Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 3 (14.1.1850)
- Date
- 1850-01-14
- Page
- Seite 33 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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33 monäer), von mehreren Gelehrten herausgegeben; da haben Sie Alles, was in Amerika von jüdischer Journalistik existirt. Der Mangel an Theilnahme ist wol darin zu suchen, daß bei Weitem der größte Theil der jüdisch-amerikanischen Bevölkerung nicht zu den Intelligenten gezählt werden darf, und den Intelligenten, die sich darum bekümmern, genügen meistens schon die amerikanischen Journale, die sich viel mit jüdischen Angelegenheiten zu thun machen, ja oft ganze Predigten mittheilen. Zum Schluß noch eine Neuigkeit: in Jamaika sitzen in der gesetzgebenden Versammlung unter 47 Mitgliedern acht Juden und wundern Sie sich, staunen Sie, wie Sie wollen, man hat bis jetzt Nichts davon gehört, daß die Versammlung cntchristlicht worden sei. H. Hochheimer, Rabbiner. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 31. Dezember. (Privatmitth.) Die „Wage", ein hiesiges Lokalblatt, das gleich bei seinem Erscheinen von den Oppositionsblättern als ein reaktionäres Blatt verschrieen wurde, dennoch aber seinen dritten Jahrgang beginnen wird, und ein gelesenes Blatt geworden, bringt in seinen letzten Nummern unter dem Titel „die Erziehung der israelitischen weiblichen Jugend Prags" einen Aufsatz, den wir aus mehrfachen Gründen vor ein größeres jüdisches Publikum bringen. Er mag als Spiegel vor manche andere jüdische Gemeinde gehalten werden, möge er aber auch seinen Hauptzweck erreichen, und möge er auch dazu beitragen, daß die Untugenden des Tandelmarkts nicht noch auf fernere Generationen fortgepflanzt werden. Der Aufsatz lautet: „Wohl wissend, welche wunde Stelle wir hier berühren, welche Blöße wir hier aufdecken, indem wir einen durch Jahre lang quasi sanktionirten Mißbrauch enthüllen; doch soll uns dies nicht abhalten, gleich dem Arzte die schmerzliche Operation vorzunehmen, um den Körper vor dem Hinsiechen zu bewahren. Wenn man einen Jahre langen Mißbrauch durch die Fesseln, in denen man geschmachtet, durch das Joch, unter dem man geseufzt, entschuldigt, so muß die Wirkung ausbleiben, sobald die Ursache wegfallt, und es heißt die Zeit nicht verstehen wollen, sich in ihr nicht zu ändern — tempora mutantur, et nos mutaraur in illis. — Neue Zeiten müssen neue Menschen erzeugen, und der alte Mißbrauch muß der neuen bessern Reform weichen. — Schon sieht man hie und da durch die Segnungen der Freiheit den ehemals geknechteten und darum korrumpirten Juden in einen achtbaren Staatsbürger sich umwandeln; manchen ehemals als Gentleman herumstolzirenden Juden hinter dem Pfluge hergehen und den Boden kultiviren; mancher jüdische Soldat, der sich tapfer vor dem Feinde geschlagen, bekleidet nun eine Charge, und seine Brust ziert der Dank seines Kaisers; manchen Juden sieht man mit Emsigkeit sich zum Staatsdienste vorbereiten, und manchen Landjudcn schon seine Söhne die schwersten Handwerke, als Schneider, Zimmerlcute lernen lassen. — Er versteht seine Zeit und formt sich in ihr um.-" „Wie wird sich nun zur neuen Zeit die israelitische weibliche Jugend und vorzüglich die Prags verhalten? Wie wird nun das Weib, das den hohen, ihm von der Natur angewiesenen Beruf hat, in Freud und Leid die treue Gefährtin des Mannes zu sein; im häuslichen Kreise als Gattin, Mutter und Hausfrau zu wirken; den rauhen Pfad des Mannes durch's Leben zu glätten — wie wird nun seine Aufgabe sein, da nicht Handel allein des Juden alleiniger Erwerbszweig sein wird? Wird es noch zum Lastthier des Mannes herabgewürdigt werden? Noch ferner seiner weiblichen Bestimmung entrückt sein? Doch wir wollen das näher erörtern. — Wer Gelegenheit, hatte die Erziehung der israelitischen weiblichen Jugend Prags zu beobachten, muß gestehen, daß Eltern oft auch bei nur mäßigen Mitteln, ihren Mädchen einen Unterricht ertheilen lassen, der ihnen oft einen hohen Grad von Bildung zusichert. Sie lernen Geschichte, Geographie, Naturwissenschaften, um ihren Geist zu bilden; Sprachen, um durch fremde Literatur den Kreis ihres Wissens zu erweitern; Musik, Zeichnen, ihren ästhetischen Sinn zu veredeln; Tanz, den äußern Anstand zu bilden und weibliche Industrie bis zu einem bedeutenden Grade der Vollkommenheit. So weit ist nun Alles recht, und — ich setze Versailles gegen eine Bauernhütte! — ob es Jemanden einsiele, auch nur den mindesten Tadel zu finden; denn kann es einen edlern Gebrauch seines Vermögens geben, als seinen Kindern die bestmöglichste Kopf- und Herzensbildung zu verschaffen?-" „Doch bleibt man nicht dabei stehen, es muß nun dem Erziehungswerke noch die Krone aufgesetzt werden, und-seine Tochter muß das Geschäft ler-