Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 3 (14.1.1850)
- Date
- 1850-01-14
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225660-3225664--10730-3240793- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
32 Tt» nn", einer Art Reformgemeinde, gehören ungefähr 30 Mitglieder, die sich alle Sabbate in ihrem neuerbauten Tempel versammeln. Herr Braun, so viel ich weiß ein Baier, stehet derselben als Prediger vor. Ueber hundert Mitglieder zahlt die zweit größte Gemeinde, welche sich erst seit einigen Jahren konstituirt hat und deren schöne Synagoge erst vor einem Jahre eingeweiht wurde. An derselben sunktionirt Herr Dr. Günzburg als Rabbiner, der früher in ebenderselben Eigenschaft in Böhmen lebte und voriges Jahr zu dieser Gemeinde berufen wurde. Die älteste hiesige Gemeinde, welche seit ungefähr 16 Jahren besteht und bei welcher Referent die Rabbinerstelle begleitet, ist auch die größte und zählt 175 Mitglieder. Da es hier zu Lande natürlich Jedem selbst überlassen ist, ob er irgend einem Gemeindeverbande angehören will oder nicht und da der Beitritt zu einem Solchen mit großen Kosten verbunden ist — in der letztgenannten Gemeinde zahlt jedes Mitglied beim Eintritt 30 Dollars — so mag Ihnen die immerhin bedeutende Anzahl derer, die einem solchen Verbände angehören, beweisen, daß der religiöse Sinn in Amerika nicht so sehr erloschen ist, als von so Manchen behauptet wird, ja, Viele die in Deutschland eben nicht viel um Religion geben, fühlen, entfernt vom Vaterlande, jene Art von Sehnsucht, die ich religiöses Heimweh nennen möchte und suchen durch den Anschluß an eine jüdische Gemeinde Stillung dieser Sehnsucht. Die Gemeindeangelegenhcitcn werden in ganz Amerika durch eine jährlich, gewöhnlich im Oktober gewählte Gemeindeverwaltung geordnet, die in der Regel aus fünf Mitgliedern besteht, deren Eines, der Präsident, in der Synagoge ganz allein die Ordnung aufrecht zu erhalten hat und überhaupt in derselben nach Belieben schalten und walten kann. Es ist eine außerordentliche Macht in die Hände des Präsidenten gelegt, in meiner Gemeinde zum Beispiel, der Herr Abr. Rosenfeld aus Uhlfeld (Baiern) mit großer Energie und vieler Würde Vorsicht, ist demselben die Macht gegeben, bis zu 100 Dollars strafend gegen Ordnungsstörer einzuschreilen; es ist überhaupt den Präsidenten in allen amerikanischen (wenn ich amerikanisch sage, so ist das natürlich nur von den vereinigten Staaten zu verstehen) keine andere Schranke gesetzt, als die: Nichts gegen die Religion zu unternehmen. An den hiesigen jüdischen Schulen wird außer dem englischen Unterrichte auch dem Hebräischen und Deutschen große Sorgfalt zugewendet und ich habe in meiner Gemeinde eine Schule von mehr denn 200 Kindern in einem für amerikanische Verhältnisse wahrhaft blühenden Zustande getroffen, was sie besonders der trefflichen Leitung des Herrn Sachs, eines Baiern, zu verdanken hat, welcher derselben schon seit zwei Jahre als Lehrer im Deutschen und Hebräischen vorsteht. Seit einigen Wochen befindet sich der bekannte jüdische Gelehrte Raphael aus Birmingham auf amerikanischem Boden, er ist der Löwe des Tages, die amerikanischen Blätter machen sich ungemein viel mit ihm zu schaffen, er ist gegenwärtig noch in New-Uork, wo seine Predigten und Vorlesungen großes Aufsehen erregen. Er wird bis Ende dieses Monats auch nach Baliimore kommen, einer Einladung der Assistens Sociely folgend, um zu Gunsten ihrer Kasse eine Predigt zu halten. Die A88i8t6N8 Zociety ist nämlich, wie schon ihr Name sagt, ein Unterstützungsverein, dessen Hilfsgelber blos den Ortsarmen zu Gute kommen. Ein anderer Unterstützungsverein, f'Ndr ■'tn, wurde erst vor ungefähr einem halben Jahre von Dr. Günzburg in's Leben gerufen und hat den Zweck, arme jüdische Einwanderer zu unterstützen. Ueberhaupt fehlt es dahier keineswegs an Vereinen, die Meisten derselben haben sich die Aufgabe gestellt, ihre Mitglieder, bemittelt oder unbemittelt, in Krankheitsfällen durch wöchentliche Beiträge zu unterstützen und den Witlwen und Waisen verstorbener Mitglieder Pensionen auszusetzen, also eine Art Lebensversicherungsanstalten. Auch eine jüdische Freimaurerloge haben wir hier, eine Tochterloge der new-yorker Mutterloge, außer diesen hat nur noch Cincinnati eine Solche. Mit der jüdischen Journalistik will es in Amerika nicht recht gehen; besonders haben derartige in deutscher Sprache geschriebene Blätter keinen Bestand, so mußte Isidor Busch in New-Uork seine trefflich redigirte Zeitschrift aus Mangel an Theilnahme nach kurzem Bestände wieder eingehen lassen. Die einzige jüdische Zeitschrift, die sich seit mehreren Jahren schon hält, ist Lcesers in Philadelphia in englischer Sprache geschriebener Occicient, eine Monatsschrift, die in der That des Gediegenen und Werthvollen viel enthält, außerdem erscheint seit ungefähr einem Monat in New- Uork eine Wochenschrift „the Asmoneon“ (der Has-