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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-01-07 · Heft 2 (7.1.1850) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 2 (7.1.1850)
Date
1850-01-07
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 hatten daaltbaierische Publikum so sehr in Anspruch genommen, daß es die deutsche Frage und Baierns Verhaltniß zu derselben ganz außer Acht gelassen hatte. (K. Z.) Aus Baiern, 23. Dezember. (M. Z.) Die ultramontane Partei ist im Begriffe, mit dem Ministerium ganz zu brechen; Graf Arco-Valley, einer ihrer Koriphäen in der Reichsrathskammer, hat dies gelegentlich der Debatten bei dem Amnestiegesetz deutlich kund gegeben, indem er dem Ministerium, in dessen Lob er seither unerschöpflich war, in leiner Manier etliche Derbheiten hinwarf und von Undankbarkeit rc. sprach. Eine weil wichtigere Erscheinung an unserm politischen Horizont ist die Trennung des Zentrums in der Volkskammer; das unnatürliche Lündniß zwischen der ultramontanen Partei, deren Herrschsucht täglich greller hervorlrat. und den Männern, die zu Lerchenfcld halten, konnte nicht von Dauer sein. Die Judcnemanzipakion brachte das Zerwürfniß und mit ihm die Hoffnung, daß die ParteistcUung in der Kammer jetzt eine andere sein werde. Daß die Juden in Altva ern gleiche politische Rechte mit den katholischen Cyristen künftig haben sollen, bringt die Geistlichkeit in Harnisch und sie setzt jetzt Alles daran, um die Regierung und die Kammer der Reichsräthe einzuschüchlrrn. Alle Waffen, ehrliche und unehrliche, offene und versteckte, werden ergriffen, um anzukämpfen gegen „eine V.rfassungsveränberung, He Baiern des Prädikats eines christlichen Staates beraubt", denn nur „Glaubenskrcue kann des Landes Wohlstand und seine Macht erhalten, wird es unüberwindlich machen." Feuer und Gift speien die ultramontanen Organe aus, Alles wird in Bewegung gesetzt, um einen Adressensturm bis zum Neujahr in Altbaicrn und den ganz unbedeutenden Filialen in Franken und der Pfalz hcrvorzurufrn. In der „Augsb. Postzeitung" predigt der Professor der Aesthetik, Lassaulr, einen Kreuzzug gegen die Gleichstellung der Juden; echt jesuitisch sucht er nachzuweisen, daß der Hauptgrund der Minister: „Königswort müsse heilig bleiben", gar keine Anwendung finden könne im vorliegenden Falle, denn in der Proklamation vom 6. März 1848 sei nur von „einer Verbesserung der Lage der Juden" die Rede; das königliche Versprechen besage eigentlich nichts Anderes, als daß es eben den Ministern überlassen bleibe, wie und in welcher Form sie den Gegenstand vor die gesetzgebenden Kammern bringen wollten. Die Minister und nicht das „königliche Wort" für die Minister seien verantwortlich; in ihrer Hand lag es, die Zusage „Verbesserung" enger oder weiter zu deuten. Da sie nun Gleichstellung mit Verbesserung verwechselt hätten, so wäre das christliche Prinzip als Staatsgrundgesetz verkümmert, und das tausendjährige Fundament des baierischen Staates erschüttert; man habe sich auf den Boden der deutschthümelnden Propaganda gestellt. Nach Neujahr kommen die Reichsräthe wieder zusammen, „bis dahin — deklamirt dasselbe Blatt — hätten die Gemeinden und politischen Vereine (d. h. die Piusvereine, die Vereine für religiöse Freiheit (?) und Ordnung u. s. w.) wol Zeit, sich mit Petitionen um Schutz gegen die Nachtheile jener Emanzipation an diese Kammer zu wenden. Wir bitten aber dringend, jede religiöse Beziehung gänzlich aus dem Spiele zu lassen." Wahrhaft wüthend ist der „Volksbote", dessen Redakteur, der berüchtigte Zander, die Juden, denen er doch Leben und Erziehung verdankt, auf jegliche Weise verleumdet und beschimpft. Dieser Zander, ein Glaubens-Chamäleon, ein Mensch ohne Treue und Gewissen, aller Ehre baar, hat die Kühnheit — und dies mag ein Zeichen sein, was die Ultramontanen in Baiern wagen dürfen — zu behaupten, es habe eine Bestechung der hervorragendsten Kammermitglieder von Seite der Juden stattgefunden, damit der „Handel" zu Stande habe kommen können! Er spricht von „schmachvollem Emanzipationsschacher" und äußert, die „Kuppelung des charaktervollen Wallerstem und gesinnungstüchtigen Lerchenfeld" habe bei ihrer „Uneigcnnützigkeil" nur aus „gewichtigen Gründen" statlsinden können; „wie schwer der Trauring dabei gewesen sei, werden die Juden am Besten wissen." Von Graf Hegnenberg-Dux erzählt der „Volksbote", nur um ihn bei dem verdummten altbaierischen Volke zu verdächtigen, eine Familiengeschichte, die ihm (er ist der Adoptivsohn des alten Grafen) natürlich im höchsten Grade unangenehm sein muß und mit seiner Stellung als Präsident der Kammer gar Nichts zu schaffen hat. In einem Beiblatte des „Volksboten" sind die Namen aller Abgeordneten, die für die Judenemanzipation gestimmt haben, mit einer schwarzen Randvcrzierung abgedruckt, „damit man nur noch ein Glas darüber machen lassen darf, um die Gedächtnißtafel zur Erinnerung bei künftigen Wahlen u. s. w. aufzuhängen." Bon Herrn v. d. Pfordten heißt es, er möge für seine Abstim-

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