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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-07 · Heft 2 (7.1.1850) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 2 (7.1.1850)
Date
1850-01-07
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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23 mit einer schamlosen Frechheit alles Glänzende zu schwärzen und alles Erhabene in Staub herabzuziehen sucht!!" Da haben wir denn wieder die religiösen und politischen Gebiete in einander gerückt, und von dem einen die Vorwürfe gegen das andere entlehnt! Aus diesem Wirrwarr wird die Menschenwelt noch lange nicht herauskommen. —. Die Proselitenmacherei nimmt hier seit Kurzem unglaublich zu. In der Nähe von Berlin treibt jetzt ein ehemaliger Schuhmacher, der später Kirchendiener der englischen Kapelle wurde, Misflonswesen bei den Juden. Diese selbst und im Vereine mit ihren Geistlichen der betreffenden Oerter wollen jetzt bei der Regierung über dieses Unwesen Beschwerde führen. Oesterreichischer Kaiferstaat. Aus Mähren, 16.Dezember. JnProßnitz hat das Gleichberechtigungsprinzip und die Glaubcnsduldung einen Triumph gefeiert. Zwei Israeliten, Simon Bree und Siegmund Steinschneider, errichteten mit Bewilligung der hohen Landesstelle und des fürsterzbischöflichen Konsistoriums, eine Schule, in welcher sie christlichen und israelitischen Kindern einen gemeinschaftlichen Unterricht in den Haupt-Schulgegenständen, natürlich mit Ausschluß des Religionsunterrichts, ertheilen. Aus Ungarn, 2).Dezember. JnPreßburg wurde am 22. Dezember zum ersten Male ein Israelit als Hausbesitzer in das Grundbuch eingetragen. Brody, 16. Dezember. Wie wir aus verläßlicher Quelle vernehmen, besteht in Lemberg schon wieder ein eigenes jüdisches Paßbüreau. Diese ehrwürdige Einrichtung der alten Zeit wurde bekanntlich im vorigen Jahre aufgehoben; nun hat die lemberger Polizeidirektion gut befunden, dieselbe zu restauriren. (C. Bl. a. B.) —. In Brody fand am 15.Dezember die feierliche Beeidigung eines israelitischen Praktikanten bei der Kameralbehörde statt. Rußland. Aus Litthauen, im November. (Privatmitth. Fortsetzung.) Nachdem ich Ihnen in meinem vorigen Schreiben eine kurze Uebersicht des Wochengottesdienstes der litthauer und russisch-polnischen Juden mittheilt, so gestatten Sie mir wol noch einen Blick auf den Sabbatgottesdienst zu wenden, wie auch über die Sabbatfeierlichkeit und den Zeitvertreib an diesem Tage, mich mit einigen Worten hiemit auszusprechen. Wenn der litthauer Jude die Werktage in Handel und Wandel, im Gebet und im Lernen der heiligen Bücher zugebracht hat, so gefällt es ihm schon am Freitag des Morgens für den Sabbat Sorge zu tragen. Bor oder gleich nach dem Morgengebet muß er selbst oder seine Frau, wenn sie zufällig keine Krämerin oder Hausirerin ist, die für seinen Hausstand nöthigen Fische auf dem Markt aufkaufen, sollten es nicht frische, so können es auch tobte oder stinkende Fische sein, was auch oft viele Krankheiten verursacht, das macht ihm gar Nichts aus, Fische auf Schabas muß er haben, wofür er manchmal, wenn die Fische theuer sind, auch seine letzten Kopeken hingiebt. Die ganz armen Juden hingegen bekommen nur Brod, Fleisch u. dgl. von der Chebro Channun Dalim. Nachher d. h. wenn der litthauer Jude die Fische für den Schabas schon selbst gemacht und gekocht hat, wenn schon die nöthigen Lichte, Semmel, Kuchen rc. zu Ehren des Sabbats (ro« tddV) aufgekauft sind, gehet er in die Badstube, um sich auch in der Mikwo zu tauchen und zu reinigen, obwol das Wasser dort gewöhnlich sehr unrein ist. Kaum ist er von der Mikwo gekommen, so sehen wir ihn schon, noch naß und schwitzend, im Pentateuch singend lesen (nu'-ipn Solche und dergleichen Zeremonien werden ihm aber leider gleich unterbrochen, wenn seine Frau und Mägde von der Bude auf Sabbat nach Hause kommen, und noch auf der Schwelle mit den Schlüsseln und Ellen stehend, hören wir schon solche Frauen wüthend — da sie in Litthauen von ihrer Kindheit an ungezogen und höchst roh sind — folgende Fragen und Gespräche: „Ist schon Alles fertig auf Schabas? Zankel! Du bist doch immer in der Stube, ein sehr ledig Gehender, taugst doch gar nicht zu der Welt ... warum ist noch nicht Alles in Ordnung, bei anderen Leuten ist schon Schabas und hier.. ." „Du bist doch eine Wirthin, warum hast Du nicht vorher Alles zubereitet." „Geh zum Teufel! wo ist die Dienstmagd, die Köchin?..." und wenn sie Alle zusammenkommen, und ihr Geschrei wegen der zuwenig oder zuvies aufgekausten Fische,

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