Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 4 (21.1.1850)
- Date
- 1850-01-21
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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43 heißt es: „da Lendvay die Rolle eines jüdischen Arztes spielt, so wird das Haus in allen Räumen besucht sein." Also, weil ein jüdischer Arzt vorkommt, wird das Theater gefüllt sein! Worin besteht denn diese gewaltige Anziehungskraft, welche der Jude auf Männer aller Stande ausübt, daß er nur die Bretter zu betreten braucht, um sie herbeizulocken? Ist es sein Wesen, sein Charakter, seine Eigenthümlichkeit, Zeugniß einer noch nicht erschöpften, ursprünglichen Natur? Oder ist es die traurige Befriedigung, Andere verspotten, travestiren, verzerren zu sehen, welche anzieht? Oder Beides zugleich? Jedenfalls erkennt man an dieser einen Floskel, wie abseits wir noch stehen. Und auf der wirklichen Schaubühne des Lebens, erfahren wir es nicht täglich? Traut man dem Juden nicht immer noch etwas Besonderes, etwas Geheimes zu, glaubt man nicht, daß ihm aus den vielen Jahrhunderten des Judenthums noch Etwas angeboren, angezogen sei, was vor der Welt verborgen bleibt? -Ach, und man irrt sich insofern, als die meisten Juden nicht einmal das wahren, was sie mit Recht wahren könnten: den erhabenen Stolz auf ihre Religion, den erhabenen Stolz auf ihr Geschlecht, das seine Jahrhunderte der Idee zum Opfer gebracht, und nicht wich. Sandee, 19. Dezember. Ein Erlaß des hiesigen Magistrats hat hier gerechtes Aufsehen erregt. Die christlichen Hauseigenthümer werden mit einer Strafe von 50 fl. bedroht, wenn sie Juden in Miethe nehmen. Dieser Erlaß geschah auf Antrag des in dieser Beziehung gar nicht bevollmächtigten Bürgerausschusses und man hofft, daß von Seite der Regierung diesem vormärzlichen Ansinnen ein Ende gemacht werden wird. Brody» 4. Januar. (Bl. a. B.) Es ist ein wichtiger Schritt zur Aufhebung des russischen Absperrungssystems geschehen. Gestern aus Radziwilo hier eingelausenen verläßlichen Briefen zufolge ist es den russischen Konsuln wieder wie früher gestattet, österreichischen Staatsbürgern Paffe zur Reise nach Rußland zu ertheilen. Doch wird auch die frühere Bestimmung aufrecht erhalten, daß der Konsul einem Juden nur zur Reise nach Kleinrußland einen Paß ertheilen kann, während derselbe, wenn er eine Reise nach Großrußland unternehmen will, hierzu von dem russischen Ministerium eine besondere Erlaubniß erhalten muß. Die Nachricht im Allgemeinen brachte hier die freudigste Sensation hervor. Wolhynien, Podolien wie auch Odessa, welche bis jetzt fast hermetisch abgesperrt waren, sind nun unserm gesammten Handelsstande wieder offen; und da die Grenzsperre schon seit mehr als einem Jahre auf alle möglichen Handelskombinationen lähmend einwirkte, so dürfte der nun wieder eröffnete Verkehr in Kürze die ersprießlichsten Früchte tragen. Je erfreulicher nun aber die bereits gewährten Erleichterungen sind, um so mehr regt sich das Verlangen, daß unser Ministerium in dieser Beziehung weitere Schritte bei der russischen Regierung thun möge. So erscheint es hier als eine äußerst drückende Maßnahme, daß ein Jude zur Reise nach Großrußland erst einer besondern Erlaubniß des russischen Ministeriums bedürfen soll. Es dauert Monate, oft Jahre, ehe man ein« solche Erlaubniß erhält, und überdcm kann dieselbe nur durch besondere Protektion erlangt werden. —. Aus Galizien schreibt man, daß die dortigen Juden von der bürgerlichen Gleichstellung bereits Gebrauch machen, indem sie fortwährend Güter durch Kauf erwerben. Wien, 7. Januar. Die Stadt und die Vorstädte allein haben eine Bevölkerung von 383,095 Individuen, nämlich 368,064 Inländer und 15,031 Ausländer, der Religion nach 365,927 Katholiken, 6734 Protestanten, 9627 Juden und 807 Griechen und Mohamedaner. Aus dem südlichen Ungarn, 2. Januar. (Privatmitth.) Nach einer langen, langen Unterbrechung kamen mir in den letztverflossenen Tagen wieder die geschätzten Blätter Ihrer Zeitung zur Hand. Mit wahrer Seelenfreude sehe ich's, wie während der Zeit, wo die Israeliten Ungarns den schrecklichen Kampf der Selbstbehauptung zu bestehen hatten, unsere wackeren deutschen Glaubensgenossen Boden genug hatten, um den Bau der Selbsterhebung fortzuführen. Für den gewichtigen Antheil, welchen Sie abermals daran nehmen, möge der Allmächtige Sie segnen uud ferner kräftigen. In unseren Gemeinden sieht es nicht so arg aus, wie Sie es in einem Artikel vom 3. September v. I. einem Ihrer Korre- ' spvndenten nachzuerzaylen beliebten. Mit Ausnahme