle Arbeiter werden sich einst mit Ackerbau beschäftigen, aber wir sind doch Juden," fährt der Melamed fort, „wir sind doch Söhne von Abraham, Jzchak und Jakob, welche die Vorschrift Gottes nicht verlassen und nur die Erkenntniß seiner Wege begehrten, wie es geschrieben ist ^bn iwn baa Voton )y»b, damit du Glück habest überall wo du gehest." „Wie? haben denn nicht auch unsere Patriarchen das Land bebauet, und waren sie denn nicht selbst Viehzüchter? sagte denn nicht unser Patriarch Jakob: Am Tage verzehrte mich die Glut und der Frost in der Nacht, mein Elend und die Mühe meiner Hände hat Gott angesehen...? Wir müssen ja den Ewigen lieben und in all seinen Wegen wandeln, aber was verkündigt und versichert uns Moses dafür in der heiligen Schrift? nicht das Paradies, nicht die Messiastage, sondern: Wenn ihr höret auf meine Gebote, die ich euch heute gebiete, den Ewigen euern Gott zu lieben und ihm zu dienen, mir eurem ganzen Herzen und eurer ganzen Seele, so werde ich den Regen eures Landes geben zu seiner Zeit, Frühregen und Spätregen, daß du cinsammelst dein Getreide, deinen Most und dein Oel. Wir müssen ja auch den Ewigen suchen, da er sich stets uns finden läßt, ihn anrufen, da er.stets nahe ist, aber was verkündet nun David in seinen Psalmen: der Ewige schauet vom Himmel auf die Menschenkinder, zu sehen w'N b« m unn brsii??: ob ein Verständiger da ist, der Gott suchet?" Der litthauer Melamed erstaunt, solche