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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-14 · Heft 3 (14.1.1850) · p. Seite 37

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 3 (14.1.1850)
Date
1850-01-14
Page
Seite 37 (sequence 9)
Language
German
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37 Judenemanzipation fühlt sich der Braunschweiger diesem Staate gegenüber als Angehöriger eines Kulturstaates. Schon vor der Bewegung des verflossenen JahreS war von dem alten Sauerteige Nichts übrig geblieben, als einige unbedeutende bürgerliche Ungleichheiten der Juden. In einer Gesetzesvorlage wurde mit richtigem Takte nichtdieJudcnemanzipation, sondern die Aufhebung jeder aus dem Glaubensbekenntnisse entstehenden bürgerlichen Rechtsungleichheit ausgesprochen. Auf den Wunsch der Kammer wurde auch das Verbot der Ehe zwischen Christen und Juden aufgehoben, und die beiden in derselben sitzenden höheren Geistlichen sprachen ihre Freude über diese, einen echt christlichen Geist alhmenden Gesetze aus. Werl (Westphalen), 4. Januar. (Privatmitth.) Wiederum ist ein Jahr dahingefloffen, wir stehen in der Milte des neunzehnten Jahrhunderts, und wir, Israeliten, preußische Staalsbürger, mögen mit Recht vergnügter rück- und vorwärts schauen; wenn auch noch lange nicht alle gehegten Hoffnungen in Erfüllung gegangen, wenn, die nun circa vollendete Verfassung uns in unseren Freiheiten immer noch hindernd in den Weg treten wird, so haben wir doch einen großen, höchst wichtigen Fortschritt dadurch gemacht, daß wir vom Volke als gleichgestellt betrachtet werden, daß man den Juden nicht mehr aus der Gesellschaft ausstößt, sondern im Gegcntheil ihn gern sieht, ihn bei Gemeindeangelegenheiten zu Rathe zieht, wovon wir in unserer Stadt, in welcher sonst die Juden ganz isolirt standen, in diesen Tagen das erfreuliche Beispiel hatten, daß mehrere jüdische Hausvater durch den Bürgereid in die Reihe der Bürger ausgenommen wurden. Während, wie in Baiern, große Parteien in Remonstrationen gegen die Emanzipation forlfahren, betrachtet hier das Volk im Allgemeinen dieselbe nur als längst erwünschtes Recht und sucht durch ein freundliches Entgegenkommen das Vergangene in Vergessenheit zu bringen. Es muß daher sehr ausfallen, wenn einzelne Zeitungsorgane, namentlich die Kölner Zeitung, diese Windfahne, seit einiger Zeit sich Mühe giebt, das Leben der Juden zu verdächtigen, um den alten Haß wieder hcraufzubeschwören. Solche boshafte Anfälle, die durchaus ohne Wirkung sind und bleiben, läßt man am Besten unberücksichtigt, man belächelt sie nur und sucht durch Offenheit und Redlichkeit sich das Vertrauen der Mitbürger zu erhalten. Wenn dieselbe Zeitung aber in ihrem heutigen Leitartikel (4. Januar) sagt, daß es für das Judenthum keine größere Gefahr gebe als die Emanzipation, so verdient dieser Satz einer ganz besondcrn Erwägung. Diejenigen namentlich, die der Religion noch nicht ganz entfremdet, aber auS Leichtfertigkeit sich von derselben abwenden und lieber ihre Thätigkeit und ihren Fleiß jedem andern Geschäfte, als dem Heiligsten, dem Wohle der aufwachsenden Generation, der Religion unserer Väter widmen, sie mögen sich namentlich durch diesen Ausspruch ihres Feindes getroffen fühlen, sie mögen innigem Antheil nehmen an den Gemeindeangelegenheiten, damit die Emanzipation das Judenthum nicht nur nicht verdränge, sondern im Gegenthcil uns läutere, uns unserer Bestimmung, ein Priestervvlk zu sein, immer näher bringe. A. C. Berlin, 4. Januar. In der Voss. Zeit.'heißt es: Wie verlautet, läge es in der Absicht das lüdische Seminar demnächst ein»,ehen zu lassen. Es heißt, daß dasselbe bei der gegenwärtigen veränderten Stellung der Juden zu den Christen als überflüssig erachtet werden könne. Andererseits scheint es jedoch auch, als wenn politische Ansichtsverschiedenheit dabei zu Grunde läge, namentlich da die prononzirre Parreistellung des Vorstehers des Seminars wol keinesweges auf allgemeine Zustimmung in der jüdischen Gemeinde rechnen darf. (Sie spielt hiermit auf die demokratische Gesinnung des vr. Zunz an.) Türkei. Schurrrla. Dieser Platz, der neuerdings als Aufenthaltsort der ungarischen Emigration wieder gegenannt worden, besteht aus zwei Theilen, der obere, sehr glänzende Theil gehört den Türken ausschließlich. Abgesondert von diesem obern Theile der Stadt ist der untere, „Wariich" genannt, — von weit kleinerem Umfange. In diesem sind ungefähr 300 Häuser, die von Juden, Griechen und Armeniern bewohnt werden. Jede dieser drei Nationen hat ein besonderes Gebäude zur Kirche. Polen. Warschau, 18. Dezember. (N. O. Z.) Auf Antrag des Fürsten Statthalters hat der Kaiser dem 3*

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