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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-07 · Heft 2 (7.1.1850) · p. Seite 21

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 2 (7.1.1850)
Date
1850-01-07
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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21 \ mung gewissermaßen durch seine Stellung als Minister entschuldigt sein; aber an den Pranger werden gestellt die Namen von vier katholischen Geistlichen, da durch ihre Schuld die Judenemanzipation durchgegangen sei; hätten sie nicht gefehlt, so wären die zu einer Verfassungsveränderung nothwendigen zwei Dritthcile sämmtlicher Stimmen nicht zu Stande gekommen und das Gesetz verworfen worden. Da jetzt die „fremde Nation" gleichberechtigt sei in Baiern, so sollte man auch — meint der ehrenhafte „Volksbote" — den Titel der Verfassung abändern in „Verfassung der vereinigten Reiche Israel und Baiern!" — Folgsam dem Rufe der Getreuen in der Metropole veranstalten Piusvereinler (die meisten Mitgliederderselben sind Solche, die entweder was zu erlangen suchen oder Etwas durchführen möchten unter dieser Firma) und Geistliche Adressen, die kolportirt werden von Haus zu Haus; wer die Feder nur führen kann, wird zur Unterschrift aufgefordert und doch gehts mit den Adressen nicht recht vorwärts; die Zeiten wie 1847, wo Herr Graf Arco dies papierne Geschütz zur Aufrechterhaltung des Ministeriums Abel so effektreich verwandte, sind vorbei. Adressen von Altötting (wo ein schwarzgebräuntes Muttergottesbild und die Dummheit der Wallfahrer den Einwohnern ihren guten Nahrungsstand verschafft), oder von Regensburg, wo der 120 Mann starke Piusverein keck genug war, im Namen der Stadt und der Bürger aufzutretcn, und den kleinen altbaierischen Orten werden auf den Beschluß der zweiten Kammer keinen Einfluß haben. Wahrhaft lächerlich aber ist es, daß diese Paar Tausend Piusvereinler sich immer geriren, als ob sie in ihrem altbaierischen National-Selbstbewußtsein Baiern allein zu repräsentiren hätten. Franken und die Pfalz existirt für die Herren „Deutschbaiern" gar nicht, und als Grundton, der in alle ihre Reden und papiernen Demonstrationen eingewebt ist, schimmert stets hervor: „Ich danke Gott, daß ich ein geborner Altbaier bin, und nicht so ein revolutionärer Franke, oder gar ein rother Pfälzer!" — Die Judenemanzipation ist schon seit Jahren in Franken als unbedingte Nothwendigkeit angesehen worden, daher erregt ihre Durchsetzung dort kein besonderes Aufsehen; sie mußte kommen. Materiellen Nachtheil kann die Emanzipation nicht bringen, da mit dem Fallen der Ausnahmegesetze die Juden ihre Talente und Kräfte vielseitiger gebrauchen können. Den Vorwurf, daß sie nicht schwere Handarbeit lieben, widerlegen vorerst vier jüdische Bauernfamilien im Ries (Mittelfranken), die ihre Güter musterhaft bewirthschaften und vielleicht fleißiger sind, als die altbairischen ackerbautreibenden Piusvereinler, denn die halten an 96 gebotenen Sonn- und Feiertagen ganz gewissenhaft, wol nicht allein aus religiösen Beweggründen, und was ein ganz treuer Anhänger der Kirche ist, der hält auch die abgebotenen 20 Feiertage. Daß dies nicht allgemein geschieht, darüber hat sich der geschichtskundige und gedankenreiche Gebirgssohn Herr vr. Sepp erst kürzlich in der Kammer laut beklagt! München, 25. Dezember. (A. Abendztg.) Die Zahl der gegen die Judenemanzipation eingelaufenen Adressen beträgt nach Angabe der „Volksboten" nunmehr 22; wozu Oberbaiern und Niederbaiern die meisten geliefert haben. In einer derselben werden alle jene Abgeordnete, welche für die unbeschränkte Emanzipation gesprochen, für mit „Schmach bedeckte Volksverräther" erklärt. —. 28. Dezember. (A. Abendztg.) Die Zahl der Adressen gegen die Judenemanzipation beläuft sich nur auf 54, welche aus 116 Ortschaften kommen und 3534 Unterschriften zählen. (Man muß gestehen, für Baiern sehr unbedeutend.) Frankfurt am Main, 29. Dezember. Was wir soeben in Baiern Vorgehen sehen, daß alles alte gehässige Vorurtheil des Pöbels gegen die Juden hervorgesucht und aus seinem alten Sumpfe aufgetrieben wird — das geschieht jetzt auch in kleinerm Maße wieder in Frankfurt am Main. Erläßt doch ein wackrer Mann in Frankfurt am Main folgende Warnung: An meine vorurtheilsfreien Mitbürger. Diejenigen meiner Mitbürger, welche bedenken, daß es seit alten Zeiten vorzugsweise die lichtscheuen Jesuiten mit ihren großen und kleinen Helfershelfern waren, welche den Religionshaß unter den verschiedenen Sekten anzufachen und für ihre schlechten Zwecke auszubeuten suchten, werden, durch die Reuzeit belehrt, recht gut einsehen, was sie von einer Partei zu erwarten haben, die im Verein mit feilen Skriblern und Apostaten sich bemüht, den längst erloschenen Judenhaß wieder anzufachen. I. v. Carben zun., Metzgermeister.

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