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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-21 · Heft 4 (21.1.1850) · p. Seite 45

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 4 (21.1.1850)
Date
1850-01-21
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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45 ein päpstliches Institut zu geriren. In Folge dessen hat das gesammte Zentralkonsistorium, bestehend aus denHerren Cerfberr, Franck, Halphen, Anspach, Halevy und Furtado, seine Demission gegeben. Die eigentliche Ursache zu diesem bedeutungsvollen Schritte können wir nicht erkennen, indem die Arch. isr. de Fr. nur das Schreiben des Konsistoriums an den Kultusminister mittheilt, nicht aber das bezügliche Ministerialschreiben. Wir geben hier Ersteres. „An den Herrn Minister rc. Paris, 27. Dezember 1849. Zum Zentralkonsistorium durch die Wahl aller israelitischen Sprengel Frankreichs berufen, bedürfen wir zur guten Leitung der moralischen Interessen, die unserer Fürsorge anvertraut sind, eines wohlwollenden Vertrauens, das uns bis hieher von Seiten der Verwaltungen, die auf einander folgten, nicht fehlte. Dieses Vertrauen, eine so wesentliche Bedingung unsers Einflusses, der für einen gewissen Theil der israelitischen Bevölkerung noch so nothwendig ist, um sie immer würdiger des Platzes zu machen, der ihr in der großen französischen Familie gehört, ist uns durch die Oberverwaltung Ihres Departements entzogen. Viel Umstände haben uns diese betrübende Ueberzeugung gegeben, die wir hier nicht aufzählen wollen, und uns gezeigt, daß die gegenwärtige Kultusverwaltung ganz anders als wir die Pflichten versteht, welche eine lange Erfahrung uns gelehrt hat und die wir konsequent befolgt haben, ohne jemals den geringsten Angriff auf die religiösen Gefühle auszuüben, welche, uns gegenüber, sehr unnöthigerweise, eine Ihrer Depeschen mit Ihrem Schutze decken zu wollen scheint. In dieser Lage rc." Die Redaktion verspricht übrigens, die vollständigen Aktenstücke, Falls die Dinge nicht angemessen aplanirt werden sollten, abzudrucken. Paris, 9. Januar. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurde das bekannte provisorische Unterrichtsgesetz diskutirt. Der Ministerentwurf wollte die Elementarlehrer durch den Präfekten ernennen lassen. Die Kommission beantragte, daß die Elementarlehrer durch das Kreiskomite aus Weltlichen oder aus den Mitgliedern geistlicher Orden, die sich dem Unterricht widmen und vom Staate anerkannt sind, auf den Vorschlag der Gemeinderäthe ernannt werden sollen. Dies wurde sofort angenommen. Nicht der Minister Fould, eine Jude, nicht Cremieux, ein Jude, nicht der Abgeordnete Ennery, ein jüdischer Lehrer, erhob sich gegen diese, die Glaubensfreiheit antastende Bestimmung: wol aber verlangt der protestantische Geistliche Coquerel im Namen der Glaubensfreiheit den Zusatz, daß für nichtkatholische Schulen die protestantischen oder israelitischen Konsistorien den Vorschlag haben sollen, was ohne Widerspruch zugestanden wird. Amerika. Jamaika. Wir haben bereits bemerkt, daß in der gesetzgebenden Versammlung von Jamaika unter 48 Repräsentanten 8 Israeliten find. In der Sitzung vom 27. September, dem Tage vor dem Jom-Kippur-Feste, wurde von einem christlichen Mitgliede der Versammlung beantragt, wegen dieses Festes bis zum 30. zu vertagen. Die israelitischen Mitglieder unterstützten den Antrag, enthielten sich aber der Abstimmung. Er wurde mit 19 Stimmen gegen 9 angenommen. Boston. Hier hat sich eine vollständig organisirte polnische Gemeinde gebildet, die bereits mehr als 100 Individuen zählt. Netv-Uork. Bei dem großen Wachsthum der Auswanderung ist es nicht zu verwundern, daß die vergangenen großen Feste nicht allein sämmtliche Synagogen angefüllt, sondern die Vorhallen vollgepfropft waren, so daß man wol zu anderen Schritten grnöthigt ist. Rußland. Aus Litthaue», im Dezember. (Privatmitth. Fortsetzung.) Wenn wir durch ein Dorf, wo es den Juden, die sich mit Branntweinschenken nicht beschäftigen, erlaubt ist zu wohnen, reisen und in ein kleines vereinzeltes Stübchen von ärmlichem Aussehen zufällig hineingehen, so ersehen wir dort zuerst — den Melamed. Eine Mütze von dunkler Wolle, worauf noch eine große Pelzmütze aufgesetzt ist, ein schwarzer Kaftan von grobem Zeuge, ein langer Gürtel, weiße Leinwandbeinkleider bis zu den Knieen, Schuhe

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