Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1850)
- Date
- 1850-01-07
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
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22 Wie bekannt, handelt es sich in Frankfurt jetzt um die von der Konstituante votirten Verfassung. Eine Partei will um jeden Preis diese Verfassung der Verwirklichung vorenthalten. Daß die Juden in der Majorität auf Seiten der Konstituante stehen, ist sehr natürlich: denn die Gegenpartei ist es ja, welche von 1813 an konsequent den Juden ihre wohlerworbenen, ja schwer erkauften Rechte in Frankfurt nahm und vorenthielt, welche noch im vorigen Jahre mit allen Mitteln die Juden vom passiven und aktiven Wahlrechte auszuschließcn suchte. Daher sucht man andrerseits wider die Juden zu agitiren. Wir sagten oben „Mehrheit", denn unter der Minorität der Mitglieder der Konstituante, welche selbst die Verfassung zu Hintertreiben sucht, befindet sich ein Jude, der als das Haupt der ehemaligen frankfurter Reformer bekannte vr. jur. C. L. Goldschmidt. Diese Minorität hat jetzt eine Ansprache erlassen, in der auch die Juden die Ehre haben, beanspracht zu werden. Es heißt darin: „Schließlich noch ein ernstes Wort an Euch, Mitbürger mosaischen Glaubens und Mitbürger vom Lande, die Ihr zum Theil glaubt, durch Euere Mitwirkung zur Annahme dieser Verfassung Euere bürgerliche Gleichstellung zu befestigen, und zugleich eine Schuld der Dankbarkeit abzutragen. Wir wissen Euere Beweggründe zu würdigen, können sie aber nicht für richtig halten. Euere Gleichstellung ist grundrechtlich und gesetzlich ausgesprochen; Niemand will, Niemand kann sie schmälern. Fürchtet Ihr den durch Verwerfung der Verfassung entstehenden und ungewissen Zwischenzustand, so dürfte aber gerade durch deren Annahme ein noch weit üngewisserer und länger andauernder herbeigeführt werden. Was endlich die Dankbarkeit betrifft, so seid Ihr deren wol auch den Mitbürgern schuldig, welche keinen Anstand nahmen, durch ihre Zustimmung zur Aufhebung des Art. 50 der Konstitutionsergänzungsakte vom Jahre 1816 und zur Abänderung der bestehenden Verfassung eine bevorzugte Stellung aufzugeben. Allein selbst davon abgesehen, würdet Ihr glauben, Euch gegen einen Blinden, welchen Ihr Dank schuldig seid, dieser Schuld zu entledigen, wenn Ihr ihn an einem Abgrunde erblickt, und statt ihn zurückzubringen, Euch mit ihm in den Abgrund stürzt? Ihr thut aber Aehnliches, wenn Ihr für Annahme dieser Verfassung wirkt." — Die Phrase „Niemand will, Niemand kann sie schmälern" — erregt allerdings einiges Bedenken. Wenn die Herren beweisen könnten, daß das „Niemand will" eine Wahrheit wäre, dann wollten wir auch über das „Niemand kann" beruhigt sein. So ist aber sicher, daß recht Viele die Gleichstellung der Juden schmälern wollten, wenn sie könnten — und so möchten wir auch zweifeln, ob sie es nicht auch könnten. Wer einmal über das Gesetz aus dem Jahre 1848 hinausgeht, der kann auch sehr leicht über die deutschen Grundrechte, deren Giltigkeit jetzt überall in Frage steht, hinausgehen. Jndeß wird wol schwerlich die Verfassung verwirklicht werden, und was dann? das ist noch in dichtes Dunkel gehüllt. Elbing, 18. Dezember. (N. E. A.) In unserer Stadt hat sich eine jüdisch-reformirte Gemeinde gebildet, die ihren Gottesdienst in einem Privathause abhält. Berlin, 29. Dezember. Daß der oberste Leiter der Reformgenossenschaft vr. Stern Mitglied bei der an Waldeck nach dessen Freisprechung gesandten Deputation zur Ueberreichung eines Ehrengeschenks war, daß Rebenstein, der Vorbeter der Reformgenossenschaft, Redakteur der radikalen „Urwählerzeitung", welche in jüngster Zeit mehrmals mit Beschlag belegt worden, ist, wird von manchen Seiten übel vermerkt. In den berliner Zeitungen erscheinen jetzt häufig Inserate, mit der Unterschrift: „Ein Jude in Berlin", welche deshalb sehr lebhafte Borwürfe an die gedachten Herren richten. Das letzte dieser Inserate lautete: „Unter der Ueberschrift: „Es ist zu bedauern", bringt die Urwählerzeitung in No. 220 wiederum einen der empörendsten Leitartikel! Ja! — Es ist zu bedauern, daß der Red. dieser Zeitung, als Reformer und Vorbeter in einer hiesigen jüdischen Genossenschaft, am Alter so fromm thuend, seinen Blick nach oben wendet.' und dennoch sein Blatt voller Schändungen und frecher Aufreizungen unter das Publikum verbreitet! Es ist zu bedauern, daß er als Religionslehrer, das Heiligste, was die Religion gebietet, nämlich: Ehrfurcht und Achtung gegen den König, sein Haus und die Landesgesetze, auf's Strengste zu beobachten; gegen alle Zucht und Sitte, in seinem Blatte, so gemein und jedes Gefühl so tief verletzend, schändet! Es ist endlich zu bedauern, daß er in seinem Blatte