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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-14 · Heft 3 (14.1.1850) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 3 (14.1.1850)
Date
1850-01-14
Page
Seite 34 (sequence 6)
Language
German
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34 nen. Seht ihr dort zwei Damen in Hut und Mantel Arm in Arm durch die Straße schlendern und so vertraulich plaudern? Sind's etwa Damen, die Einkäufe für's Hauswesen machen, oder dem langen nachtheiligen Sitzen beim Nähpulte entfliehen wollen, oder etwa dem Manne eine häusliche Ueberraschung zu machen gehen? Bewahre! Es sind Ladendienerinnen — „im Laden ist Nichts zu thun", man macht zur Distraktion eine leichte Motion; ja fürwahr! es thut sich überhaupt dort besser Nichts als zu Hause Etwas. Und treten wir näher, so hören wir sogar parliren, oder englisch gurgeln, oder süßlich italienisiren — es sind Mädchen aus vermögenden Häusern, die eine ausgezeichnete Erziehung erhalten, und vielleicht das häusliche Glück eines gebildeten Mannes gründen würden, wenn durch diesen elenden Mißbrauch ihr Wissen nicht überflüssig und unpraktisch gemacht würde; durch unaufhörlichen Müßiggang ihr Herz nicht verdorben, durch unstetes Leben jeder Sinn für Häuslichkeit nicht in ihnen ersterben würde; denn seht ihr dort eine Gruppe vor jener Gewölbthüre, mit Männern untermischt; belauscht einmal die auf Herz und Geist wohlthuend einwirkenden Gespräche, und ihr werdet mit Mitleiden euch wegwenden, wie so das Weib seiner Bestimmung entrückt wird. — —" „Handel und Industrie sind die Pfeiler des Staates, sie müssen gepflegt werden, der Handlungskommis bereite sich für diesen Beruf vor; er will einst Kaufmann werden, es fehlen ihm die Mittel, er muß sie sich hier erwerben. Wir geben zu, der jüdische Kaufmann will den Beistand seines Weibes im Geschäfte, sie helfe ihm, obschon sie in der Häuslichkeit eher am rechten Orte ist, doch warum fragen wir, diesen Mißbrauch, Mädchen, nachdem ihr ihnen Up-top-Lieelling habt geben lassen, sie wieder um doppelt so viele Stufen herabsteigen lassen, als sie früher gestiegen? Ihr werdet uns einwenden: Wir haben keine andere Aussicht mit unseren Töchtern, sie müssen Geschäftsleute heirathen, — und wir erwidern: hatten, müßt ihr sagen, die neue Zeit eröffnet den jungen Männern eine andere Karriere, die sie mit Eifer ergreifen, und gebt ihr sie Kaufleuten, und der Mann wünscht sie durchaus im Geschäfte, so hat sie in 1—2 Monaten die ganze Geschichte inne, und ihr habt euer Geld nicht auf eine kostbare Erziehung vergeudet, die ihr nicht verwendet." „Und was die Töchter der Unbemittelten betrifft, so möchten wir an euch die einfache Frage richten: Sammeln sich etwa eure Töchter von dem kleinen Gehalte, den sie gewöhnlich beziehen, ein Heirathsgut? Wir sagen nein! er reicht kaum hin, um ihre Neigung zum Luxus zu befriedigen, um wie viel weniger ein Ersparniß abzuwerfen. Ist etwa die Mitgift, daß sie Kommis, und dann Beide im Geschäfte dienen? — worauf man ganz einfach erwidern kann, der junge Mann, der sich nicht getraut allein eine Familie zu ernähren, der heirathe nicht, und ist etwa ein fleißiger Handwerker zu gering für eure Töchter? — Und ist's nicht eben ein unseliger Mißbrauch, der den Kommis an der Erlangung eines anständigen Gehaltes hindert, daß er eher und sicherer zum Ziele gelangte? Noch Eines möchten wir fragen: Wie viele israelitische Gouvernanten, Stubenmädchen und Köchinnen giebt es hier in Prag, die Pragerinnen sind, sind sie nicht allesammt vom Lande? Himmel steh' uns bei! höre ich rufen,' unsere Töchter so erniedrigen? Ja, erniedrigt sie so — und sie werden erhöht sein; denn unverholen müssen wir's aussprechen, wir achten eine Köchin, die das Hauswesen versteht und Sinn für Häuslichkeit hat, höher als ein sogenanntes Geschäftsfräulein, das vor der Hochzeit so viel von der Wirthschaft versteht, als die Kuh vom Sonntag." „Lernt die Zeit begreifen, schreitet mit ihr vorwärts, sonst werdet ihr sie nie einholen." „Schließlich verwahren wir uns jedoch als hätten wir dies geschrieben, um euch herabzuwürdigen oder herabzusetzen; unsere Meinung war eine gute — wir wollen einen veralteten Mißbrauch aufdecken und rächen: ihn, wenn auch nicht auf einmal, da doch ein Ucbergang stattsinden muß, doch nach und nach abzuhelfen." So weit jener Aufsatz, der gerechten Anklang gefunden, bis zur Nachahmung wird aber noch eine lange, lange Zeit verfließen, und Prag — das jüdische Prag hat keine Vorliebe für seine Einheimischen. Das bemo propheta gilt bei seinen ersten Talenten bis herab zur Köchin, und würde das Land ein tüchtiges Kontingent brauchbarer Ladcndiencrinnen stellen, so würden auch da die Einheimischen gemieden werden, man weiß ja wie viele solcher Individuen aus Lieben und Smichov und vielleicht noch aus einer fernem Umgebung Prags ihre fließende Suada im Tandelmarkt versilbern. Doch lieber zu etwas Anderm, es scheint ohnehin dieser heiße Wunsch, die

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