Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1850)
- Date
- 1850-01-07
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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19 frage, sondern wieder als besondere Judenfrage, der Eindruck, den das Votum der zweiten Kammer hervorgebracht, find so eigenthümlich, daß wir fortfahren müssen, eine genauere Zeichnung durch Zusammenstellung der verschiedenen Berichte zu geben. München, 16. Dezember. In Folge der erfolgten Abstimmung über das Judcnemanzipationsgesetz hat fich die Museumspartei förmlich getrennt; de/bei weitem größere Theil derselben hat sich unter Lerchenfeld im goldnen Hahn als eigne Fraktion konstituirt, die eigentliche Priesterpartei, welche über die Emanzipation bis zur Unversöhnlichkeil aufgebracht ist, bleibt im Museum. Im „Volksboten", welcher nebst der Landshuter- und Postzeitung als Eines der heftigsten Organe derselben angesehen werden kann, find die Namen derjenigen Abgeordneten, welche für die Emanzipation gestimmt haben, in einen schwarzen Rahmen gefaßt, um sie dem Haffe der Stockbaiern zu ewigem Andenken zu empfehlen. Neben anderen Personen, welche der Volksbote zum gewöhnlichen Gegenstände seiner Schimpfreden macht, ist diesmal insbesondere der Präsident Hegnenberg-Dux in demselben auf die verletzendste und niederträchtigste Weise angegriffen, und zwar der Art, daß es die Delikatesse verbietet, die Natur des Angriffs näher zu bezeichnen. Es müßte als ein Wunder betrachtet werden, wenn diese Parteien je wieder zusammengehen könnten. (Sp. Z.) (Man erinnere sich, daß der „Volksbote" von dem getauften Juden Zander redigirt werde, s. weiter unten.) München, 17. Dezember. Die christliche Bevölkerung unserer Stadt theilt in ihrer großen Mehrzahl die Freude der Israeliten über den Beschluß in der Emanzipationsfrage vollkommen; jene Partei, die bei der Berathung in der Kammer mit solcher Leidenschaftlichkeit auftrat und in ihrem hiesigen Schmutzblatte, dem s. g. Volksbvten, Gift und Galle speit, hat hier keinen so großen Anhang mehr, als man auswärts vielleicht glauben mag. (N. K.) München, 18. Dezember. Der Abgeordnete Reinhard erklärt heute in hiesigen Blättern, daß er dem Gesetzentwurf bezüglich der Emanzipation der Israeliten aus dem Grunde nicht beigcstimmt habe, weil demselben eine beschränkende Modifikation beigefügt worden ist. —. (F. I.) Die Judenemanzipation bildet noch immer das Tagesgespräch. Die meisten Stimmen begrüßen dieselbe als eine Forderung der Zeit, und einige wol hier und da noch spukende Bedenklichkeiten abgerechnet, hört man hier Nichts von dem Abscheu und dem Protest, mit dem sich die Altbaiern nach den Schilderungen einiger Kammerredner gegen diesen „Volksmord" erheben sollten. Die Art und Weise, in welcher der „Volksbote" über die Emanzipation und seine früheren Freunde Hegnenberg, Lerchenfeld rc. seinen Geifer losläßt, erregt allgemeine Heiterkeit; denn den besondern Vortheil hatte die Debatte über die Judenfrage, daß diese Herren endlich ausgeschieden wurden von der schwarzen Masse, mit der sie bis jetzt vereint waren und die ihre frühere Liberalität verdunkelte. Augsburg, 22. Dezember. Das hiesige Handelsgremium hat heute den Beschluß gefaßt, eine Adresse gegen die unbedingte Emanzipation der Juden an die Kammer der Reichsräthe einzureichen. (Das „Bedingte" besteht hier — bemerkt der „Korr, v. u. f. D." — wahrscheinlich darin, daß die jüdischen Konkurrenten von Kriegshaber und Pfersee von der Emanzipation ausgenommen werden sollen.) —. Die von einem hiesigen Blatte gegebene Nachricht, daß das augsburgcr Handelsgremium an die Kammer der Reichsräthe eine Adresse gegen die Judenemanzipation gerichtet habe, ist ungegründet. (A.A. Z.) München, 23. Dezember. Die Kammern haben sich bis nach Neujahr vertagt, doch ihre Ausschüsse zurückgelassen, damit diese weiter arbeiten. Die in der zweiten Kammer hart erkämpfte Judenemanzipation und die noch schwerer den Reichrälhen abgerungene Rechtsgleichheit einer beschrankten Amnestie für die politischen Vergehen und Verbrechen in den diesseitigen und jenseitigen Landestheilen (ein Vorspiel des bevorstehenden Kampfes mit dieser Kammer über die Judenemanzipation), die endliche Trennung der Zentren in der Abgeordnetenkammer von der büreaukratischen und ultramontanen Rechten, die Agitationen der klerikalen Partei unter dem Landvolke im Wühlerstil vorjähriger Demokratie gegen die Emanzipation, von den Blättern dieser Partei jubelnd begrüßte Anfänge zu Judenkrawallen und von der freisinnigern Presse geoffenbarte trügerische Fabrikation von Adressen > gegen die Judenemanzipation — all diese Interessen