Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 3 (14.1.1850)
- Date
- 1850-01-14
- Page
- Seite 35 (sequence 7)
- Language
- German
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35 Purisizirung des Tandelmarkts, welche mit der Entfernung der Ladendienerinnen Hand in Hand geht, ein vergebener zu fein. — Am letzten Samstage wurde in den Synagogen von Seite des Gemeindevorstandes eine Aufforderung vorgelesen, vermöge welcher man sich bestimmen wolle, ob man bei der Besetzung der jüngst erledigten dritten Oberjuristenstelle den Sohn des verstorbenen Teweles oder einen Herrn Lasch berücksichtigen soll? Dieser Aufforderung gegenüber stand in dem Konstitutionellen Blatte aus Böhmen eine Aufforderung, diese Stelle bis zur Konstituirung der Kultusgemeinde (nach dem Anschlüsse des Judenviertels an den Stadtverband) unbesetzt zu lassen. Ich glaube, daß diese Aufforderung um so mehr berücksichtigt werden soll, als von allen Motiven, welche zur schnellen Besetzung der vakanten Stelle vorgebracht werden, Keiner zeitgemäß oder sonst stichhaltig ist. — Endlich muß ich noch einer Polemik erwähnen, welche die Runde in unseren Zeitungsblättern macht. Es erscheinen in denselben Anklagen gegen die Steuerabfindungskommissiori, Aufforderungen, dieselbe bei der künftigen Konstituirung der Kultusgemeinden in Böhmen ganz außer Acht zu lassen, und diesen folgen mitunter Erwiderungen von Seite jener Herren, welche die Kommission dazumal bildeten. Ich bin gewiß überzeugt, daß die Leistungen jener Männer als Steuerabsindungskommiffäre noch unseren Kindern in Rückerinnerung bleiben werden, daß wir folglich ihrer Leistungen bei diesem Geschäfte stets eingedenk sein werden, deswegen aber sich in Persönlichkeiten bei solchen Ausfällen zu ergehen, ist ebenso am Unrechten Orte, als es überhaupt unliebsam ist, den ganzen Gegenstand vor das große Publikum gebracht zu wissen. Soll diese Polemik zur Anempfehlung der emanzipirten Staatsbürger dienen? Schon aus Klugheit hätte sie unterbleiben, hätten jene Aufforderungen vermieden werden sollen. Wien, 1. Januar, vr. Fischhof ist zum Mitglied der medizinischen Fakultät gewählt worden und da hiermit stets das Ehrenbürgerrecht der Hauptstadt herkömmlich verknüpft ist, so kann er in Zukunft unter keinem Vorwände von hier ausgewiescn werden. Seine Stelle als Sekundärarzt im k. k. allgemeinen Krankenhause hat vr. Fischhof aufgegeben, dagegen wird er sich fortan der Praxis widmen; in der Abtheilung der Frauenkrankheiten hat übrigens Fischhof bereits im Hospital eines ausgezeichneten Rufes genossen. Wien, 1. Januar. (Brest. Z.) Es befindet sich dermalen ein Abgeordneter der deutsch-polnischen Judengemeinde zu Jerusalem in unseren Mauern, welcher alle Staaten des Abendlandes bereisen wird, um eine milde Sammlung unter den israelitischen Glaubensbrüdern einzuleiten, da die Gemeinde zu Jerusalem unter einer Schuldenbürde von 80,000 Fl. seufzt. —. Aus Pesth berichtet man, daß die den Judengemeinden Ungarns, mit Ausnahme von Temeswar und Preßburg auferlegte Kontribution von 2,300,000 Fl. auf 4 Jahre und nach Maßgabe der ehemaligen Toleranzsteuer eingetheilt werden soll. Brody, 16. Dezember. Der §. 1 der Grundrechte scheint trotz seiner klaren Fassung Vielen noch unbegreiflich. So hat der Magistrat in der galizischen Stadt Sandec die christlichen Hauseigenthümer mit einer Strafe von 50 Gulden bedroht, wenn sie Juden in die Miethe nehmen. —. Die Verhältnisse haben gegenwärtig in Ungarn und Galizien eine ungemeine Wohlfeilheit der Landgüter herbeigeführt und dieselben werden in größeren Komplexen pr. Joch um 20 fl. K.-M. angeboren. In Galizien finden sich häufig Käufer unter der jüdischen Bevölkerung; nicht so in Ungarn, wo vor Einführung eines grundbügerlichen Rechtszustandes nur sehr wenig Käufe und Verkäufe abgeschlossen werden dürften. Deutschland. Tessin (Mecklenburg), 1. Januar. (Privatmitth.) Wenn anderswo die neue Glaubensfreiheit nur dazu diente,in den israelitischen Gemeinden die bedauerlichsten Parteilichkeiten und Zwistigkeiten hervorzurufen, oder selbige ganz und gar aufzulösen, so hat sie hier, Gott sei Dank, nur Segensreiches gewirkt. Mehr als je herrscht jetzt hier in kirchlicher wie in kommunaler und und sozialer Hinsicht Eintracht und Frieden. Und mehr als je sind unsere verehrlichen Gemeindemitglieder entschlossen, an ihrer Religion, dem Bande, welches das in allen Landen zerstreute Israel Jahrtausende hindurch vereinigte, fest zu halten. Kein ma-