Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 4 (21.1.1850)
- Date
- 1850-01-21
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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44 der Gemeinden im Banat und in der Bacska, wo überhaupt alle Volksstämme, um wie viel mehr die Juden, schrecklich gelitten haben, sind die jüdischen Verbände weder gelockert noch aufgelöst. Alles befindet und bewegt stch auf dem frühem physischen und geistigen Niveau. Unter den bedauernswerthesten Opfern raizisch er Wuth verdient genannt zu werden: Israel Ullmann, Rabbiner zu Senta, welcher nebst vielen Israeliten bei Gelegenheit der in dieser Gemeinde stattgehabten Plünderung der Wallachen und Raizen, in seinem Zimmer ermordet wurde. Der Selige war 40 Jahre alt, im Besitze mehrseitigen Wissens, sehr guter Denkart und wahrhaft ruhigen frommen Lebenswandels. In unserer Gegend starben natürlichen Todes zwei der 77, und zwar Abr. Ullmann, Rabbiner zu Lackenbach, in Folge seiner vieljährigen Unthätigkeit, bei ungewöhnlich zugenommener Obesität, am Scblagfluß, und Israel Kohn, Rabbiner zu Rechnitz, an Altersschwäche. Vom Tode des Koryphäen der ungarischen Orthodoxie, Rabbi Meier Eisenstädter aus Unghvär, haben, wie ich glaube, Ihre Blätter ebenfalls noch keine Notiz gebracht. Papa, 1. Januar. (Privatmitth.) Es wäre eine Versündigung an der jüdischen Geschichte unserer Zeit, wollte man Ihrem weitverbreiteten Organe des Judenthums folgende Thatsachen vorenthalten. Die Leser der A. Z. des Jud. werden sich noch an die Kämpfe erinnern, welche von einer sogenannten hiesigen orthodoxen Partei durch zwei Jahre ge. gen den hiesigen Oberrabbiner Löw geführt wurden. Es wird aber auch wahrscheinlich noch die Art jener Kämpfe in ihrem Angedenken leben. Wie die Rachgier dieser Partei Nichts unversucht ließ, diesen seltenen Mann in Israel zu stürzen — und sogar durch erkaufte Zeugen seinen moralischen und religiösen Charakter zu verdächtigen ausgingen. Diese schändliche Unthat ward ihrer Zeit enthüllt, der Rädelsführer Namens Toch saß fast ein ganzes Jahr im Arreste und sein Spießgeselle, der Talmudist David Klein, flüchtete, bis die Versicherung von Seite des Rabbiners Löw, ihn nicht verfolgen zu wollen, seine Nachhausekunft gestaltete, und die ungarische Revolution die hiesigen Gemeindekämpfe in den Hintergrund treten ließ. Kaum aber, daß Ungarn besiegt war, und viele Geistliche kriegsrechtlich, theils zum Tode, theils zu jahrelangem Festungsarreste verurtheilt wurden, als schon die hier sich die jüdische nennende Partei, mit benanntem Klein und einem andern Talmudisten von Profession Jakob Beer Frank, an der Spitze, eine Anklage beim pesther Kriegsgerichte eingaben, welche nach den Grundsätzen des kV, yrTia ■pV?n, die Vernichtung des Rabbiners Löw zum Zwecke hatte. Am 15. Oktober würde auch wirklich der hiesige Oberrabbiner mit militärischer Begleitung nach Pesth abgeführt, wo sodann acht hiesige Glieder der orthodoxen Partei als förmliche Zeugen gegen ihn auftraten. Als diese Zeugen von hier abreisten, ging ein Schrei des Entsetzens durch die ganze Einwohnerschaft der hiesigen Stadt und auch im pesther Neugebäude soll diese beispiellose Thal die schrecklichste Indignation erweckt haben. Die hiesigen bewährtesten Notabilitäten: das k. k. Stationskommando, der hochwürdige Abt v. Koronz, der Herr Bürgermeister v. Vilax, Herr Präfekt v. Beceredy, der frühere zalader Obergespan Graf Leo Festetits, der israelitische Vorstand, so wie auch auswärtige Männer von Einfluß und Ansehen gaben indessen dem hiesigen Rabbiner die besten Loyalitätszeugniffe und das pesther k. k. Kriegsgericht war einsichtsvoll und gnädig genug Löws Freilassung auszusprechen, in Folge derselben er nach überstandenem neunwöchentlichen Untersuchungsarreste am 14. Dezember, zur Freude seiner zahlreichen Familie und Freunde, das pesther Neugebäude verließ, und am 19. hier ankommend, wieder seinem Amte mit aller Würde und Wärme vorstehet. Die Namen jener Zeugen sind: die sechs Talmudisten Salomon Ungar (vniw), Nathan Glück (“«ab»), Jakob Schloß, Ab. L. Epstein, Mendel Lövy, Elias Pollak, und die zwei Händler Juda Berger und I. L. Weltner ''«na). Frankreich. Paris, 8. Januar. Das Judenthum in Frankreich steht am Vorabend großer Stürme; diese, von uns wiederholt gemachte Bemerkung wird von Tag zu Tag durch drohender werdende Anzeichen bewährt. Während die Rothen einen furchtbaren Haß auf die Juden speien, und in ihren Journalen Tag für Tag Flammen auf sie schleudern, indem sie allen Widerstand gegen ihre unseligen Theorieen mit den Juden identifiziren — wird die Regierung von Tag zu Tag immer orthodoxer, und steht nahe daran, sich als