Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1850)
- Date
- 1850-01-07
- Page
- Seite 25 (sequence 9)
- Language
- German
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25 Schmuelche (erschreckend und auf den Melamed starr blickend): Die Gemara Kiduschin. Der Melamed: Schrecke Dich nicht, Schmuelche, Du bist doch a schönes Bachurl, fang doch nur an, und Du wirst schon kennen. Der Vater öffnet die Gemara und der Jüngling fangt an: wbw3 nip'D rniistn d. h. das Weib wird dem Mann eigen durch drei Dinge, nämlich: durch Geld, Heirathskontrakr und dieses letzte Wort, sagt der Melamed, braucht Schmuelche noch nicht zu wissen, er ist doch jetzt nur 10 Jahre alt... „nun sage weiter", und der Jüngling setzt fort, bis er wieder auf die unverständlichen Wörter stößt, wie z. B. „warum stehet in der Mischna wbw und nicht nwibw? weil D'O'i'r, und warum nicht tr'ttn? weil iiK'o heißt Tn, wie es geschrieben ist: riKtoa “laa *p“i, und auch dieses braucht er nicht zu wissen, sagte der Melamed, er ist doch noch sehr jung. Und nun wird der Pentateuch aufgeblättert, der Melamed zeigt dem Talmid die Sedro dieser Woche an: rtbia-n „Und Jankow schickte die Malochim (Boten) zu Esow seinem Bruder, und sagte ihnen, so sollt ihr sagen zu meinem Herrn, zu Esow, so hat gesagt dein Knecht Jankow, mit Laban ‘’n'u d. h. auch bei Laban habe ich die Mizwot gehüt und gelernt rc. rc. Tis T’ä e» Rette mich doch von meinem Bruder d. h. von welchem Ham an herauskommen wird, wie die Anfangsbuchstaben bedeuten, rc. Der Wirth wird sehr böse auf den Melamed und versagt ihm fortan seinen Sohn Alles im Talmud und Bibel deutlich zu erklären und nicht zu plaudern, denn Gegenfalls wird er seinen Sohn von ihm gewiß abnehmen. Es erscheint indessen die Mutter des Jünglings und fragt beim Manne: „Nun, Jankel, hat unser Schmuelche gut gelernt?" „Nicht schlecht, sagt der Vater, aber der Melamed lernt mit ihm nicht deutlich." „Schadet nicht, sagt sie, lassen wir ihn nur lernen, erwirb ein frommer Bachurl sein, wenn er wird auch nicht so Alles deutlich lernen, und wir werden mit ihm einen hübschen Schiduch thun, d. h. wir werden ihn auch mit einer unwissenden und sogar einer schwärzlichen Magd, aber einer geschickten Krämerin (n;i3) verheirathen, unser Schmuelche wird ein frommer Mann sein d. h. er wird sich jüdisch kleiden, auch oft fasten und den sijanL besuchen, und seine Frau wird schon für ihn Alles besorgen." Der Melamed gehet indessen sehr betrübt nach Hause, wo seine Frau ihm schon wüthend entgegengehet und zornig ihn fragt, warum er sich so lange bei Reb Jankeln aufgehalten, da es doch schon Zeit ist Schaleschudes (Abendbrod am Sabbat) zu essen. „Geschwind, es ist doch schon sehr spät..." „Nun, was willst Du noch haben, verfluchtes Weib (rm'iK)! weder die ganze Woche, noch am Schabas habe ich vor Dir keine Ruhe, dein erster Mann ist durch Dein böses Herz rc. gestorben, was dünkst Du Dich, denn ich werde deinetwegen mit den Talmidim die ganze Woche arbeiten und im Schweiße des Angesichts für Dich das Stückchen Brod verdienen, frevelhaftes Weib (nwro)! ich werde Dir schon zeigen, was ein Melamed bedeutet, morgen gehe ich mit Dir zu den Richtern (n"3), und es wird die Ehescheidung geschehen, Du bekommst den Scheidebrief (as) gar ohne Geld (miro), und unsere Weisen (b"m) sagen im Talmud: „wenn die Frau sogar nur die Speise für den Mann nicht gut zugmcht hat, so bekommt sie den r» ohne Geld." Der Melamed und seine Frau zanken und schlagen sich so lange, bis die Vorbeigehenden zusammenlaufen und den Melamed von seiner Frau entfernen. Am Abend aber nach der nbnun versammeln sich bei dem Melamed seine und seiner Frau Freunde, und es wird Friede geschlossen. Sollten sie aber nachher jedoch nicht harmoniren können, und die Väter ihre Kinder nicht mehr bei ihm lernen lassen, so ist der litthauer Melamed manchmal gezwungen, sich nach den Dörfern und anderen Städtchen zu entfernen, um dort auch durch andere Arbeiten wie z. B. als Schächter, Richterdimer (««« n'Z) rc. sein Brod zu erwerben. (Fortsetzung folgt.) Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Neugestaltung des Gemeindewesens. StatutenentrvArf der israelitischen Gemeinde zn Krefeld. (Schluß.) Zahlungsverzögerung. tz. 100. Wer mit den freiwilligen Beitragen (Mischeberach) zur Gemeindekasse ein halbes Jahr, trotz dreimal in monatlichen Zwischenräumen erfolgter schriftlicher Anmahnung, in Rückstand bleibt, verliert das Recht auf 2*