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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-14 · Heft 3 (14.1.1850) · p. Seite 31

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 3 (14.1.1850)
Date
1850-01-14
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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31 erlag es vor der SLegeskraft des Islams, als dieser den arabisch-persischen Kultus mit unwiderstehlicher Kraft beseitigte. Und dabei kann man nicht sagen, daß etwa das Judenthum in unsrer Zeit darum nicht dieselbe Widerstandskraft habe, als damals, weil es damals in seiner talmudischen Richtung gewaffnet war gegen Pfeil und Schwert, jetzt aber das Formwesen des Iudenthums sich zersetze. Denn mit Nichten war das Judenthum schon damals durch den talmudischen Panzer geschützt. Es war vielmehr aus Jerusalem gewandert mit Verlust seines äußern Gottesdienstes, und zog in die Welt hinein ohne irgend einen Kodex als das alte Buch der Schrift. Nach Jahrhunderten erst sixirten Mischna und Gemara das Formwesen, und verbreiteten sich nach und nach durch die zerstreuten Gemeinden. Auch beweisen Philo, Josephus, die Apokryphen und viele Namen von jüdischen Schriftstellern, daß die Juden damals nicht minder Theil genommen und zum Lheil geglänzt in der allgemeinen Welt, als in der spanisch-italienischen Zeit und in der Unsrigen. Gab es ja auch damals wie jetzt Schauspieler jüdischer Nation, die auf den Brettern den Beifall der Welt sich erwarben. Das Judenthum hat hierbei auch den äußerlichen Vortheil, daß es nicht minder durch die Reiche des Islams verbreitet ist bis in die Grenzen Chinas und der afrikanischen Fetischanbeter hinein, als in der zivilisirten Welt, und so eine feste Wurzel auch über die Schwankungen und Selbstauflösungsprozesse der Zivilisation hinaus hat. Nein! wer Augen hat zu sehen, dem muß es offenbar sein, daß gerade das Judenthum den eigenthümlichen Beruf hat, .mitten Ln den E- und Revolutionen der Menschheit unerschüttert als der Stamm des lautern und unversetzten Religiös-Positiven da zu stehen, aus welchem immer wieder die fcüchtetragenden Zweige dieses Positiven Hinaustreiben für die Welt, wenn die alten vertrocknet sind und abfallen. Sehet also zu, wie es mit der von Euch verkündeten Gefahr in Wahrheit stehet. Zeitungsnachrichten. Nordamerika. Baltimore, 9. Dezember. (Privatmitth.) Wenn Sie sich wundern von Ihrem mehrjährigen Korrespondenten „aus Baiern" einen Brief zu öffnen, der an seiner Spitze obigen Ortsnamen tragt, so verräth diese Verwunderung in der That wenig Bekanntschaft Ihrerseits mit der bairischen Steckbriefliteratur. Ja, die bairische Polizei hat, wie so viele Andere, auch Ihren Korrespondenten auf die Beine gebracht, die er noch zur rechten Zeit gebrauchte. Aber bewahre mich der Himmel, daß ich deshalb den geringsten Groll gegen sie hätte, was sie thut ist wohlgethan und wie ein Vater seinen Sohn züchtiget, so züchtigt sie uns Demokraten,' liebevoll und zu unserm Besten, denn wenn Sie wüßten, wie ich das erstemal aus voller Brust wieder die freie Gottesluft einsog, als ich die herrliche, gesegnete amerikanische Küste wie einen „Garten Gottes" vor mir ausgebreitet sah, wenn Sie wüßten, mit welchem Hochgefühl ich wieder das Haupt zum freien Gotleshimmel emporhob, als ich den Fuß auf amerikanischen Boden setzte, wenn Sie wüßten, mit welchem Wohlbehagen ich den Druck im Drucke von mir abschüttelte — denn in den allgemeinen deutschen Druck ist noch der spezielle Judendruck eingeschachtelt — ich sage, wenn Sie dies Alles wüßten, Herr Doktor! Sie würden dann keine Thräne des Bedauerns für mich haben, sondern Sie würden andächtig die Hände falten und mit mir ausrufen: was die bairische Polizei thut, das ist wohlgethan! Fürchten Sie nicht, daß ich in diesem Tone sortsahren werde, ich kenne zu gut die Pflicht eines treuen Korrespondenten, die Pflicht: sich in den Hintergrund zu stellen und die Fakta hervortreten zu lassen. Ich kenne die allgemeinen jüdisch-amerikanischen Verhältnisse noch zu wenig — ich bin erst 2'/r Monate im Lande — als daß ich mir schon darüber ein Urtheil zutraue, ich werde daher hauptsächlich die hiesigen jüdischen Verhältnisse zum Gegenstände meines heutigen Berichts macken, da ich mit diesem schon durch meine Stellung Etwas vertrauter bin. Baltimore mag Ihnen als Beleg dienen, mit welch fast unglaublicher Schnelligkeit hier zu Lande sich jüdische Gemeinden bilden und in welchem Maaße sie zunehmcn, denn so wie hier in Baltimore so ist es in allen größeren Städten Amerikas. Vor ungefähr 18 Jahren lebten hier etwa 8—10 jüdische Familien und heute mag die Anzahl derselben wol über 700 betragen, denn genau läßt sich die Zahl nicht ermitteln, da die bei Weitem größere Halste derselben keinem jüdischen Verbände, keiner Gemeinde angehört, die kleinere Hälfte vertheilt sich auf die drei hiesigen Gemeinden in folgender Weise: Zu dem „Verein

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